Der fürsorgliche Vater

Mütterliches Verhalten bei den Primaten ist intensiv von Zoologen erforscht worden und keiner hat sich gegen die Verwendung des Begriffs – Affenmutter- ausgesprochen. Umgekehrt, der Begriff –Affenvater- ist selten, wenn überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen worden und die meisten Zoologen würden es ablehnen, diesen Begriff zu benutzen. Vater impliziert eine menschenähnliche Beziehung basierend auf Verwandtschaft in einer monogamen Familie und ist anthropologisch besetzt.

G. D. Mitchell
Paternalistic Behavior In Primates (1)


Menschen sind Säugetiere, d. h. sie wachsen in der Gebärmutter und werden nach der Geburt an den mütterlichen Milchdrüsen gesäugt. Der natürliche Fortpflanzungsprozess des Menschen endet nicht mit der Geburt, sondern das Neugeborene entwickelt sich weiter in engem Kontakt zu seiner Mutter.  Der natürliche Fütterungstrieb des Muttertiers ist lebensnotwendig für den Fortbestand der Säugetiere. Männliche Tiere sind erforderlich, um neues Leben zu zeugen. Sobald jedoch das Sperma die Eizelle befruchtet hat, endet die biologische Rolle im Fortpflanzungsprozess. Das befruchtete Ei in der Gebärmutter und der Säugling nach der Geburt sind nicht auf die Fürsorge des männlichen Elternteils angewiesen, um zu leben und sich zu entwickeln. In Anbetracht der Tatsache, dass die Männchen biologisch nicht notwendig sind für das Gedeihen der Jungen, wurde dennoch herausgefunden, dass väterliche Fürsorge (2) bei 10 % der Säugetiere (3) stattfindet.

Diese Zahl sagt vermutlich mehr aus über das Verhältnis zwischen Männchen und Weibchen, als über das tatsächliche Potential der Männchen fürsorglich zu sein. Es ist wichtig für das Verständnis elterlichen Verhaltens zu erkennen, dass Säugetierjunge sich ihren Müttern anvertrauen. Wenn der Vater nicht regelmäßig in Verbindung zur Mutter steht, wird er keinen besonderen Kontakt zu dem Leben aufbauen, das er selber zeugte. Mann-Frau-Beziehungen sind eher ungewöhnlich unter den Säugetieren. Eigentlich treffen sich die Geschlechter nur zum Akt der Zeugung. In diesen Fällen gibt es keine gemeinsame Sorge um das Baby, denn der Vater ist weder während der Geburt, noch während der Zeit des Aufwachsens anwesend. Männliche und weibliche Tiere leben in Herden, ohne größeren Kontakt untereinander.   Die Männchen agieren oftmals als Verteidiger der gesamten Gruppe gegenüber Angreifern, aber nicht insbesondere hinsichtlich ihrer eigenen Nachkommen (4). Es gibt allerdings Ausnahmen. Einige Arten, z. B. Wölfe und Löwen, leben in Paarbindungen. Männchen und Weibchen leben zusammen in einem Rudel, die in Gruppen jagen. In diesen Fällen sind die Männchen mit ihren Nachkommen involviert. Sie verhalten sich oft beschützend gegenüber ihrem Partner und den Neugeborenen und beteiligen sich an der Futtersuche für die Jungen, nach deren Säugezeit. Man kann sicher davon ausgehen, dass dieses elterliche Verhalten ungewöhnlich für Säugetiere ist, dennoch nicht ungewöhnlich für solche, die monogam leben oder in Paarbeziehungen (auch dann, wenn die Beziehung nur zeitweise aufrecht erhalten wird, während das Neugeborene sich entwickelt (5).

