Geständnis einer stolzen Mutter

 

Mein Sohn ist 15 und hat mir nichts als ...

"Ärger gemacht?"

Ich dachte mir doch, dass Sie das sagen würden! Nein, mein Sohn ist 15 und hat mir nichts als Freude bereitet.

"Sie scherzen. Wie ist das möglich?"

Ich bin stolz auf meinen Sohn, aber leider kann ich das nicht auf meine eigene Kappe nehmen. Sein Vater und ich hatten einfach Glück, nachdem zu Anfang einiges schief gelaufen ist, dass wir einfühlsame Ratgeberbücher und Zeitschriften für Eltern gelesen und uns mit erfahrenen und mitfühlenden Freunden ausgetauscht haben. Heute ist unser Sohn der fürsorglichste, verantwortungsbewusste und großzügigste Mensch, den ich kenne.

"Sagen Sie mir bitte, wie haben Sie das geschafft?“

Nun, wir haben alles das getan, was wir nicht hätten tun sollen. Wir haben zusammen im Familienbett geschlafen, ich habe ihn mehrere Jahre gestillt, er wurde niemals bestraft, bedroht, geschlagen oder verhöhnt und er durfte seinen Ärger genauso herauslassen wie seine Freude.

"Oh, Sie haben ihn verzogen?"

Nun, lassen Sie uns dieses Wort doch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Im Wörterbuch steht unter – verziehen - :  "Unzufriedenheit oder zu hohe Erwartungen durch Nachgiebigkeit verursachen.“ In meinem Wörterbuch ist dies die dritte Bedeutung. Es spiegelt den üblichen Gebrauch des Wortes wieder.  Diese Definition geht von einem Prinzip der Ursache-Wirkung aus. Nachgiebigkeit erzeuge Verwöhnung. Aber stimmt das überhaupt? Oder ist diese Definition nur ein weit verbreitetes Vorurteil in Bezug auf die  ursprüngliche kindliche Natur? Eine Definition, die richtig wäre im Sinne wie Kinder tatsächlich lernen und reagieren, ist die erste in der Liste: „zerstören, verletzen, vernichten.“ Was wirklich ein Kind  verzieht, was tatsächlich zerstört, verletzt und vitale Qualitäten eines Kindes vernichtet, sind die anderen Möglichkeiten elterlichen Verhaltens: Strafe, Trennung und Zurückweisung. Diese Erfahrungen verderben das angeborene Vertrauen, die Fähigkeit zu lieben, Kreativität und das Vermögen, Freude empfinden zu können. Ein Kind dieser Schätze zu berauben, ist sicherlich eines der furchtbarsten Taten, die ein Mensch vollbringen kann.

„Probieren geht also über Studieren!“

Genau. Adolf Hitler wurde regelmäßig brutal misshandelt in seiner Kindheit. Als Erwachsener hat er die Qualen und Schmerzen dieser Jahre kompensiert, in dem er über Millionen anderer Menschen Leid und Elend brachte. Im Vergleich, Albert Einstein wurde von seinen Eltern liebevoll umsorgt. Seine Mutter wurde beschuldigt, ihn zu verderben. Einstein wurde nicht nur einer der weltberühmtesten Wissenschaftler, sondern ebenfalls ein sehr sanfter, fürsorglicher Mann, der sich für soziale Belange einsetzte.

"Wo kann ich die Informationen finden, die Ihnen geholfen haben?“

Sprechen Sie mit Hebammen. Treffen Sie sich mit Müttern der La Leche Liga oder mit Müttern von Stillgruppen. Lesen Sie Bücher von Alice Miller, Joseph Chilton Pearce, Tine Thevenin und John Holt. Meditieren Sie und hören auf das, was Ihr Herz Ihnen sagt. Glauben Sie daran, dass Ihnen Ihr Baby mitteilen wird, was richtig ist ... und was falsch.

"Wie kann das ein Baby tun?"

