Ernährung bei Gestationsdiabetes

Der Begriff Gestationsdiabetes bezeichnet eine Störung der Glucosetoleranz mit erstmaliger Diagnose während der Schwangerschaft. Diese Erkrankung ist mit großen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Die Risiken für die Mutter bestehen im häufigen Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen wie Harnwegsinfektionen, EPH-Gestose („Schwangerschaftsvergiftung“), Polyhydramnion (zu viel Fruchtwasser) und oft der Notwendigkeit eines Kaiserschnittes. Die Risiken für das Kind sind eine erhöhte Rate der pränatalen Mortalität (Sterblichkeit vor der Geburt) und der perinatalen Morbidität (Erkrankungen nach der Geburt), z.B. durch Makrosomie (Übergewicht), Hypoglykämie („Unterzucker“) und Hyperbilirubinämie (erhöhter Bilirubingehalt im Blut).

Ein immens wichtiger Teil der Therapie einer Gestationsdiabetes ist die Ernährungsumstellung. Es gilt während der Schwangerschaft nicht für Zwei zu essen, sondern das Richtige für Zwei zu essen! Deshalb sollte auf eine gesunde, vollwertige und bedarfsgerechte Ernährung zum Wohle von Mutter und Kind geachtet werden.

Der häufigste Fehler liegt darin, dass zu viele leicht resorbierbare Fette und Kohlenhydrate aufgenommen werden und es dadurch zu einer energiereichen Fehlernährung kommt, die zu einer stärkeren Gewichtszunahme führt und damit das Risiko einer Gestationsdiabetes erhöht.

Während der Schwangerschaft werden insgesamt ca. 71.700 zusätzliche Kalorien benötigt. Diese sollten möglichst gleichmäßig verteilt werden und ergeben somit eine tägliche Menge von 255 kcal zusätzlich.


Der Bedarf an Makronährstoffen sieht während der Schwangerschaft folgendermaßen aus:

1. Der Bedarf an Eiweiß ist ab dem 4. Monat erhöht. Die empfohlene Menge der täglichen Zulage liegt bei 10 g Eiweiß.

2. Die Zufuhr an Fett sollte 35% der Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten.

3. Kohlenhydrate sollten mindestens 50% der Energiezufuhr ausmachen.

4. Es sollten täglich etwa 30g Ballaststoffe aufgenommen werden.

5. Die Flüssigkeitszufuhr sollte etwa 2700 ml am Tag betragen.


Mikronährstoffe sollten in folgenden Mengen aufgenommen werden:

1. Folsäure: Tägliche Zulage von 200 µg am Tag; Folsäure ist besonders wichtig bei vorhandenem Kinderwunsch und in der Frühschwangerschaft

2. Calcium: Tägliche Aufnahme von 25- 30 g; Die Zufuhr sollte auf mehrere Mahlzeiten verteilt werden.

3. Magnesium: Diese Zufuhrwerte sind ähnlich wie außerhalb der Schwangerschaft und betragen etwa 310 mg am Tag. Der Bedarf  kann mit ausgewogener Mischkost gedeckt werden.

4. Eisen: sollte doppelt soviel wie außerhalb der Schwangerschaft aufgenommen werden, ca. 30 mg am Tag.

5. Jod: Es ist wichtig, auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten. Sie sollte ca. 230  µg am Tag betragen.

6. Zink: Erhöhung der Zufuhr um 3 mg auf insgesamt 10 mg am Tag.

6. Selen: ähnlich wie bei Nicht-Schwangeren sollten etwa 30-70  g am Tag aufgenommen werden.

7. Vitamin A: Die Zufuhr sollte um ca. ein Drittel höher sein, als bei Nicht-Schwangeren. Dieser Mehrbedarf bezieht sich allerdings auf das zweite und dritte Drittel der Schwangerschaft. Im ersten Drittel sollte auf eine erhöhte Vitamin A Zufuhr (z.B. in Leber enthalten) verzichtet werden.


Als Ernährungsempfehlung bei Gestationsdiabetes wurden folgende zehn wichtige Regeln herausgegeben:

1. Vielseitig, aber nicht zu viel -> Möglichst vielseitige Auswahl der Lebensmittel, dabei aber nicht zu große Mengen vertilgen.

2. Weniger Fett und fettreiche Lebensmittel -> durch diese Maßnahme kann einer übermäßigen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft vorgebeugt werden.

3. Wenig Süßes -> Zucker und Süßigkeiten sollte man möglichst meiden, um den Anteil der leicht resorbierbaren Kohlenhydrate auf ein Minimum zu reduzieren. Wichtig ist auch, sich die Liste der Inhaltsstoffe genau durchzulesen!

4. Mehr Vollkornprodukte -> Der Anteil an komplexen Kohlenhydraten mit einem hohen Ballaststoffgehalt sollte deutlich erhöht werden.

5. Reichlich Gemüse und Kartoffeln, mäßig Obst essen

6. Weniger tierisches Eiweiß -> diese Empfehlung gilt nur eingeschränkt und muss individuell entschieden werden

7. Würzig, aber nicht salzig -> möglichst viel selbst zubereiten und auf Fertiggerichte weitgehend verzichten

8. Trinken mit Verstand -> Die Flüssigkeitszufuhr sollte gesichert sein. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, was man trinkt.

9. Öfter kleinere Mahlzeiten -> Mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilen um eine ausreichende Nährstoffzufuhr zu gewährleisten.

10. Schmackhaft und schonend zubereiten -> Die Nahrungsmittel sollten möglichst schonend gegart werden, um größere Nährstoffverluste zu vermeiden.


Ballaststoffe für die Verdauung

Die Zufuhr von Ballaststoffen sollte sowohl aus Getreide, als auch aus Gemüse, Kartoffeln und Obst erfolgen. Nur so wird die Verteilung unlöslicher und löslicher Ballaststoffe gewährleistet. Der Richtwert für die Zufuhr beträgt ca. 30 g/Tag oder 12,5 g pro 1000 kcal.


Ernährungsberatung

Schwangere mit Gestationsdiabetes sollten eine strukturiere Gruppenschulung aufsuchen, um sich beraten zu lassen. Die Schulungseinheiten befassen sich mit Themen wie Kohlenhydrate, Ernährungsgewohnheiten, Eiweiß und Mineralstoffe und der Bedeutung des Fettes als Nährstoff und Lebensmittel.


Die Empfehlungen für eine Schwangere mit Gestationsdiabetes unterscheiden sich nicht besonders von denen einer gesunden Schwangeren. Die Besonderheiten liegen lediglich im Kohlenhydratstoffwechsel, wobei die Komplikationshäufigkeit durch eine gezielte und konsequente Ernährungsumstellung deutlich gesenkt werden kann. Diese Ernährungsumstellung reicht bei 95% der Patientinnen aus. Ist das Blutzuckertagesprofil jedoch weiterhin pathologisch, ist eine zusätzliche Insulingabe erforderlich.

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