Menschen gehören zur Gruppe der Primaten. Unter den Primaten ist elterliches Verhalten eher rar. Das ist nicht unbedingt so, weil die Männchen weniger Interesse an ihren Nachkommen haben, sondern weil die Weibchen es ihnen im allgemeinen nicht erlauben, den Neugeborenen zu nahe zu kommen. Die Männchen vieler Primatenarten haben sich als Gefahr für ihren Nachwuchs ausgezeichnet. Umgekehrt, Männchen zeigen auch beschützendes Verhalten gegenüber Müttern und ihrem Nachwuchs (6). Die Gelegenheit der Primatenmännchen mit ihren Jungen Kontakt zu pflegen hängt zum großen Teil von der Gruppe ab, in der sie leben. Es gibt eine Reihe unterschiedlichen Gruppenverhaltens unter den Primaten und zwar sowohl Nur-Weibchen-und-Nachwuchs-Gruppen, Nur-Männchen-Gruppen, Weibchen-Gruppen, Ein-Männchen-und-viele-Weibchen-Gruppen, als auch gemischte Gruppen. Einige Gruppen sind nur lockere und offene Gemeinschaften, während andere streng hierarchisch organisiert sind. Die einzig beständige Beziehung in allen Gruppen, ist die zwischen Mutter und Kind. Die spezielle Verbindung zwischen Mutter und Kind ist atypisch für Vater und Kind, selbst dann, wenn Männchen und Junge in einer Gruppe zusammen leben. Das bedeutet nicht, dass Männchen sich nicht auch um ihre Jungen kümmern. Sie wurden beobachtet, wie sie den Nachwuchs beschützten, bei der Fellpflege, beim Spiel, bei der Futtersuche.

Unter vielen Arten der neuzeitlichen Affen, zeigen die Männchen deutliche Anzeichen fürsorglichen Verhaltens. Das Männchen der Titi-Affen beispielsweise trägt seinen Nachwuchs so gut wie ständig mit sich herum. Sein Verhalten gegenüber den Jungen ist praktisch gleich dem der Mutter mit der Ausnahme des Säugens. Elterliche Fürsorge und Tragen der Nachkommen ist üblich bei den panamesischen Nachtaffen und den Marmosetaffen. Männchen und Weibchen leben bei diesen Arten in Paarbeziehungen (7). Elterliches Verhalten ist weniger verbreitet unter den Affen prähistorischer Zeit und den Menschenaffen. Trotzdem, die Männchen zeigen häufig beschützendes Verhalten gegenüber ihren Nachkommen und genießen es, mit ihnen zu spielen. Paviane zeigen angemessenes elterliches Verhalten. Unter den verschiedenen Arten der Paviane, tragen die Männchen ihre Jungen, ja sie adoptieren sogar fremden Nachwuchs (8). Man kann das Verhalten der Primaten nicht verallgemeinern. Es gibt zu viele Besonderheiten zwischen den Arten und innerhalb einer Art. Aber, ähnlich wie bei anderen Säugetieren, ist der entscheidende Faktor des väterlichen Verhaltens bei den Primaten, die Mutter zu begleiten und ihr ein Partner zu sein. Neugeborene Primaten hängen emotional an ihrer Mutter, die sie liebevoll umsorgt. Außer der Vater ist ebenfalls emotional der Mutter zugewendet und umgekehrt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er viel Kontakt zu seinem Nachwuchs hat. Obwohl wir nicht wissen, ob Väter schon immer ein Teil der menschlichen Familie gewesen sind, Fakt ist, dass irgendwann in der Vergangenheit, Männer anfingen eine Vaterrolle einzunehmen. Margret Mead sagt dazu:

Wenn wir alle menschlichen Gesellschaften untersuchen, so finden wir überall so etwas wie eine Familie, ein dauerhaftes Abkommen, in dem Männer Frauen bei der Versorgung der gemeinsamen Kinder unterstützen, solange die Kinder klein sind. Der entscheidende menschliche Aspekt dieses Unterfanges liegt weder darin, dass Männer ihre Familie beschützen – das haben wir mit den Primaten gemein. Noch liegt er im männlichen Verhaltensmuster, Besitzansprüche gegenüber den Frauen zu stellen zum eigenen Vorteil  – auch das haben wir mit den Primaten gemein. Der entscheidende Unterschied liegt vielmehr im fürsorglichen Verhalten der Männer, die sich mit um die Nahrungsbeschaffung für Frauen und Kinder kümmern.   Irgendwann in der Vorzeit der menschlichen Geschichte, fand eine soziale Erfindung statt, die sicherstellte, dass Männer sich um ihre Familien sorgten. Der Mann, Hüter der Tradition, versorgt Frauen und Kinder. Es gibt keine Hinweise dafür, dass Männer ohne Sozialisierung, diese Aufgabe wahrnehmen würden (9).

Es sollte nicht überraschen, dass der Mann, obwohl er im biologischen Sinne keine väterliche Rolle ausfüllt, sich liebevoll und fürsorglich um andere kümmert, die ihm Nahe stehen. Fürsorge und liebevoller Umgang miteinander sind keine Kuriositäten, sondern überall dort zu Hause, wo sich soziale Strukturen unter den Arten entwickelt haben. Nichtsdestotrotz, das fürsorgliche Verhalten des Mannes ist normalerweise eines, das angelernt ist oder durch kulturelle Gegebenheiten ihm mitgegeben wird.

