Co-Sleeping - oder wo schläft das Kind? - Biologische Grundlagen

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Biologische Grundlagen
Die Biologie des Menschen, auch die des Neugeborenen, ist an bestimmte Lebensvoraussetzungen angepasst, und diese Anpassung hat sein Überleben über Jahrmillionen garantiert. Infolgedessen braucht und "erwartet" der Organismus diese Rahmenbedingungen, um seine Funktion darauf einzustellen. Auch der Stoffwechsel des neugeborenen Menschen wartet auf bestimmte Reize (Stimuli), um optimal zu funktionieren (3). Hierzu gehört die "Erwartung" an praktisch ununterbrochenen Zugang zu Muttermilch, an ständige körperliche Nähe eines anderen Menschen während der ersten Lebensmonate. Sowohl der kindliche Organismus (Steuerung des Verdauungs-, Wachstums-, Immun- und Atemstoffwechsels) als auch die mütterliche Physiologie (Steuerung und Aufrechterhaltung einer langfristigen Muttermilchbildung) gehen von gegenseitigem Dauerkontakt aus.
Aus dieser Sicht erscheint es dann auch selbstverständlich, dass gerade auch nachts Körperkontakt bestehen sollte, damit die beiderseitige Physiologie optimal aufrecht erhalten wird. Ohne Co-Sleeping muss daher mit Störungen wesentlicher Körperfunktionen bei Mutter und Kind gerechnet werden (4), und auch die psychosozialen Reaktionen werden anders verlaufen als mit Co-Sleeping (1). Diese können zwar kompensiert oder abgemildert werden, doch muss Separatschlafen als bedeutsamer Risikofaktor sowohl für die mütterliche als auch die kindliche (und die väterliche) Physiologie und Entwicklung angesehen werden (3). Insbesondere ist Co-Sleeping erforderlich um vitale Risiken wie SIDS zu minimieren, um mütterliche Berufstätigkeit beim Stillen zu ermöglichen und um ein volles Stillen über den dritten Lebensmonat hinaus zu ermöglichen.

Biologie eliminiert alten Schlafrhythmus
Der Schlaf einer frisch entbundenen Mutter ist auf jeden Fall anders als vor der Schwangerschaft. Unter biologischen Bedingungen hatte und hätte ein Neugeborenes nur dann eine Überlebenschance, wenn seine Mutter sich ihm rund um die Uhr intensiv widmet, jedes seiner Bedürfnisse wahrnimmt, unmittelbar und adäquat auf seine Signale reagiert, es wärmt, schützt und bewacht (5). Diese gewaltige Anstrengung kann eine Mutter aber nur leisten, wenn sie immer gerade dann wach ist, wenn das Kind wach ist und dann schläft, wenn das Kind schläft. Wann, wie und wie lang dauernd diese Schlaf- und Wachphasen sein werden, ist jedoch von Kind zu Kind verschieden, sodass es biologisch keinen Sinn machen würde, wenn die Mutter postpartal ein fixes neues Schlafmuster hätte, sozusagen qua Parität automatisch ein solches entwickeln würde. Viel mehr Sinn macht es, das alte Schlafmuster der Frau aufzubrechen, auszulöschen, und auf eine individuelle Neuprogrammierung in direkter Beziehung zu den Bedürfnissen des jeweiligen Neugeborenen zu setzen (McKenna 1996).
Diese individuelle Neuprogrammierung bewirkt, dass sich die Schlafrhythmen von Mutter und Kind synchronisieren. Und zwar in dem Sinne, dass die Mutter ihre Schlafzyklen verkürzt, ihre Tiefschlafphasen rascher erreicht als früher, und ebenfalls rascher aus diesen herauskommt, und zwar in fein abgestimmter Parallelität mit dem Kind (Elias et al. 1986). Bei gelungener Synchronisierung erreichen Mutter und Kind ihre tieferen und flacheren Schlafphasen weitgehend simultan (6).
Schon in den letzten Wochen der Schwangerschaft schläft eine Frau nicht mehr wie zuvor. Sie lauscht zunehmend auf Signale vom Kind, ist unruhiger, leichter zu wecken. Postpartal ist eine neue Mutter, und sei die Geburt noch so strapaziös gewesen, typischerweise "überhaupt nicht müde", sondern will sich langanhaltend mit ihrem Kind beschäftigen (7) - selbst bei längerem Schlafmangel schon vorher.
So eliminiert die Biologie den alten Schlafrhythmus der Frau und bereitet ihn auf eine gründliche Neuprogrammierung vor. Unter "natürlichen" Bedingungen liegen Mutter und Kind ab dem Moment der Geburt gemeinsam beisammen und reagieren kontinuierlich aufeinander. Bei Bewegungen oder Geräuschen des Babys wird die Mutter diese bemerken, aufmerksam beobachten, das Baby ansprechen, es an die Brust nehmen. Wenn das Kind einschläft, wird auch die Mutter einschlafen, jedoch sofort erwachen bei den geringsten Signalen von Seiten des Kindes8.
Innerhalb weniger Tage postpartal - meist etwa 72 Stunden - laufen die beiden Schlafrhythmen weitgehend parallel, was fortan die Interaktion zwischen Mutter und Kind wesentlich erleichtert (Mosko et al. 1993). Der frühe Dauerkontakt ist instrumentell für eine effektive Mutter-Kind-Interaktion (9, 10).

 

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