Sternenkinder - 500 Gramm

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500 Gramm

Wann hat ein Kind gelebt? Aus rechtlicher Sicht wurde diese Frage beantwortet. Kommt ein Baby auf die Welt und es sind unmittelbar nach der Geburt Lebenszeichen nachweisbar, so gilt es als Lebendgeburt. Das Kind braucht einen Namen, es bekommt eine Geburtsurkunde und nach dem Tod eine Sterbeurkunde. Es besteht Bestattungspflicht. Die Mutter hat Anspruch auf Mutterschutz: 8 Wochen bzw. bei Mehrlingsgeburten oder einer Frühgeburt bis zu 16 Wochen.
Kommt ein Kind tot zur Welt und hat über 500g Körpergewicht, gilt es als Totgeburt. Es wird im Sterbebuch beurkundet und kann einen Vornamen bekommen. Sonst gibt es keine Dokumente. Auch dieses Kind muss bestattet werden. Die Mutter hat acht Wochen Mutterschutz.
Kommt das Kind tot zur Welt und wiegt weniger als 500g, gilt es als Fehlgeburt. Es gibt keinerlei Dokumente und das Kind kann offiziell auch keinen Namen bekommen. Die Mutter hat keinen Anspruch auf Mutterschutz, sie muss sich krankschreiben lassen, um nicht sofort wieder zur Arbeit gehen zu müssen. 
Für den Betroffenen-Verein Pusteblume ist diese 500g-Grenze willkürlich. Fehlgeborene Kinder werden nicht ins Personenstandregister eingetragen, was bedeute, „dass diese Kinder nicht als Menschen anerkannt werden“. Im Mai 2014 hat der Verein Nationalratspräsidentin Barbara Prammer eine Petition zur „Abschaffung der 500-Gramm-Grenze bei Fehlgeburten und freiwillige Eintragung aller Kinder ins Personenstandsregister“ überreicht. In Deutschland wurde das Personenstandsgesetz im Mai 2013 diesbezüglich geändert. Dort können Eltern ihre fehlgeborenen Kinder auf Wunsch beurkunden lassen. 
In vielen Städten Europas gibt es Angebote für Eltern, die sich nicht in der Lage sehen, ein Begräbnis für ihr totes Baby zu organisieren. Seit 2000 bietet die Stadt Wien an, für totgeborene oder unmittelbar nach der Geburt verstorbene Kinder die Bestattung zu veranlassen. Dafür wurde am Wiener Zentralfriedhof ein eigener Babyfriedhof in der Gruppe 35B eingerichtet. Die Stadt kümmert sich um das Begräbnis, legt einen Termin fest und übernimmt alle Kosten. Die Eltern werden über den Termin informiert, können dabei sein – müssen aber nicht. Die Grabstätte ist für zehn Jahre bezahlt, danach wird sie aufgelassen, eine Verlängerung ist nicht möglich. Fehlgeborene Kinder können vier Mal im Jahr feuerbestattet werden und werden in einer Sammelgrabstätte beigesetzt. Die Angebote in den Ländern sind hier recht unterschiedlich. Auch an diesem Punkt ist professionelle Unterstützung notwendig, damit Eltern eine gute Entscheidung treffen können.

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