Kommerzielle Atemüberwachungsgeräte als SIDS-Prävention?

Vom Unsinn kommerzieller Atemüberwachungsgeräte

Eltern fürchten den plötzlichen Kindstod (Sudden Infants Death Syndrom = SIDS). Diese Ängste werden von der Industrie in bare Münze umgewandelt. Auf dem Markt sind Atemüberwachungsgeräte für Babys von verschiedenen Herstellern im Angebot. Die Werbung suggeriert, dass diese Geräte eine zuverlässige Präventivmaßnahme gegenüber SIDS seien. Merkwürdig nur - in der Bedienungsanleitung wird dies jedoch widerlegt, wie z. B. von diesem Hersteller: "Das SOWIESO-Gerät ist KEIN medizinisches Gerät, das dem plötzlichen Säuglingstod (SID) vorbeugen kann."

Warum also sollten Eltern auf den Kauf von kommerziellen Atemüberwachungsgeräten verzichten? Nehmt euch bitte Zeit, die folgenden Informationen zu lesen. Wir hoffen sehr, dass wir euch überzeugen können.

Wie atmen Babys?

Die Atmung des Menschen ist unterschiedlich regelmäßig und hängt auch von der tiefe des Schlafes ab. Gesteuert wird der Atemreflex von den sogenannten Chemorezeptoren, die den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut messen. Sinkt die Sauerstoffkonzentration auf ein unzulässig niedriges Niveau ab oder steigt die Kohlendioxidkonzentration auf ein entsprechend hohes Niveau an, melden die Rezeptoren dem zentralen Nervensystem, dass entweder die Atmung im Schlaf wieder einsetzen muss oder der Mensch erwacht (Aufwachreaktion). Im Alter von etwa 6 Monaten bis 1 Jahr sind Chemorezeptoren, zentrales Nervensystem und Atemwege soweit ausgereift, dass sie zuverlässig funktionieren können. Deshalb wird angenommen, dass SIDS im allgemeinen nach Ende des ersten Lebensjahre nicht mehr auftritt.

  • Zentrale Apnoe: Zentrale Apnoen sind Atempausen, die durch den fehlenden Impuls des zentralen Nervensystems entstehen. Die Atemmuskulatur ruht im Brust- und Bauchbereich in der Ausatmungsstellung. Atemstillstände bis zu maximal 20 Sekunden werden hierbei noch als unbedenklich bezeichnet, soweit Herzfrequenz und Sauerstoffkonzentration im Blut nicht deutlich abfallen.
  • Obstruktive Apnoe: Die Impulse zur Atemmuskulatur wurden gesendet, der Brustkorb hebt und senkt sich, als würde geatmet. Ursache für obstruktive Apnoen ist die Behinderung des Luftstroms im Bereich der Atemwege, z. B. durch Infektionen, so dass die Atmung dennoch aussetzt.
  • Bei der Hypnoe handelt es sich nicht um einen Atemstillstand, sondern die Atmung ist so flach, dass sie weder zu sehen, zu hören, noch zu spüren ist.

Wie funktionieren kommerzielle Atemüberwachungsgeräte?

Diese Atemüberwachungsgeräte bestehen aus einer Sensormatte, Sender und Empfänger.

  • Sensormatte
    Ein oder zwei Sensormatten (je nach Hersteller verschieden) werden auf die Matratze, die als feste Unterlage dienen sollte, im Kinderbett gelegt. Die Sensoren registrieren Vibrationen, die von außen auf die Matte einwirken. Wird innerhalb von maximal 20 Sekunden keine Vibration gemessen, ertönt ein optischer und akustischer Alarm. Es gibt auch Geräte, die zusätzlich die Anzahl der Atemzüge pro Minute erfassen. Liegen diese unter 10, wird Alarm ausgelöst. In einer Bedienungsanleitung heißt es:
    "Mit jedem Atemzug des Babys bewegt sich seine Atemmuskulatur. Diese minimalen Bewegungen reichen aus, um über die Präzisions-Sensormatte erfasst zu werden."

    Mit anderen Worten: Die Messtechnik ist ungeeignet zur Erfassung von obstruktiven Apnoen!

