Stellungnahme zum Schnuller "Dentistar"

Eventuell ist dieser Schnuller (siehe die Webseite des Herstellers www.beruhigungssauger.de ) weniger schlecht als manch andere, wie z. B. der NUK–Sauger. Doch über mehrere Stunden täglich angewendet, kommt es ebenfalls zu Fehlentwicklungen von Funktionen und Formen, da es relativ unerheblich ist, welche Größe durch die Zahnleisten in den Mundraum geführt wird.
Somit ist er nicht besser als andere auch, selbst wenn der gewinkelte dünne Stufenschaft zunächst positiv erscheint. Es stimmt, dass große Größen überflüssig sind, da der Gaumen nicht so stark wächst, wie uns andere Schnullerhersteller glauben machen wollen.

Alles andere sind Märchen, in den Falsches, Halbwahres und Richtiges miteinander vermixt wird, so dass nur Fachleute das Ganze durchschauen können. Eltern werden im Sinne der Vermarktung und Marktverdrängung anderer Schnuller mit dieser Mixtur manipuliert!
Auch dieser Schnuller bleibt ein Schnuller mit allen seinen negativen Auswirkungen. Die versprochenen Studien blieben trotz Nachfrage aus, so Mathilde Futenbach, Logopädin aus Innsbruck/ Österreich, die schon viele Jahre am Thema Schuller arbeitet.
Hier eine Zusammenfassung der kritischen Punkte, ausgehend von den Argumenten von Herrn Dr. Brockhaus:

„Der optimale Sauger lässt der Zunge maximalen Freiraum, und verdrängt sie nicht. ...“
Es kann gar keinen optimalen Sauger geben. Da der Sauger immer ein Fremdkörper ist, der so nicht in den Mundraum gehört.
Es geht auch keineswegs darum, ob die Zunge mehr oder weniger verdrängt wird. Verdrängt wird die Zunge auch bei der Aufnahme von Speisen.
Unmittelbar nach der Aufnahme von Speisen in den Mund verändert sich die Zungenaktivität. Zunächst ist sie maßgeblich daran beteiligt, die Speise schluckfähig aufzubereiten und anschließend leitet sie den Schluckakt ein. Beim Schlucken formt sich die Zunge so, dass die geformte Speise umschlossen ist und zum Rachen geführt werden kann. Nach dem Schlucken nimmt die Zunge eine für sie typische Ruhestellung ein, bei der die Zungenspitze nach oben gerichtet ist und den Gaumen berührt. Dort verbleibt sie (auch nachts), bis wieder etwas in den Mund gelangt oder sie sich z.B. an der Bildung von Sprechlauten beteiligt.
Auch der Schnuller wird während seiner Anwendungsdauer mit der Zunge bearbeitet, bleibt aber im Unterschied zu den Speisen stets im Mundraum präsent, weil er schließlich nicht zum herunterschlucken vorgesehen ist. Die Zunge verbleibt also stets so, wie bei der Speisenbearbeitung. Es ist aber keineswegs so, dass während dieser Zeit nicht geschluckt wird. Das Nuckeln provoziert sogar im besonderen Maße die Speichelbildung und dieser wird ständig abgeschluckt. Bei diesen Schluckvorgängen ist die Zunge jedoch außer Stande, ihre korrekte Position einzunehmen, weil beim Schlucken der Schnuller auf ihr liegen bleibt. Schon nach wenigen Stunden der Schnulleranwendung kann sich dadurch ein falsches Zungenbewegungsmuster einstellen, was sich auf angrenzenden Muskelfunktionen auswirkt. Mit zahlreiche Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass so Zahnfehlstellungen, Kieferverformungen, Atemproblemen (Schnarchen) u.a. verursacht werden, so der Leiter des ISST-Unna Dr. Brendsen.

„der physiologische, gewinkelte, dünne Stufenschaft“
Physiologie ist die Wissenschaft von den Grundlagen des allgemeinen Lebensgeschehens, bes. von den normalen Lebensvorgängen und Funktionen des menschlichen Organismus. Der Schnuller ist immer ein Fremdkörper und kann somit nie physiologisch sein.

