Wissenswertes über den plötzlichen Kindstod (SIDS)

Die Ursachen für den plötzlichen Kindstod (engl. Sudden Infant Death Syndrom, abgekürzt: SIDS) sind bisher nicht zweifelsfrei geklärt. Säuglinge im Alter von 1 bis 6 Monaten sind am häufigsten von SIDS betroffen, mit 3 bis 4 Monaten ist das Risiko am höchsten. Jungen sind häufiger betroffen, als Mädchen. Im Winterhalbjahr und in der zweiten Nachthälfte sterben überdurchschnittlich viele Kinder an SIDS. Statistisch sind laut Bundesgesundheitsministerium 0,3 von 1000 Kindern betroffen, die Schätzungen der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) sprechen von 1 von 1000 Kindern. Nach Vollendung des 1. Lebensjahres ist die Gefährdung des Kindes durch den plötzlichen Kindstods signifikant verringert.

Folgende Symptome können ein Zeichen sein, dass ein Kind möglicherweise SIDS gefährdet ist:

  • übermäßiges Schwitzen
  • häufige Atemstillstände > 15 Sekunden
  • sehr blasses Gesicht
  • bläuliche Verfärbung um die Mundpartie
  • verfrühtes Durchschlafen (länger als 6 h) vor dem 6. Monat
  • verminderte Aufwachreaktion (= tiefer und fester Schlaf)

Wie funktioniert das Atmen im Schlaf?
Der Mensch atmet Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Die Konzentration dieser Stoffe wird von sogenannten Chemorezeptoren, die in den Blutgefäßen sitzen, gemessen. Sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut unter einen Mindestwert ab, wird diese Information von den Chemorezeptoren an das Gehirn weitergeleitet, wir atmen schneller, Pulsschlag und Herztätigkeit nehmen zu, der Blutdruck steigt. Gleiches passiert, wenn die Kohlendioxidkonzentration im Blut zu hoch ist.

Während des Schlafes wechseln sich Traumphasen (= aktiver Schlaf) und Tiefschlafphasen ab. Je tiefer ein Mensch schläft, desto mehr ist sein Bewusstsein vermindert, die Herztätigkeit nimmt ab und die Atemfrequenz ist umso abhängiger von der gesunden Funktion der Chemorezeptoren.

Der Atem schlafender Babys folgt keinem regelmäßigen Rhythmus, sondern ist periodisch, das bedeutet, dass es immer wieder zum Atemstillstand (Apnoe) kommt, der bis zu 15 Sekunden, manchmal sogar bis zu 20 Sekunden, andauern kann. Der Herzschlag sinkt, die Sauerstoffkonzentration im Blut fällt auf ein sehr niedriges Niveau. Manche Babys atmen nach einem Atemstillstand im Schlaf automatisch weiter (Atemstimulation), manche erwachen (Aufwachreaktion) und die bewusste Atmung setzt wieder ein. Im Alter von etwa 6 Monaten nimmt der Anteil an periodischem Atmen deutlich ab, die Babys atmen regelmäßiger und die Herztätigkeit und der Kreislauf sind stabiler.

Untersuchungen in Schlaflabors haben ergeben, dass während der Traumphasen (aktiver Schlaf) Atmung und Herzschlag des Menschen stimuliert werden. Reife Neugeborene haben einen Anteil von etwa 50 % aktiven Schlaf (Vergleich: 2-jähriges Kind 25 %, Jugendliche 20 %). Dieser hohe Anteil an aktivem Schlaf, so schließen die Wissenschaftler, würde erklären, warum Neugeborene nicht von SIDS betroffen sind. Eine weitere Hypothese ist die, dass das häufige Aufwachen von Babys ein natürlicher Schutzmechanismus gegenüber SIDS ist. Erst, wenn der kindliche Organismus reif genug ist, die automatischen Atemmechanismen sicher zu beherrschen, beginnen Kinder durchzuschlafen. Junge Babys, die schon sehr früh durchschlafen und eher unsensibel auf äußere Reize reagieren, also sogenannte einfache Babys, durchwandern weniger aktive Phasen während des Schlafes, als Kinder mit sensiblerem Temperament. Die Forscher warnen davor, den Schluss zu ziehen, dass diese Kinder deswegen ein erhöhtes Risiko haben, an SIDS zu sterben, meinen aber auch, wenn bereits andere SIDS-Risikofaktoren vorliegen (Erklärung, siehe unten), vermag ein einfaches Temperament möglicherweise das SIDS-Risiko zu erhöhen.

Faktoren, die das SIDS-Risiko erhöhen:

  • Nicht stillen
  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, Passivrauchen des Babys nach der Geburt
  • Bauchlage des Kindes, während des Schlafs. Neueste Forschungsergebnisse warnen ebenso vor der Seitenlage, weil sie instabil ist und das Baby in die Bauchlage kommen kann
  • Überwärmung durch zu hohe Raumtemperaturen, zu warme Kleidung/zu weiche Unterlagen, voluminöse Bettdecke und Kopfkissen

Bei Kenntnis dieser Faktoren lässt sich das SIDS-Risiko des Babys durch seine Eltern einfach reduzieren:

  • Stille dein Baby möglichst voll, bis zur Vollendung des 6. Monats
  • Verzichte auf das Rauchen in der Schwangerschaft und achte zumindest darauf, dass dein Kind sich ausschließlich in rauchfreier Umgebung aufhält
  • Lege dein Baby zum Schlafen auf den Rücken
  • Achte darauf, dass die Raumtemperatur im Schlafzimmer nachts nicht über 18 °C ansteigt
  • Ziehe dein Kind zum Schlafen nicht zu warm an. Body und Schlafanzug genügen in der Regel.
  • Ein Fell gehört nicht ins Kinderbett. Kein Kopfkissen oder Stillkissen, als sogenanntes Nestchen.
  • Das Baby sollte im Schlafsack schlafen, statt mit einer Bettdecke zugedeckt zu werden.