  • Alarmauslösung
    Um eine erhöhte Sicherheit zu gewährleisten, erscheint es nur logisch, die Empfindlichkeit der Sensoren höher einzustellen. Grundsätzlich ergeben sich zwei unzuverlässige Überwachungszustände:

    a. kein Alarm
    Das Kind atmet bereits über einen längeren Zeitraum als die eingestellten 15 bis 20 Sekunden nicht mehr. Das Gerät registriert aufgrund der hohen Empfindlichkeit jedoch Fremdvibrationen, wie z. B. Luftzug, Waschmaschine, Zug- oder Straßenverkehr in der Nähe, u. ä. und gibt keinen Alarm!

    b. Fehlalarm
    Störende Fremdvibrationen wurden durch sorgfältige Aufstellung des Kinderbettes tatsächlich weitgehend vermieden. Trotzdem gibt das Gerät häufig Fehlalarm, obwohl alles in Ordnung ist. Das Nervenkostüm der Eltern wird strapaziert, unter Umständen die Empfindlichkeit niedriger eingestellt. Zu niedrig vielleicht?

 

Darum ist Mamacare®abeneltern.org der beste Schutz vor SIDS! Folgende Maßnahmen werden von Fachleuten einhellig als der beste Schutz vor SIDS empfohlen:

  • Stille dein Baby möglichst voll bis zur Vollendung des 6. Monats
  • Verzichte auf das Rauchen in der Schwangerschaft und achte zumindest darauf, dass dein Kind sich ausschließlich in rauchfreier Umgebung aufhält
  • Lege dein Baby im Schlafsack zum Schlafen auf den Rücken
  • Achte darauf, dass die Raumtemperatur im Schlafzimmer nachts nicht über 18 °C ansteigt (im Sommer nicht immer möglich)
  • Ziehe dein Kind zum Schlafen nicht zu warm an. Body und Schlafanzug/-sack genügen in der Regel
  • Ein Fell gehört nicht ins Kinderbett. Kein Kopfkissen. Kein Nestchen, kein Himmel über dem Babybett, sie behindern die Luftzirkulation

Wir Rabeneltern empfehlen zusätzlich das gemeinsame Schlafen von Mutter und Kind (Co-Sleeping) im Familienbett als eine der wichtigsten Maßnahmen gegen den plötzlichen Kindstod! Bitte beachte unbedingt die Sicherheitsratschläge zum Schlafen im Familienbett. Nähere Infos dazu, sowie weitere Sachtexte über die Vorteile des Familienbettes, zum Co-Sleeping und zu SIDS findest du hier unter der Rubrik Schlafen/Wissenswertes.

Kurzer Exkurs - medizinische Atemüberwachungsgeräte
Kinder, deren Geschwister an SIDS verstorben sind sowie beispielsweise Frühchen oder Kinder, die bereits wegen Verdacht auf SIDS ärztlich behandelt wurden, werden als sog. Risikokinder eingestuft. Für diese Kinder kommen medizinische Atemüberwachungsgeräte zum Einsatz. Gemessen werden im allgemeinen die Sauerstoffsättigung im Blut sowie die Herzfrequenz. Diese Geräte funktionieren also unabhängig von der Atembewegung, was Voraussetzung für eine zuverlässige Überwachung ist. Mediziner warnen deswegen vor dem Einsatz kommerzieller Atemüberwachungsgeräte als Präventivmaßnahme gegenüber SIDS.

Fazit
Aus unserer Sicht können kommerzielle Atemüberwachungsgeräte lebensgefährdend sein, weil sie eine Sicherheit versprechen, die keine ist. Warum sollten Eltern diesen Geräten vertrauen, wenn es selbst die Hersteller nicht tun?:

"Das Gerät sorgt für ein Höchstmaß an Sicherheit, kann jedoch keinesfalls die Aufsicht durch eine erwachsene Person ersetzen. Sie müssen selbstverständlich regelmäßig nach Ihrem Kind schauen."

Dass ein kommerzielles Atemüberwachungsgerät eines Herstellers von der Zeitschrift Ökotest als -empfehlenswert- eingestuft wurde, spricht nicht gerade für sorgfältig recherchierte Fakten.

© 2004 eulalie für Rabeneltern.org

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