„Die Saugerform orientiert sich am Leerraum, sozusagen an der Negativform einer Mundhöhle mit einer Zunge in Ruhelage“
Hier fehlen die anatomischen Kenntnisse vom Mundraum eines Neugeborenen. Die Zunge füllt bei einem Neugeborenen den Mundraum völlig aus. Erst bei größeren Kindern oder Erwachsenen besteht ein Hohlraum zwischen Zunge und Gaumendach, da die Zunge weniger stark wächst als der Mundraum. Somit kann sich die Saugerform nicht am Leerraum orientieren, der – wie oben geschrieben – gar nicht existiert. Jegliche Art von Schnuller verhindert darüber hinaus, dass die Zunge ihre physiologische Ruhelage einnehmen kann, wie oben beschrieben.

Herr Dr. Brockhaus behauptet:
„Die weibliche Mamille (Brustwarze) ist 5 bis 15 mm lang. Durchschnittlich sind es 11 mm. Auch in der Stillzeit wird sie nicht größer. Aufgrund ihrer Elastizität wird sie während des Stillens zwar deformiert (länger, breiter oder flacher), aber diese Deformation bildet sich danach wieder zurück. Eine echte Volumenzunahme findet nicht statt.“

Richtig ist:
Die Brustwarze wird beim korrekten Saugen zwar länger – der Übergang von Mamille und Warzenvorhof ist dehnbar – sie wird aber zu keiner Zeit deformiert. Weder wird sie breiter noch flacher. Diese Vorstellung hat Dr. Brockhaus wahrscheinlich von NUK übernommen, die ein Kind untersuchten, das zudem noch falsch angelegt war. Aus dieser einen einzigen Untersuchung stammt die schräge Form des NUK-Saugers, die auch beim Dentimaxx übernommen wurde.

„In Europa werden Babys nach einem strikten Zeitplan umsorgt: sagen wir alle 4 Stunden zuerst füttern, dann wickeln, danach schlafen. 4 Stunden später dieselbe Prozedur von vorn. Dabei wird das Saugbedürfnis des Kindes aber nicht immer vollends befriedigt. Also füllt es die Lücke selbst, indem es an etwas nuckelt.“
„In sog. "primitiven Kulturen" dagegen wird das Kind oft ständig von der Mutter bei sich getragen. Ihm steht die Mutterbrust jederzeit zur Verfügung, und es kann sein Bedürfnis stillen. Darum braucht es keinen Nuckel.“

Richtig ist:
In Europa und Deutschland werden die Kinder keineswegs nach einem strikten 4-stdl. Zeitplan gestillt.  Heute sollen die Babys laut „Klinische Leitlinien zur Etablierung des ausschließlichen Stillens“ in den ersten Monaten 8–10 mal täglich gestillt werden (Clusterfeeding und längere Pausen), so dass das Saugbedürfnis damit gestillt ist. s. dazu unter www.stillen.org/deutsch/wissenswertes/wissenswertes.html . Außerdem wird abgeraten, in den ersten vier bis sechs Wochen dem Baby einen Schnuller anzubieten, damit sich das Stillen erst einmal etablieren kann.

„Aufpassen: jetzt wird es akademisch“
Was soll diese Anmerkung? Soll dem Leser suggeriert werden, dass er evtl. zu blöd ist, dies zu verstehen?

„Gemeinsam mit der Firma BABY-NOVA lautete die Zielsetzung, einen Schnuller zu entwickeln, der eine klinisch erprobte und erstmals wirklich kiefergerechte Form aufweist, und einen lutschoffenen Biss durch Dauernuckeln bestmöglich verhindert, ja sogar rückgängig machen kann.“
Hier wird zwar behauptet, dass erstmals wirklich eine kiefergerechte Form entwickelt wurde. Wissenschaftliche Belege und Studien fehlen jedoch völlig. Der Schnuller wurde am Schreibtisch erarbeitet. Kiefergerecht geformt kann ein Schnuller ohnehin nicht sein, da es unzählig viele verschiedene Kieferformen gibt. Zur Kieferformung eignet sich ein Schnuller generell nicht, hierbei wirken völlig andere Wachstumsreize. Dass Schnuller hingegen nicht kieferformend sondern kieferverformend wirken, konnte hingegen unzählige Male belegt werden.

„Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass durch den Einsatz von Prototypen des neuen Saugers sogar bereits bestehende Zahnfehlstellungen wieder behoben werden konnten! In diesen Fällen war Dauernuckeln von Vorteil! Lutschoffene Bisse waren innerhalb von 2-3 Monaten restlos geschlossen.“
Es wäre sehr interessant zu erfahren, wer solche Untersuchungen gemacht hat.
Es ist nicht denkbar, dass irgendein Schnuller keine Deformierung auslöst und ein geeignetes therapeutisches Instrument ist. Bei diesen Behauptungen scheinen allein Verkaufsargumente im Vordergrund zu stehen! Bei Schnullern gilt stets nur die Regel, dass sie möglichst gar nicht angewendet werden sollen, um die Kinder vor Schäden zu schützen. Kurze Anwendungszeiten sind entsprechend dieser Aussage natürlich weniger schädlich als lange.
Vielleicht bezieht die Firma BABY-Nova ihre Aussage ja auch ausschließlich darauf, dass ihre Schnuller erheblich weniger angewendet wurden?
Prospektive randomisierte unabhängige Studien liegen bis heute nicht vor.

„Ein Dentimaxx kann nicht falsch benutzt werden, weil aufgrund seiner besonderen Gestaltung nur in der richtigen Position an ihm gesaugt werden kann. Zwar drehen manche Kinder spielerisch die Sauger locker im Mund herum, jedoch ohne daran zu nuckeln.“
„...es gibt keine falsche Seite"
Selbstverständlich kann dieser Schnuller wie alle nicht symmetrischen Schnuller auch verkehrt herum genutzt werden und falsch gesaugt werden.

„Es wirken nur untergeordnete, biologisch kaum wirksame Kräfte auf Zahnbögen und Kieferknochen ein.
- minimaler Kraftaufwand beim Zusammendrücken des Schlauches.“
Da beim Saugen am Schnuller ständig negative Kräfte im Mundraum wirken, ist der physiologische Ruhezustand nicht gegeben. So können auch geringe Kräfte über die Zeit gravierende Auswirkungen auf das Wachstum haben.
Zudem ist – egal wie klein der Schaft ist – ein Schlucken mit geschlossenem Mund nicht möglich, und die Zunge wird bei jedem Schluckakt nach vorne geschoben, siehe oben.

„Argumente für einen Schnuller
Pro 1: Schnullerkinder nehmen auch gern die Brust“
Zum Glück nehmen auch Kinder mit einem Schnuller die Brust. Doch wird in die Intimsphäre des Kindes direkt eingegriffen. Wie oben geschrieben, soll in den ersten Wochen auf einen Schnuller verzichtet werden. Entscheidend für den Milchaufbau über einen langen Zeitraum sind die ersten Wochen. Untersuchungen haben zwar belegt, dass mit drei Monaten mit Schnuller die Stillzeit nicht wesentlich kürzer ist, Untersuchungen zu sechs Monaten und darüber hinaus fehlen jedoch. Die Untersuchungen müssen sich aber über die gesamte Stillzeit erstrecken, wenn mit einem Schnuller nicht die Stillempfehlung verkürzt werden sollen. Die Stillempfehlungen lauten nach der Globalen Strategie zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern der WHO von 2002 (auch für Deutschland geltend): Sechs Monate ausschließliches Stillen. Anschließend sollten Säuglinge angemessene und sichere Beikost erhalten, um ihre wachsenden Nahrungsbedürfnisse zu befriedigen, wobei gleichzeitig das Stillen bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus fortgeführt wird.