Margaret Mead glaubte, dass väterliche Fürsorge eine soziale Erfindung war. Dies ist eine übliche Annahme in der westlichen Zivilisation, in der Menschen als unsozial und verantwortungslos (Mütter sind in diesem Zusammenhang eine Ausnahme auf begrenzte Zeit) wahrgenommen werden. Die Ansicht, dass Männer sich nicht von Natur aus fürsorglich um ihren Nachwuchs  kümmern, ist im allgemeinen unumstritten unter Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema eingehend befasst haben. David

Blankenhorn behauptet:

...Vaterschaft, sehr viel mehr als Muttersein, ist eine kulturelle Erfindung. Die Erfüllung dieser Aufgabe für den jeweiligen Mann beruht weniger auf einer biologische Vorgabe, sondern auf kulturellen Gegebenheiten – eine Sozialisierung, die ihn zu bestimmten Tun veranlasst und so sein Selbstverständnis als Mann in der Gesellschaft prägt (10).

Blankenhorn sagt weiter:

Ein Vater erfüllt seine grundlegende biologische Aufgabe im Moment der Zeugung – 9 Monate bevor das Kind geboren wird. Da die soziale Vaterschaft nur indirekt mit der biologischen verknüpft ist, kann die Verbindung beider nicht einfach vorausgesetzt werden. Der Begriff – ein Kind zu machen – ist normalerweise auf den Zeugungsakt beschränkt und hat nichts mit der Verantwortung, ein Kind aufzuziehen gemein. Das, was Väter beitragen zur Erziehung ihrer Kinder ist zum größten Teil kulturell bedingt (11).

