Co-Sleeping - oder wo schläft das Kind?

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Mutter-(Vater)-Kind
Damit sich die Muttermilchproduktion dem steigenden Bedarf anpassen kann, wird es nach dem vierten Lebensmonat unerlässlich, dass nachts Prolaktin ausgeschüttet wird. Mütter die getrennt von ihren Babys schlafen bemerken typischerweise spätestens jetzt ein unruhiges, unzufriedenes Kind und stellen mit Recht fest, dass sie nicht mehr genügend Milch haben. Gewöhnlich wird darauf mit Kunstmilchzufütterung reagiert, was in aller Regel das Abstillen innerhalb weniger Wochen einleitet. Für die überwiegende Mehrzahl aller Mütter ist es daher erforderlich, mit dem Kind gemeinsam zu schlafen, wenn sie, wie inzwischen weltweit empfohlen wird, mindestens sechs Monate ausschließlich stillen sollen und wollen. Co-Sleeping ist eine der erfolgreichsten Methoden, eine nicht mehr ausreichende Milchmenge wieder bedarfsgerecht zu steigern.
Ein weiterer Grund für versiegende Milchproduktion ist mütterliche Erschöpfung (siehe oben), die ebenfalls typischerweise nach etwa drei bis vier Monaten einsetzt. Auch diese kann nur in Grenzen gehalten werden, wenn durch Co-Sleeping die mütterliche Schlafunterbrechung minimiert wird.
Ohne Zweifel sind die Erfahrungen der frühesten Kindheit von Bedeutung für die Entstehung der Eltern-Kind-Beziehung (9, 13, 14). Außer dem Schlaf- wird auch das gesamte Interaktionsverhalten hier geprägt, und zwar nachhaltig (11, 1, 10, 15, 16). Es ist nicht zu früh, Korrelationen zwischen der Art der Versorgung Neugeborener und späteren psychosozialen Schwierigkeiten zu postulieren, denn schon das, was wir aus Beobachtungen und Studien bei Säugetieren und Primaten wissen, sollte uns die Bedeutung der frühesten kindlichen Erfahrungen weit ernster nehmen lassen als vielfach angenommen wird (13, 17, 18). Ein weinendes Neugeborenes mit Missachtung zu behandeln (11) sollte als potenziell schwerwiegende Traumatisierung betrachtet werden, auch wenn systematische Studien dazu noch unvollständig sind (17, 19, 20). Interessanterweise hatten faschistische Regimes wie die Nationalsozialisten früh begriffen, dass wesentliche Sozialisationselemente mit der ersten Lebensstunde beginnen und bereits den ersten Schrei mit erzieherischen, "dem Volkswohl dienenden" Intentionen begleitet (21). Co-Sleeping, sowie jede Art von körperlicher Nähe, war auf jeden Fall ein Horror für den Staat, der unselbständige, selbstverleugnende und möglichst gefühllose Heloten heranzüchten wollte. Reste dieser Furcht vor "Verweichlichung" sind noch verbreitet anzutreffen (22).
Zu wenig Berücksichtigung hat bisher die Rolle des Vaters gefunden (23), der ebenfalls durch das Co-Sleeping eine besonders intensive Bindung zu seinem Kind aufbaut (24) (ohne dass von einer Beeinträchtigung der Sexualität des Paares die Rede sein muss). Wie sehr dies früher üblich war, berichtet die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

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