„Argumente für einen Schnuller
Pro 2: sie nehmen keinen Daumen oder Finger mehr“
Stimmt, aber nach Bedarf gestillte Babys benötigen evtl. auch keinen Schnuller. Es ist nicht gerechtfertigt, aus Angst vorm Fingerlutschen den Babys einen Schnuller aufzuzwingen.

„Argumente für einen Schnuller
Pro 3: Schnuller sind weniger schädlich als andere Fremdkörper, und sie reduzieren Karies“
Schnuller sind weniger schädlich, aber eben doch mit Nebenwirkungen behaftet. Karies ist nicht durch einen Schnuller sondern vorrangig durch eine entsprechende Zahn- und Mundhygiene zu verhindern.

„Argumente für einen Schnuller
Pro 4: sie unterstützen die Gewichtszunahme bei Frühgeborenen“
Das stimmt unter besonderen Bedingungen. Stimmt jedoch nicht, wenn er genutzt wird, um Hungersignale zu unterdrücken. Bei Frühgeborenen wird der Schnuller als Therapie eingesetzt. Den Schnuller einzusetzen wie ein Medikament ist sinnvoll. Doch wie bei einem Medikament ist es auch hier so, dass nicht alle ein Medikament/ Schnuller benötigen.

„Argumente für einen Schnuller
Pro 5: sie helfen, Schmerzen besser zu ertragen“
Das kann unter Umständen stimmen. Doch auch hier gilt, dass nicht prophylaktisch gegen Schmerz ertragen gearbeitet werden muss. Besser als ein Schnuller wirkt zudem das Saugen an der Brust gegen Schmerzen, da zu dem Saugen auch noch die Muttermilchwirkung hinzukommt.

„Argumente für einen Schnuller
Pro 6: sie retten Leben ... dass beim Gebrauch eines Schnullers das SIDS-Risiko (sudden infant death syndrome) um ca. 50% reduziert ist"
Dies ist ein sehr gefährliches Argument. Bevor unkritisch Argumente isoliert genutzt werden, muss man sich mit den Studien dazu befassen. Der Schnuller scheint nur dann vor SIDS zu schützen, wenn Kinder separat in einem Zimmer schlafen und zudem nicht gestillt werden. Sie scheinen dann nämlich in einen unphysiologischen Tiefschlaf zu kommen.
Statt den Eltern aus diesem vermeintlichen Grund einen Schnuller anzupreisen, sollten wir sie über Risiken informieren. Dazu gehört vor allem ein striktes Vermeiden von Rauchen, sowie dass die Säuglinge im ersten Lebensjahr im Elternschlafzimmer schlafen sollten und gestillt werden sollten. Davon profitieren sie viel mehr. Unsere Aufgabe ist es, die Eltern über ein physiologisches Schlafverhalten von Säuglingen aufzuklären, als mit Angst zu arbeiten, um Produkte zu vermarkten. Mehr Informationen dazu unter: www.bdl-stillen.de/aktuelles/medizin.htm

Und hier noch einige Punkte, die zusätzlich gegen den Schnullereinsatz sprechen. Diese Argumente gelten für alle Formen von Schnullern: 

Motorik und Kommunikation:

Durch die monotonen Reize des Schnullers wird die Wachsamkeit des Zentralnervensystems herabgesetzt. Das ist zwar mit dem Gebrauch des Schnullers erwünscht, hat aber auch unbeabsichtigte Folgen. Lernerfahrungen finden nicht statt. Eine Stimulation der Großhirnrinde, die zur Entwicklung des unreifen Gehirns notwendig ist, unterbleibt. Der Schnuller stellt nicht nur den Mundbereich still, sondern er hemmt auch die übrige Motorik. Die im Wachzustand eigentlich ständigen Bewegungen und das Tätigsein des lebhaften Kindes werden so unterdrückt, als ob ein Schalter die Motorik ausgestellt hätte.
Durch die sinkende Spannung im Mundbereich, sinkt die gesamte Spannung der Muskulatur im Körper. Der Schnuller leistet einen ersten Beitrag zur Verödung unserer aktiven Sinne. Er macht mundtot.
Struktur und Umrisse von Gegenständen muss der Säugling nicht nur mit den Händen, sondern vor allem mit dem Mund erspüren. Mit dem 4. Lebensmonat beginnt das bewusste Be- und Ergreifen sowie Erkunden mit dem Mund. Ist ein Säugling mit dem Schnuller förmlich zugestöpselt, kann er diesen wichtigen Entwicklungsschritt nur schwer durchlaufen, die ersten aktiven oralen Erfahrungen als Umwelteroberung verarmen. Der Schnuller blockiert den Kontakt von Lippen, Haut, Gaumen und Zunge. Die orale Ertastung anderer Stofflichkeiten bzw. Gegenstände wird scheinbar bedeutungslos.
Das Kind hört sich selbst weniger, kann von anderen nicht gehört werden und bekommt somit weniger Ansprache. Auch die Kommunikation mit der Umwelt findet weniger statt. Das Kind verarmt an Kommunikation.