Der Glaube, dass Vaterschaft keinen biologischen Ursprung hat wird unterstützt durch die Tatsache, dass praktisch während der gesamten menschlichen Zivilisationsgeschichte, Männer Kinder zeugten, um nach der Geburt nichts mehr mit ihnen zu tun zu haben. Die Natur hat Männern die Möglichkeit mitgegeben, die Entstehung neuen Lebens – anders als bei den Frauen – zu ignorieren, in dem Männer nicht wissen können, ob sie eine Frau geschwängert haben oder nicht. Hinzu kommt, dass diese Tatsache Männer häufig nicht interessiert oder es ihnen egal ist. Es ist nicht ungewöhnlich für einzelne Väter kaum oder gar keinen Kontakt zu ihren Kindern zu pflegen. Es ist ebenfalls nicht ungewöhnlich für Väter, gewalttätig gegenüber ihren Kindern zu werden oder sie gar zu missbrauchen. Obwohl die Menschen die einzigen Primaten sind, bei denen väterliches Verhalten dauerhaft vorkommt, bleibt es dennoch Tatsache, dass nicht alle Kinder einen fürsorglichen Vater haben oder gar überhaupt einen. Studien über Menschengruppen, die außerhalb der Zivilisation leben, haben ergeben, dass nur wenige Kinder Väter haben, die nicht mit ihnen leben oder die nicht fürsorglich sind. In Jäger und Sammler Gesellschaften, werden Mutter und Vater, sowie andere männliche und weibliche Mitglieder der Gruppe von Anthropologen im allgemeinen als nachsichtig und fürsorglich gegenüber allen Kindern beschrieben.  Trotz des grundsätzlichen Glaubens in der westlichen Welt, der Mensch wäre primär von egoistischen Motiven und Instinkten gelenkt, ist es viel eher anzunehmen, dass  unsere prähistorischen Verwandten Individuen waren, die füreinander da waren und die sich umeinander gekümmert haben. Der Gedanke, menschliche Individuen wären grundsätzlich egoistisch und verantwortungslos, und um ein soziales Wesen zu werden, müsste der Mensch diese Eigenschaften zu unterdrücken lernen, ignoriert die Notwendigkeit der  menschlichen Fürsorge und ihren bedeutenden Einfluss auf die persönliche Entwicklung und die Auswirkung auf das Leben in der Gruppe insgesamt. Beide, Frau und Mann, sind von Natur aus dazu bestimmt, in Beziehung zu ihrer fürsorglichen Mutter zu wachsen und sich zu entwickeln. Die natürliche Bemutterungsprozess leistet viel mehr, als Kinder nur am Leben zu erhalten. Er führt in ein Leben ein, das gekennzeichnet ist vom Miteinander, von Liebe und Fürsorge. Bemutterte Kinder lernen, dass Geborgenheit und das Stillen ihrer Bedürfnisse untrennbar zum liebevollen Miteinander der Menschen  gehört. Vor diesem Hintergrund sind Sozialkompetenz und Sozialisation natürliche Folgen des Bemutterungsprozesses. Bemutterung ist die Wurzel für die Art und Weise wie wir mit anderen Menschen umgehen. Die Mutter, die ihren Kindern Nähe gibt und für sie da ist, schafft den Boden, auf dem Fürsorge für andere gedeiht und den selben Stellenwert hat, wie die Liebe für sich selbst. Männer haben keine biologische Vaterrolle. Aber diese Tatsache schließt sie nicht aus, sich fürsorglich um andere zu kümmern, insbesondere um Kinder. Während ihrer Kindheit waren sie Teil des natürlichen Bemutterungsprozesses. Menschenbabys müssen Sozialverhalten nicht erlernen, es ist ihnen von Natur aus mitgegeben worden. Wir könnten nicht überleben, wären wir nicht von vornherein soziale Wesen. Um diese Fähigkeit nicht zu verlernen, ist die Anwesenheit, sowohl einer liebevollen Mutter, als auch liebevoller Mitmenschen erforderlich. Es sind nicht nur die Mütter, die zur Art der Säugetiere gehören. Beide, Männer wie Frauen werden zu fürsorglichen Erwachsenen wie ihre Mütter, wenn sie im Sinne des natürlichen Bemutterungsprozesses aufwachsen. Die Tatsache, dass es Männer gibt in allen Gesellschaften, die wir kennen, die sich um ihre Partnerinnen und Kinder kümmern, sollte Beweis genug sein, dass fürsorgliches Verhalten nicht eine exklusive Fähigkeit ist, die nur Frauen haben.  Wir können alle „Mütter“ werden, auch ohne Gebärmutter und Brüsten mit Muttermilch. Väterliches Verhaltens ist nicht in der Biologie des Mannes oder in der Notwendigkeit, „egoistische Gene“ an ihre Nachkommen weiterzugeben, verwurzelt, wohl aber in der genetischen und biologischen Notwendigkeit einer liebevollen Bemutterung der Nachkommen. Die Art und Weise wie Männer als Babys und Kinder von ihrer Mutter umsorgt wurden, legt bereits weitgehend fest, ob und wie sie sich später väterlich Verhalten werden. Ohne Bemutterung gäbe es keine fürsorglichen Väter. Fehlt eine angemessene Bemutterung oder ist diese gar unzureichend, dann führt dies dazu, dass Männer eher nicht in der Lage sind, fürsorgliches Verhalten anzunehmen, welches notwendig ist, um als Erwachsener ein liebevoller Partner und Vater zu sein.

Väterliches Verhalten entstand, weil Männer, als auch Frauen, sich in Beziehung zu einer fürsorglichen Mutter und anderen Mitmenschen entwickelten. Allerdings, allein die Bemutterung reicht nicht aus, damit sich väterliches Verhalten durchsetzen kann. Wie wir bei den Säugetieren gesehen haben, gehört dazu auch die Möglichkeit der Väter, an der Versorgung und Aufzucht der Nachkommen beteiligt  zu sein. Denn, wie wir bereits feststellten, haben die meisten männlichen Säugetiere und Primaten, unabhängig von der Bemutterung während sie heranwuchsen, sehr wenig Kontakt zu ihren Jungen. Um diesen Kontakt Vätern  zu ermöglichen, müssen Männer und Frauen Beziehungen aufbauen, die sich nicht nur als sexuelle Partnerschaft definiert. Die Evolution der Menschheit brachte Individuen hervor, die zusammen arbeiteten und miteinander teilten. Es ist anzuzweifeln, dass sich das Teilen auf Nahrung und Besitz beschränkte. Vielmehr lebten  Menschen in der Gemeinschaft. Es ist natürlich für sie, sich um andere zu kümmern und sich für das Wohl anderer verantwortlich zu fühlen, so wie es Mütter tun, die ihre Kinder für lange Jahre umsorgen. Warum sollten Männer, als auch Frauen, sich nicht mit dieser Art des Miteinander identifizieren, es verinnerlichen, das fürsorgliche und liebevolle Verhalten ihrer Mütter, welches sie  ganz individuell von Anfang an genossen haben? Ingesamt ist es vorstellbar (basierend auf Zuwendung, Intimität und zärtlichem Instinkt der Mutter-Kind-Bindung), dass Mann und Frau sich als gegenseitig fürsorgendes Paar vereinten, lange bevor sich das Gehirn, wie wir es heute kennen, entwickelte. Die Paarbindung könnte als so natürlich für den Menschen verstanden werden, wie sie es für andere Arten auch ist.

