Stillen - der beste Start ins Leben

Der Saugreflex des neugeborenen Babys ist nach zwanzig bis dreißig Minuten am größten. Im Idealfall sollte das Baby dann, spätestens aber nach einer Stunde zum ersten Mal angelegt werden. Um es beim ersten Stillen zu unterstützen, wenn es z. B noch zu schwach ist, selbst die Brust zu suchen, kannst du,  die Mutter, es sanft mit der Brustwarze im Mundbereich berühren und es, wenn es den Mund weit öffnet, an die Brust ziehen. Wenn es dann bereits kräftig saugt, umso besser. Aber auch wenn es zunächst nur wenige Schlucke trinkt und dann einschläft, ist das in Ord­nung. Nach spätestens sechs Stunden sollte das Baby das zweite Mal angelegt werden – na­türlich auch früher, wenn es möchte.

Woran erkennst du, ob dein Baby hungrig ist? An folgenden Anzeichen: Es leckt sich die Lippen, es streckt die Zunge heraus, es macht saugende Bewe­gun­gen oder Sauggeräusche, es führt die Hand zum Mund (das gilt im ersten Lebensmonat), es dreht den Kopf hin und her (Suchbewegungen nach der Brust), es bewegt die Augen schnell hin und her, es wird ruhelos und fängt schließlich an zu weinen.

Das Stillen nach Bedarf, also häufiges Stillen ohne Einschränkungen, hat viele Vorteile:

  • Dein Baby erhält das wertvolle Kolostrum, die Vormilch, die reich an Nähr- und Abwehrstoffen ist,

  • Dem schmerzhaften Milcheinschuss bei dir wird vorgebeugt,

  • Dein Baby hat die Gelegenheit, das Saugen zu üben, bevor die Brust nach dem Milcheinschuss praller und die Brustwarze damit schwerer zu fassen ist,

  • Die Kontraktionen der Gebärmutter werden angeregt, die Wahrscheinlichkeit von Nachblutungen wird verringert,

  • Der Neugeborenengelbsucht wird vorgebeugt,

  • Die Milchbildung wird angeregt.

Neugeborene Babys sollten mindestens 8-12mal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinken, notfalls musst du dein Baby an das Stillen erinnern. Mög­lichst viel Hautkontakt stimuliert die Körperfunktionen des Babys und erleichtert das Stillen.

Wie kannst du dich am besten auf das Stillen vorbereiten? Das Wichtigste sind Informationen! Denn leider sind die Kenntnisse von Hebammen, Säuglingsschwestern, Kinderärzten über das Stillen längst nicht immer auf dem neuesten Stand. Bereits vor der Geburt sollten die werdenden Eltern daher ein gutes Stillbuch lesen (siehe Literaturhinweise), das dann später als Nachschlagewerk dienen kann. Es empfiehlt sich auch, die Telefonnummern/Adressen einer oder mehrerer Stillberaterinnen herauszusuchen - und wenn du magst, kannst du schon vor der Geburt eine Stillgruppe aufsuchen, dort Kontakte zu anderen Stillenden knüpfen und bereits eine Beraterin kennen lernen.

Besonders über folgende Fragen, die in den ersten Tagen der Stillbeziehung auftauchen werden oder können, solltest du dich informieren:

  • Welche verschiedenen Anlegepositionen gibt es?

  • Woran erkenne ich, dass mein Baby wirkungsvoll saugt?

  • Was passiert beim Milcheinschuss?

  • Wie häufig soll das Kind gestillt werden und wie lange dauert eine Stillmahlzeit ungefähr?

  • Wie entstehen wunde Brustwarzen und was kannst du dagegen tun?

  • Was kannst du tun, wenn dein Baby lieber schläft als trinkt?

  • Welche Vor- und Nachteile haben Flasche und Schnuller und welche Tipps gibt es dazu?

  • Was solltest du als stillende Mutter bei deiner eigenen Ernährung beachten?

An „Ausrüstung“ für das Stillen wird eigentlich wenig benötigt, so dass vor der Geburt auch nicht viel eingekauft werden muss. Ein Stillkissen kann sehr nützlich sein, du kannst aber auch andere Kissen übereinander legen und während des Stillens deinen Arm zur Entlastung darauf abstützen. Stilleinlagen zum Auffangen auslaufender Milch sollten in den ersten Wochen vorrätig sein; wenn sich das Stillen erst einmal gut eingespielt hat, sind sie oft nicht mehr nötig.  Ein Still-BH, der gut sitzt und nicht einengt, kann von Vorteil sein,  manche Frauen benutzen aber einfach einen weichen normalen BH, an dem nichts drückt und stört. Die Kleidung sollte daraufhin überprüft werden, ob sie es ermöglicht, das Baby bequem anzulegen, z. B. Blusen/T-Shirts/Pyjamas mit Knopfleisten. Frauen, die planen, noch während der Zeit, in der das Baby voll gestillt wird, arbeiten zu gehen, sollten sich bei einer Stillberaterin rechtzeitig über eine geeignete Pumpe informieren und sich deren Anwendung zeigen lassen. Denn effektives Pumpen muss geübt werden!

Am Wichtigsten ist es aber, das Wochenbett ernst und sich für das Baby und das Stillen viel Ruhe und Zeit zu nehmen. Alles andere (Hausarbeit, „unabwendbare“ Besuche, Betreuung der älteren Kinder) sollte durch dein Umfeld organisiert werden, so dass dir und deinem Baby ein gelungener und stressfreier Start in eine glückliche Stillbeziehung ermöglicht wird. Sechs Tage nach der Geburt, wenn es gesundheitliche Gründe gibt, auch länger, steht dir eine Haushaltshilfe zu, deren Bezahlung die Krankenkasse übernimmt. (Das ist besonders interessant für dich, wenn du eine ambulante Geburt oder eine Hausgeburt planst.) Du solltest dich nicht scheuen, diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen und dich rechtzeitig vor der Geburt bei deiner Krankenkasse oder Hebamme darüber zu informieren.*

Ein gelungener Stillbeginn ist der beste Start ins Leben!

*Diese Regelung gilt in Deutschland. In der Schweiz wird eine Haushaltshilfe von manchen Zusatzversicherungen anteilig übernommen. In Österreich sind die Regelungen regional unterschiedlich. Wende dich bitte deswegen an deine Hebamme bzw. Krankenkasse.

Quellen:

Start ins Leben. buLLLetin. Die andere Elternzeitschrift für den Still- und Erziehungsalltag, Nr. 3, Mai/Juni 2003, 28.Jg.



Weitere Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihren Besuch möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Durch die weitere Nutzung stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen Ok