Babys kommen auf die Welt und tragen Urvertrauen und Liebe in sich selbst. Sie verdächtigen nicht, misstrauen nicht, spielen keine Spielchen, zweifeln nicht an Glaubwürdigkeit oder betrüben in irgendeiner Weise die Kommunikation, außer und bis ihr Vertrauen enttäuscht wird durch so schmerzhafte Erfahrungen wie Strafe, Zurückweisung und Trennung. Das Lächeln und die Tränen eines Babys sind die wirksamste Form der Kommunikation auf diesem Planeten.

"Was ist mit Fehlern, die bereits begangen wurden?"

Es gibt keine perfekten Eltern. Da wir alle Fehler machen, ist Selbstbestrafung genauso wenig wirksam oder vernünftig wie die Bestrafung unserer Kinder. Sowohl uns selbst zu lieben und zu verstehen, was wir getan haben, als auch was wir hätten tun können mit der Information und innerer Stärke in diesem Moment, ist genauso wichtig wie  die Liebe und das Verständnis für unsere Kinder. Alles, was wir tun können ist, unsere Kinder zu lieben, die Wichtigkeit des Elternseins kritisch anzunehmen und damit fortzufahren, liebevolle Wege zu entdecken, unsere Kinder, mit denen wir gesegnet sind, zu umsorgen.

"Was sind die wichtigsten Punkte, die Eltern wissen sollten?“

Zwei Dinge: Erstens, in unserer Gesellschaft wird vorausgesetzt, dass Kinder und Erwachsene, warum auch immer, zwei getrennten und unterschiedlichen Verhaltensprinzipien folgen. Als Erwachsene wissen wir, dass wir uns am besten denjenigen gegenüber benehmen, die uns mit Freundlichkeit, Geduld und Verständnis begegnen. Bei Kindern wird angenommen, dass sie sich genau umgekehrt verhalten, das bedeutet, sich vorbildlich benehmen gegenüber denjenigen, die sie bedrohen, bestrafen und erniedrigen. Wenn wir versuchen, das Alter festzumachen, an dem sich diese Verhaltensprinzipen umdrehen, kommen wir zu keinem Ergebnis, weil es diesen Unterschied gar nicht gibt. Für Kinder wie für Erwachsene gilt ein und dasselbe Prinzip: wir alle verhalten uns so gut wie wir behandelt werden. Die zweite wichtige Betrachtung ist, dass das so genannte „schlechte Benehmen“ ein Glück im Unglück ist, denn es ist die beste Chance für das Leben zu lernen. Wenn in diesem Moment die Strafe eingeführt wird, ist die Chance verloren, weil die Aufmerksamkeit des Kindes von der eigentlichen Lernaufgabe abgelenkt wird und seine Gefühle verletzt werden hin zu Erniedrigung, Ärger und Rache. Weiterhin, oberflächliches „gutes Verhalten“, das durch Drohungen und Strafe erreicht wurde, wird nur solange anhalten, bis das Kind alt genug ist, um zurück zu schlagen; wütende Teenagers fallen nicht vom Himmel. Vertrauen, Freundlichkeit und Mitgefühl, welche von Geburt an im Kind verankert sind, über die Jahre durch elterliches Vorbild  gepflegt und gestärkt, werden ein Leben lang wirken.

"Ich verstehe. Es ist also alles eine Frage des Vertrauens in Kinder, des Erkennens, dass Kinder weniger Erfahrung haben und kleiner sind, als wir, sie aber dasselbe Recht haben, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Vom Baby bis zum Greis, alle Menschen verhalten sich so gut wie sie behandelt werden. Bemerkenswert. Für Eltern und Kinder,  wie für alle menschlichen Beziehungen gilt, lasst uns nur Liebe geben und Liebe wird alles sein, was wir zurück erhalten.

 

Der Artikel ist mit freundlicher Erlaubnis der Autorin auf unserer Seite veröffentlicht und im Original mit dem Titel: Confessions of a Proud Mom unter www.naturalchild.org nachzulesen.
übersetzt aus dem Englischen von eulalie für Rabeneltern.org
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