Kindergarten – Pädagogische Konzepte und Eingewöhnung - Pädagogische Konzepte

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Pädagogische Konzepte

Zu Beginn möchte ich die gängigsten pädagogischen Konzepte, die heute in der Kindergartenpädagogik Anwendung finden, skizzieren.

Der Situationsansatz stellt soziales Lernen und die realen Lebensbedingungen in den Mittelpunkt. Das alltägliche Leben soll zum Gegenstand des Lernens sowie Kinder verschiedener Herkunft gefördert werden. Des weiteren zählen altersgemischte Gruppen, Elternmitarbeit, Beteiligung der Kinder an der pädagogischen Planung (in Form von Mitspracherecht bei der Aufstellung des Tages- bzw. Wochenplanes) und die flexible Tageseinteilung, die sich an den Wünschen der Kinder orientiert, zu den Grundprinzipien.
Dieser Ansatz hat inzwischen die herkömmlichen Strukturen des Kindergartens ersetzt oder zumindest aufgeweicht. Er ist inzwischen der am meisten praktizierte Ansatz.

Maria Montessori, eine italienische Ärztin, kam aufgrund ihrer Beobachtungen an behinderten und verhaltensauffälligen Kindern zu der Auffassung, dass das Kind einen „Bauplan der Seele“ in sich trägt. Es wird sich, wenn ihm eine sog. vorbereitete Umgebung mit bestimmtem Arbeitsmaterial zur Verfügung steht, allein, frei und spontan entwickeln können. Der Erzieher sollte Kenntnis von den sensiblen Phasen der Kinder haben, die Kinder lieben, achten und ihnen dienen. Es gilt der Grundsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Fehler sollen selbst erkannt und korrigiert werden dürfen, Erwachsene sind Begleiter, die lernen müssen, sich überflüssig zu machen und zu beobachten statt einzugreifen.

Grundprinzip der Waldorfpädagogik, deren Begründer R. Steiner war, ist die Nachahmung. Dem Erzieher/Erwachsenen kommt eine ganz besondere Vorbildfunktion zu – er ist natürliche Autorität. Im Kindergarten zeigt sich das vor allem durch sinnvolle, durchschaubare Tätigkeiten des Erziehers, die Kinder zur Nachahmung anregen sollen. Der kindliche Erkenntnisweg vollzieht sich zuerst über das Handeln, dem Fühlen und Denken folgen. Deshalb sind Ermahnungen und Strafen etc. wirkungslos, das vorbildhafte Tun ist wichtig. Zum Waldorfkindergarten gehören außerdem eine feste Strukturierung, ein Rhythmus (auch bei Erzählungen, Puppenspielen, Liedern etc, die regelmäßig wiederholt werden), Gestaltung von Jahresfesten (natürliche Religiosität der Kinder) sowie künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten. Ganz wichtig ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern.

Im Mittelpunkt der Freinetpädagogik stehen die Bedürfnisse des Kindes. Es soll sich ausdrücken können, und seine Andersartigkeit von den Erwachsenen respektiert werden. Experimentieren und die produktive Beteiligung, sprich Arbeit, an der Gestaltung des Alltags sind Eckpfeiler dieser pädagogischen Richtung. Das drückt sich in den meisten Kindergärten in der Einrichtung von Ateliers und Werkstätten aus, die meist eigenverantwortlich von den Kindern geleitet werden und zu denen, ohne „Kontrolle“ der Erzieher, der Zugang (fast) jederzeit möglich ist. Den Kindern wird Vertrauen entgegengebracht, und es erfolgt kein äußeres Lenken durch Erwachsene. Kinder dürfen ihrem individuellen Rhythmus und dem eigenen Lebensweg folgen. Für die Erzieher bedeutet das ein Umdenken. Sie sind Beobachter, die herausfinden sollen, was Kinder wünschen und ihnen nicht aufzwingen, was sie tun sollten.