Einfluss auf die myofunktionale Entwicklung und die Kieferstellung

Die Muskeln im Gesichtsbereich arbeiten ebenfalls nicht isoliert, sondern als Muskelgruppen in verschiedenen Funktionen zusammen. Beim Saugen bekommt die Muskulatur eine Prägung. Da das Saugen am Schnuller aber ganz anders als das Melken an der Brust funktioniert, ist die Prägung der Muskelgruppen eine andere. Besonders am Muskulus orbicularis oris kann man die unterschiedliche Prägung erkennen. Beim Melken an der Brust ist er angespannt, beim Saugen am Schnuller liegt er locker. Da es keine besonderen Saug-, Ess- oder Sprechmuskeln gibt, ist es naheliegend, dass Muskelfunktionsstörungen beim Säugling Auswirkungen auf das Kindes- und Erwachsenenalter haben können. Außerdem formen die Weichteile auch das Hartgewebe. Störungen zeigen sich besonders deutlich bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, wo u. a. durch das Fehlen der Funktion des Muskulus orbicularis oris die Führung der Frontzähne fehlt.
Durch das Schnullerschild wird der Muskulus orbicularis oris geschient. Wenn Muskeln geschient werden, werden sie schwächer. Das gilt auch für diese Region. Aus der physiologischen Nasenatmung wird dadurch eine Mundatmung erleichtert.
Normalerweise sind der Kiefer und die Lippen beim Schlafen locker verschlossen. Ganz anders ist es, wenn ein Schnuller diesen Schluss verhindert. Wenn die Säuglinge beim Saugen am Schnuller die Zunge über die Kieferleisten legen, kommt es zu einer unphysiologischen Kieferstellung. Während der langen Schlafphasen im Leben eines Kindes bleibt dann diese unphysiologische Stellung erhalten. Dies kann nicht ohne Wirkung auf die spätere Entwicklung des Kiefers bleiben. Kieferfehlstellungen sind die Folge.
Zudem bringt der Schnuller dauerhaft das muskuläre Gleichgewicht durcheinander. Da im Bereich des Schädels der Ober– und Unterkiefer das höchste Wachstumspotential besitzen, wird hier empfindlich das Wachstum beeinträchtigt.
Späteres vermehrtes Schnarchen kann ebenfalls eine Folge vom Schnullereinsatz sein, durch die Beeinträchtigung des muskulären Zusammenspiels.

Wachstumsschübe

 Die Säuglinge saugen an der Brust, um Nahrung zu bekommen und hören auf, wenn weniger Milch fließt. Das non-nutrive Stillen unterbleibt, da das weitere Saugbedürfnis mit dem Schnuller befriedigt wird. Steigt der Nahrungsbedarf, sind die Kinder nicht bereit, zur Stimulation vermehrt an der Brust zu saugen. Erreicht die Mutter die zusätzlich erforderliche Stimulation nicht durch Abpumpen oder Ausstreichen, wird sie zufüttern müssen. Der Gebrauch eines Schnullers kann somit verhindern, dass sich die Menge der Muttermilch einem erhöhten Bedarf anpasst.