Weltweit sind sich alle Experten hinsichtlich der Erkenntnisse über das Schlafverhalten von Babys sowie der SIDS-Risikofaktoren einig. Unterschiedliche Empfehlungen gibt es allein zum Schlafort.
Während in Deutschland bisher einheitlich davor gewarnt wird, das Baby zum Schlafen mit ins Elternbett zu nehmen (siehe z. B. die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V.)
gibt es in den USA beide Auffassungen, sowohl Pro Elternbett (Mother and Child Co-Sleeping), als auch Contra. Allerdings, in einem Punkt herrscht dann doch wieder Einigkeit: mindestens bis zur Vollendung des 6. Lebensmonats des Kindes, sollte es nicht im eigenen Zimmer schlafen, sondern im selben Raum, wie die Eltern. In einer Broschüre vom Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.* wird sogar empfohlen, dass ein Kind 2 Jahre im selben Raum, wie die Eltern schlafen sollte.

Die Gegner des Familienbetts argumentieren:

Beim gemeinsamen Schlafen im Elternbett ist das Kind sowohl durch Überwärmung, als auch durch Ersticken (z. B. wenn der Kopf des Kindes unter die Bettdecke rutscht) gefährdet. Eltern, die Rauchen oder Alkohol und andere Drogen konsumieren, sollten nicht gemeinsam mit ihren Kindern im Bett schlafen! Drogen vermindern die Körperwahrnehmung und -kontrolle, was dazu führen kann, dass das Kind von einem Elternteil im Schlaf erdrückt wird. Das Schlafen des Kindes im eigenen Bett, aber im selben Zimmer wie die Eltern, wird befürwortet, weil vermutet wird, dass

  • die Aufmerksamkeit der Eltern während des Schlafes für das Kind erhöht ist und so sofort helfend eingegriffen werden kann, z. B., wenn das Kind erbricht
  • die Atemgeräusche der Eltern wirken sich auf das Schlafmuster der Babys positiv aus, d. h. Kinder, die im selben Raum, wie die Eltern schlafen, schlafen nicht so tief und werden wahrscheinlich durch den äußeren Reiz stimuliert, weiter zu atmen.

Die Argumente für das Familienbett sind:

  • stillende Mütter, die gemeinsam mit ihrem Baby schlafen, haben mehr aktive Schlafphasen (sie erreichen die vierte oder tiefste Schlaphase nicht), der aktive Schlaf ist bei ihren Babys ebenfalls erhöht, insbesondere durch das häufige Saugen an der Brust, das bedeutet, Babys Sauerstoffgehalt im Blut, Aufwachreaktion und Sensibilität für äußere Reize sind erhöht
  • die Atemgeräusche der Mutter animieren das Baby zum Weiteratmen
  • gute Wärmeregulierung durch Körperkontakt
  • häufiges Stillen in der Nacht erhöht den immunologischen Schutz, gerade in der kritischen Phas hinsichtlich SIDS im 3. - 6. Monat wichtig
  • das Hormon Prolaktin, dem ein erhöhtes Bewusstsein der Mutter für die Signale ihres Babys zugeschrieben wird, ist durch das gemeinsame Schlafen erhöht
  • Hautberührung gilt als Atemstimulans
  • Stillen und viel Körperkontakt fördert die gesamte kindliche Entwicklung, also auch die Reifung des Herz-Lunge-Kreislaufsystems

Empfehlungen für das sichere Schlafen im Elternbett:

  • Eltern sollten nicht mit ihren Kindern in einem Bett schlafen, wenn sie rauchen oder Alkohol oder Drogen konsumiert haben
  • Das Bettzeug sollte zur Größe der Matratze passen
  • Die Matratze sollte genau in das Bett passen (keine Lücken zwischen Matratze und Bettgestell)
  • Das Gesicht des Babys darf nicht durch lose Kissen oder Decken verdeckt werden
  • Es darf kein Spalt zwischen dem Bett und der angrenzenden Wand sein, so dass das Baby hinunterrollen und eingeklemmt werden könnte
  • Das Baby sollte nicht auf dem Bauch liegen

Quellen:

- Schlafen und Wachen, Dr. William Sears

- Dr. James J. McKenna, Professor of Anthropology, Director of the Center for Behavioral

- Studies of Mother-Infant Sleep, Notre Dame University

- Drei in einem Bett, Deborah Jackson

- Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V.

- Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby, Herausgeber Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

- Schlaf - Auf die Plätze fertig los, Barbara Walcher

Weitere Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihren Besuch möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Durch die weitere Nutzung stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen Ok