Väterliches Verhalten bei allen Primaten resultiert also aus der selbst erlebten Fürsorge durch die eigene Mutter, während des Erwachsenwerdens und der Möglichkeit, sich dem eigenen Nachwuchs zuwenden zu können. Bei den Menschen kommt eine dritte Anforderung hinzu: die jeweilige Kultur muss väterliches Verhalten unterstützen. So wie die Kultur die väterliche Fürsorge unterstützen kann, so kann sie diese auch  unterbinden. Das letztere traf sicher auf die Geschichte der Kindheit in der westlichen Zivilisation zu, wo strenge und brutale Behandlung von Kindern, insbesondere von Vätern, als angemessenes Erziehungsmittel akzeptiert war (12).

Der fürsorgliche Vater war allgegenwärtig in allen Gesellschaften, die außerhalb der sogenannten zivilisierten existierten. Es ist anzunehmen, dass der fürsorgliche Vater Teil der prähistorischen Kulturen war, und dass er von Natur aus dafür so selbstverständlich gemacht ist, wie die fürsorgliche Mutter. Tatsächlich spekuliert Margret Mead, dass unsere „Geburt“ als Menschen begann, als der fürsorgliche Vater sich der Kleinstfamilie Mutter-Kind anschloss (13). Als wir noch in der natürlichen Welt lebten, passte sich der fürsorgliche Vater, sowohl den Bedürfnissen unserer Art an, als auch der Organisation innerhalb der Gruppe. Er war die Kreation seiner Mutter und durch seine Ähnlichkeit zu und seiner Identifikation mit ihr, hat er die Fürsorge seiner zukünftigen Partnerin für die gemeinsamen Kinder unterstützt , so wie es seine Eltern für ihn getan haben. Das menschliche Kind, anders als seine tierischen Verwandten, hatte zwei fürsorgliche Elternteile, nicht bloß einen. Das trifft nicht mehr zu, schaut man sich die Geschichte der Zivilisation an. Zivilisation brachte das Patriarchat mit sich, das die Beziehung von Frauen und Männern, Müttern und Kindern, Väter und Kindern, dramatisch veränderte. Immer noch hatten Kinder eine Mutter und einen Vater, aber im Maße, indem die natürliche Bemutterung sich veränderte oder ganz eliminiert wurde, wurde sie zu einem Relikt der Vergangenheit.

Da wir die natürliche Bemutterung der Kinder abschafften, geschah dasselbe mit der Fürsorge der Väter. Leidtragende dieser Entwicklung waren in erster Linie die Kinder. Statt von zwei liebevollen Elternteilen umsorgt zu werden, wachsen viele Kinder  ohne Liebe und Fürsorge auf.

 

Quellen zum Text:

1 G. D., Mitchell, "Paternalistic Behavior In Primates." in Perspectives on Animal Behavior. Ed. Gordon Bermant. Glenview, Il: Scott, Foresman, 1973.
2 It is difficult to ascertain fatherhood among the mammals, since females in heat frequently mate with many males. Therefore, it is best to speak of "paternal behavior" rather than "fathering" when discussing the relationship of males to the young.
3 Jeffrey Moussaieff Masson and Susan McCarthy. When Elephants Weep. New York: Delacorte Press, 1995.
4 Carrighar, Sally. Wild Heritage. Boston: Houghton Mifflin, 1968, page 84.
5 Carrighar, ibid.
6 Gary D.Mitchell, "Paternalistic Behavior in Primates." Psychological Bulletin, 1968 399-417.
7 Lloyd de Mause, The History of Childhood. New York: The Psychohistory Press, 1974.
8 Mead, ibid.
9 Mitchell, ibid
10 Mitchell, ibid.
11 Mead, Margaret. Male and Female. New York: William Morrow, 1967, 188-190.
12 Blankenhorn, David. Fatherless America. New York: Basic Books, 1995.
13 Blankenhorn, ibid.

Mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung von Karen Koevary, Tochter von James Kimmel Der Originaltext mit dem Titel: The Nurturing Father ist unter http:// www.naturalchild.org nachzulesen.

übersetzt aus dem Englischen von eulalie für Rabeneltern.org

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