Informationen zur Mittelohrentzündung

Die Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Gründen, mit Baby oder Kleinkind die Kinderarztpraxis aufzusuchen. Und in vielen Fällen verlassen die besorgten Eltern die selbige mit einem Rezept für Antibiotika. Das mag daran liegen, dass der Arzt oder die Ärztin nicht "zu wenig" getan haben möchte und um schwerere Verläufe vollkommen auszuschließen. Die Entscheidung für oder gegen diese oder jene Medikation muss individuell nach Lage des Falls und Persönlichkeit der Eltern und des Arztes getroffen werden.

Die internationalen Leitlinien zur Behandlung von Mittelohrentzündung bei Kindern, die auf neuesten und ernst zu nehmenden Forschungsergebnissen basieren, empfehlen jedenfalls KEINEN routinemäßigen Einsatz von Antibiotika. Sie beschreiben die Erkrankung als eine, die spontan abheilt und deshalb eigentlich nur mit Paracetamol zur Schmerzlinderung behandelt werden muss. Auch vom Einsatz abschwellender und entzündungshemmender Medikamente wird abgeraten. Nachzulesen sind die Therapieempfehlungen - wenn auch auf englisch - hier: www.sign.ac.uk/guidelines/published/index.html , auf dieser Seite die Guideline 66 als Kurzform anklicken.

Häufig geht die Erkrankung mit einer Virusinfektion der oberen Atemwege einher. Nicht nur die Nasenschleimhäute schwellen an, sondern auch die Schleimhaut der Eustachischen Röhre. Das ist ein enger Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasen-Rachenraum. Ist dieser nun durch die geschwollene Schleimhaut vollständig verschlossen, dann kann Sekret aus dem Mittelohr nicht mehr ablaufen, es kommt zum so genannten Paukenerguss. Bakterien sind daran jedoch vorerst nicht beteiligt, so dass ein Antibiotikum in diesem Stadium keinen Effekt erzielen kann, denn auch das auslösende Virus kann dadurch nicht abgetötet werden. Nur, wenn es zu einer späteren, so genannten sekundären Besiedelung mit Bakterien kommt, ist eine Antibiotikagabe unumgänglich. Die Gefahr, dass die das Mittelohr umgebenden Knochenstrukturen oder die Gehörknöchelchen mit einer späteren Beeinträchtigung der Hörfähigkeit ebenfalls von der Entzündung ergriffen werden, ist zu hoch. Daher muss der Arzt kontrollieren, ob der durch das Trommelfell sichtbare Erguss trübe, das heißt eitrig wird. Das legt einen starken Verdacht auf eine bakterielle Infektion nahe. Einen definitiven Beweis kann nur ein Abstrich liefern, der jedoch nur möglich ist, wenn das Trommelfell durchstoßen wird oder von selber platzt.

Interessant ist übrigens, dass die durchschnittliche Antibiotikagabe bei dieser Erkrankung von Land zu Land variiert:
In Holland werden in etwa 32% der Fälle Antibiotika verordnet, in den USA in 97%....

 

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