Stillen und Zahngesundheit

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Stillen wirkt sich positiv auf die Kieferentwicklung aus und fördert die Zahngesundheit

Dass Stillen optimal für die Ausbildung der Mundmotorik und die Kieferentwicklung ist, wird inzwischen von niemandem mehr angezweifelt: Gestillte Kinder brauchen seltener eine kieferorthopädische Behandlung. Dass die durch das Stillen optimal geförderte Ausbildung und Bewegung der Sprechwerkzeuge die Sprachentwicklung begünstigt, steht ebenfalls außer Frage: Gestillte Kinder benötigen seltener eine logopädische Behandlung. Wo jedoch oftmals der Zeigefinger erhoben wird, vor allem, wenn ein Kind länger gestillt wird und auch nach dem Zahndurchbruch nachts noch viel an der Brust trinkt, ist die angeblich Karies begünstigende Wirkung der Muttermilch. Wird durch Stillen und Muttermilch wirklich das Kariesrisiko erhöht?

Stillen ist der von der Natur vorgesehene Weg, Babys zu ernähren. Muttermilch ist optimal zusammengesetzt, um Menschenkinder mit allem zu versorgen, was sie brauchen, bis sie soweit sind, dass - zunächst nur ergänzend und im Laufe der Zeit bis zum endgültigen Abstillen immer weiter zunehmend - feste Nahrung eingeführt wird. Doch es ist nicht nur das Nahrungsmittel Muttermilch an sich, das so wichtig ist. Auch dem Stillen, dem direkten Trinken an der Brust, kommt eine große Bedeutung zu. Die Gebissentwicklung des Babys wird durch Stillen günstig beeinflusst. Stillen ist ein optimales Trainingsprogramm für die Ausbildung der Kiefer.

Wird der Saugvorgang an einem künstlichen und der an der Brust quantitativ verglichen, so kommt es sogar zu einer hohen Übereinstimmung. Doch es muss unbedingt auch die Qualität der Bewegung berücksichtigt werden. Beim Stillen wird die Mund- und Kiefermuskulatur nicht nur stärker beansprucht als beim Trinken aus der Flasche, der gesamte Bewegungsablauf unterscheidet sich deutlich. Neben der Intensität spielt auch die Richtung der Muskelbewegungen eine Rolle.

Die Brust passt sich jederzeit an die kindliche Anatomie an, das Saugen an der Brust ermöglicht ein orofaziales Gleichgewicht und das Kieferknochenwachstum sowie die Ausbildung des kindlichen Kiefers werden optimal unterstützt. Nur die Brust und das Stillen können wirklich als „kiefergerecht“ bezeichnet werden. Das Zusammenspiel der einzelnen Muskelgruppen ist beim Stillen so effektiv und physiologisch, wie es bei keiner anderen Fütterungsmethode und keinem Beruhigungssauger erreicht werden kann.

Stillen trainiert den Lippenschluss. Ein korrekter Lippenschluss ist eine wichtige Voraussetzung für die Sprach- und Kieferbildung sowie die Nasenatmung. Das Zusammenspiel der Bewegung von Unterkiefer, Wangenmuskulatur und Zunge beim Stillen verhilft zur Ausbildung eines harmonischen Schluckmusters, was eine störungsfreie Entwicklung von Ober- und Unterkiefer begünstigt.

Falsche Schluckmuster erschweren kieferorthopädische Maßnahmen. In vielen Fällen wird aufgrund fehlerhafter Schluckmuster eine myofunktionelle Therapie (Therapie der Muskelfunktion beim Atmen, Saugen, Kauen und Schlucken) erforderlich damit eine Kieferregulierung durch den Kieferorthopäden durchgeführt werden kann.

Gestillte Kinder benötigen weniger logopädische Therapien und seltener eine Gebissregulierung und eventuell doch erforderliche kieferorthopädische Maßnahmen sind meist weniger aufwändig. Stillen ist aus kieferorthopädischer Sicht ohne Zweifel der Flaschenfütterung vorzuziehen. Eine nur kurze Stillzeit oder gar nicht zu stillen, erhöht das Risiko für Zahnfehlstellungen und aller damit verbundener Probleme.

Bis hierhin wird auch jeder Zahnarzt zustimmen, dass Stillen sich positiv auf die Zahngesundheit auswirkt. Doch wenn es um das Thema Karies geht, wird das Stillen, vor allem das Langzeitstillen und das nächtliche Stillen, von vielen Zahnärzten anders beurteilt. Es wird oftmals die Hypothese aufgestellt, dass Muttermilch Karies verursache und Müttern wird nicht selten zum deutlichen Einschränken des Stillens, wenn nicht sogar zum Abstillen geraten.

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