Gewichtszunahme

Befriedigt der Schnuller das Saugbedürfnis der Kinder, verlängern sich auch die Abstände zwischen den Stillzeiten. Dieser Umstand ist oft auch beabsichtigt von den Müttern/Eltern. Die Säuglinge erhalten dadurch weniger Milch und können in eine Art Fastenzustand geraten.

Da dies schleichend passiert und die Kinder dabei nicht unbedingt unglücklich wirken, erkennt die Mutter die zu geringe Gewichtszunahme nicht rechtzeitig. Erst bei routinemäßigen Kontrolluntersuchungen wird dieser Umstand deutlich. Die Eltern sind dann meist überrascht und voller Schuldgefühle. Außerdem muss die Mutter zufüttern, zumindest so lange, bis sich die Milchmenge wieder gesteigert hat.

Beruhigungssaugen und Stilldauer

Kinder mit Schnuller stillen sich früher ab. Das belegen immer wieder die verschiedensten Studien. Der Schnuller vermindert das non-nutrive Stillen an der Brust. Die Brust bedeutet nur noch Nahrungsaufnahme, aber nicht auch zusätzlich Befriedigung des Saugbedürfnisses oder Trost. Das Stillen von älteren Säuglingen wird beeinträchtigt, so dass sie sich eher abstillen als gleichaltrige Säuglinge ohne Schnuller. Verschiedene Studien belegen dies.

Milchstau , Mastitis und Soor

Während im späteren Verlauf einer Stillzeit Probleme mit zu wenig Milch auftreten können, kann es gerade am Anfang einer Stillbeziehung – mitbedingt durch den Schnuller – zu Milchstaus und Mastitiden kommen. Lange Intervalle zwischen zwei Stillepisoden (hinausgezögert durch einen Schnuller) können bewirken, dass es zur unzureichenden Entleerung der Brüste kommt, aus denen sich ein Milchstau oder auch eine Mastitis entwickeln kann.
Andererseits kann es – bedingt durch Stillschwierigkeiten – zu einem vermehrten Einsatz des Schnullers kommen, aus dem dann wiederum erneute Stillschwierigkeiten entstehen können oder vorhandene verschlimmert werden, da die Ursachen dieser Stillschwierigkeiten nicht behoben wurden.

Ebenfalls können Soorinfekte durch den Schnuller unterhalten werden. Während der Behandlung von Soorerkrankungen sollte der Schnuller besser vermieden werden. Doch was sollen die Mütter tun, wenn ihre Kinder daran gewöhnt sind? Generell aber sollte auf den Schnuller verzichtet werden, wenn gehäuft Soorinfekte auftreten. 

Erhöhte Keimbesiedlung und deren Folgen

Kein Schnuller kann absolut sauber gehalten werden. Besonders während einer langen Schlafenszeit mit Schnuller (nachts) werden sich die Keime im Mund und am Schnuller selbst vermehren. Der Mund ist nicht verschlossen und Mund- sowie Zungenmotorik sind im Gegensatz zu Säuglingen ohne Schnuller verändert. Betrachtet man sich die orale Anatomie im Seitenschnitt, wird deutlich, wie eng Mundhöhle, Rachen und die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) in Verbindung stehen.

Wie weiter unten beschrieben, ist der Mundschluss durch den Schnuller verhindert. Dadurch wird eine unphysiologische Mundatmung ermöglicht, die das Immunsystem der Säuglinge negativ beeinflussen kann. Hypertrophien der Rachen- und Gaumenmandeln sind die Folge, eine physiologische Nasenatmung ist dann nicht mehr möglich, und Infekte häufen sich. Entzündliche Erkrankungen der Ohren kommen bei Kindern häufig vor. Untersuchungen haben bestätigt, dass gestillte Kinder weniger oft an Mittelohrentzündungen erkranken. Zusätzlich gibt es auch eine Studie, die belegt, dass gestillte Kinder ohne Schnuller weniger häufig an Mittelohrentzündungen erkranken als gestillte Kinder mit Schnuller. Begünstigt wird das Auftreten der Mittelohrentzündung durch die Kürze und Weite der Ohrtrompete (Eustachische Röhre), über die Bakterien vom Rachen her leicht zum Mittelohr vordringen können. Die hyperplastische Schleimhaut, die bei Neugeborenen und jungen Säuglingen das Mittelohr auskleidet, begünstigt ebenfalls das Auftreten von Entzündungen. Eine durch den Schnuller negativ beeinflusste Immunität durch hypertropheTonsillen, gestörte Bakterienbesiedlung und eine Schleimhautschwellung – bedingt durch die Reizung der Schleimhaut durch die Fremdmaterialien des Schnullers – können bei ohnehin empfindlichen Kindern zu gehäuft auftretenden Mittelohrentzündungen führen.