Janusz Korczak verstand sich als Anwalt des Kindes und lebte diese Überzeugung – er begleitete „seine“ Kinder bis in die Gaskammern von Treblinka. Er sprach sich für die Formulierung und Durchsetzung der Kinderrechte aus und forderte von den Erwachsenen, durch die Kinder zu lernen, ihnen Eigenständigkeit zuzugestehen, mit Respekt zu begegnen, sie zu begleiten  - als Partner, nicht als „Führer“. Das Konzept dieser Kindergärten kommt vor allem durch den anderen Umgang der Erzieher mit den Kindern zum Ausdruck. Das manifestiert sich u. a. in der Mitbestimmung der Kinder auf Kinderkonferenzen, Erstellen von Kindergartenzeitungen, Aufgabenplänen, „Schwarzem Brett“ für Kinder.

Das offene Konzept ist vor allem durch Ansätze der Reggio-Pädagogik und Ideen Korczaks geprägt. Formen dieser Arbeit sind offene Gruppen, offene, gruppenübergreifende Angebote und offenes Arbeiten in Funktionsräumen. Offene Gruppe bedeutet, dass das Kind keiner festen Gruppe angehört. Jede Erzieherin ist verantwortlich für einen Raum, innerhalb derer die Kinder sich frei bewegen können. Trotz des Fehlens fester Gruppenstrukturen bilden sich meist kleinere Gruppen in Eigenverantwortung der Kinder. Offene, gruppenübergreifende Angebote verfügen zwar grundsätzlich über feste Gruppen, bieten aber in relativ regelmäßigen Abständen gruppenübergreifende Aktivitäten an, zwischen denen die Kinder frei wählen können. Das offene Arbeiten in Funktionsräumen beinhaltet, dass alle Flächen und Räume des Kindergartens genutzt werden, um diese zu speziellen Interessensräumen umzugestalten.  So gibt es verschiedenste Angebote, aufgeteilt in Räume, die allen Kindern zugänglich sind und von Erzieherinnen nach ihrem jeweiligen Interessensgebiet betreut werden. Grundannahmen dieser Pädagogik sind das selbstbestimmte Lernen durch Einsicht und die Eigenverantwortlichkeit des Kindes, das sich seine Aktivitäten nach Interesse sucht und Entscheidungen selbst treffen kann und will. Unterstützung findet dieses Konzept durch neueste naturwissenschaftliche und entwicklungspsychologische Erkenntnisse, die grob zusammengefasst folgendes postulieren: Kinder sind Persönlichkeiten, die sich individuell, ihren eigenen Vorstellungen entsprechend, entwickeln. Es gibt Zeitfenster, innerhalb derer sich bestimmte Fähigkeiten ausbilden; das Kind wird diese – ohne Anleitung – nutzen. Der Erwachsene (in dem Fall: der Erzieher) ist wiederum Beobachter und Begleiter, der sich geduldig und empathisch im Hintergrund hält, gegebenenfalls auf die Wünsche der Kinder reagiert  und die Umwelt gemäß den Bedürfnissen der Kinder gestaltet.


Fazit

Allen Konzepten ist die Achtung des Kindes gemeinsam, was sich in sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen und –materialien zeigt. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Eltern, weil diese Konzepte eine völlig andere Sicht auf das Kind mit seinen Bedürfnissen haben. Erziehungsziele und –methoden sollen den Eltern nahegebracht werden, sie bei ihrer Erziehungsarbeit unterstützen.
Aber auch einzelne Aspekte der pädagogischen Strömungen fließen in die bereits vorhandenen (herkömmlichen) Kindergartenkonzepte ein. Vor allem der Situationsansatz, komplett oder durch einzelne Punkte, wird inzwischen in fast allen Kindergärten realisiert.
Die praktische Umsetzung dieser Konzepte sieht sehr unterschiedlich aus. So scheint besonders die Montessoripädagogik in einigen Kindergärten sehr vereinfacht angewandt zu werden. Es reicht nicht, die Materialien bereitzustellen, wenn die Sichtweise vom Kind keinen Eingang findet (vgl. Becker-Textor: Erziehung zur Selbständigkeit... 2003).
Auch hier ist also der kritische Blick der Eltern gefragt, denn Konzept und Verwirklichung unterscheiden sich oft sehr deutlich voneinander.

 

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