Suchtgefahr

Das Stillen bedeutet für die Säuglinge nicht nur Nahrungsaufnahme sondern auch Befriedigung des Saugbedürfnisses, Geborgenheit und Trost. Der Schnuller kann dies alles nicht geben. Eine echte Befriedigung findet bei monotonen Sinnesreizen nicht statt. Isoliert mit dem Schnuller ist Geborgenheit nicht gegeben. Trost mit dem Schnuller kombiniert Trost mit einem Gegenstand. Sieht man wegen dieser frustrierenden und gleichzeitig doch auch sehr prägenden Erfahrung bei so vielen Menschen ständig die Suche nach Befriedigung mittels Zigarette, Alkohol, Schokoriegel oder anderem?

Entwöhnen vom Schnuller

Der Schnuller ist im Gegensatz zur Brust immer verfügbar. Sind die Kinder erst einmal von ihm abhängig gemacht worden, ist es schwer, sie davon wieder loszubekommen. Entweder wird der Schnuller dem Kind irgendwann weggenommen (womit ihm aber sein anerzogenes Bedürfnis danach abgesprochen wird), oder man muss so lange warten, bis das Kind verständig genug ist, mit ihm darüber zu reden. Das ist im Kleinkindalter jedoch meist nicht möglich.
Auf alle Fälle sollte vor dem Schnullereinsatz überlegt werden, wer den Schnuller benötigt. Meist nicht der Säugling, sondern der Erwachsene, um den Säugling zu beruhigen.

Mit einem Jahr kann den Kindern Grenzen gesetzt werden. Das heißt, sie können schnullern oder etwas anderes machen. Auf alle Fälle nicht beides gleichzeitig: schnullern und spielen, schnullern und sprechen usw. So kann der Schnuller langsam entwöhnt werden.

Umgang mit dem Schnuller

Wenn Sie sich für den Gebrauch eines Schnullers entscheiden,

  • ist es günstig, auf den Schnuller in den ersten vier bis sechs Lebenswochen zu verzichten, bis das Stillen sich gut etabliert hat.
  • ist es besser, einen Sauger zu verwenden, der möglichst weich und anpassungsfähig ist und im Zahn- und Lippenbereich einen möglichst kleinen Durchmesser hat, um den Mundschluss und die Zahnentwicklung möglichst wenig zu behindern.
  • ist eine flache symmetrische Form zu bevorzugen, nicht die abgeschrägte Form (wie z. B. NUK)
  • sollte das Lippenschild nicht gebogen den Lippen anliegen, sondern eher gerade sein.
  • empfehle ich, den Schnuller bewusst einzusetzen und ihn bewusst wieder wegzunehmen, wenn das Kind ihn nicht mehr braucht. Lassen Sie den Schnuller nicht herumliegen oder an der Schnullerkette sichtbar herumbaumeln.
  • stöpseln Sie Ihr Kind nicht mit dem Schnuller zu, sondern versuchen Sie, den Ursachen der Unruhe auf den Grund zu gehen und es durch Zuwendung zu trösten.
  • verwenden Sie den Schnuller möglichst wenig und gewöhnen Sie ihn möglichst früh ab.

 

Weiteres zum Thema unter www.stillberatung.info (Startseite -> Aktuelles) oder als pdf-Datei „Abtract Schuller VELB-Kongress 2006

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