Stillen und Intensivstation

Schon vor der Geburt stand für mich fest, dass ich mein Baby auf jeden Fall stillen möchte. Daher wählte ich als Geburtsort ein besonders stillfreundliches Krankenhaus aus. Schon bei der Anmeldung rund 6 Wochen vor der Entbindung kam ich in den Genuss einer kompetenten Stillberatung. Hierbei wurde das Stillen nach Bedarf empfohlen, verschiedene Stillpositionen anhand einer Puppe geübt und mit einigen Ammenmärchen (z.B. keinen Fruchtsaft trinken, nichts Blähendes essen etc.) aufgeräumt.

Die Geburt endete dann in einem sekundären Kaiserschnitt. Aufgrund einer Neugeboreneninfektion waren einige Untersuchungen und Eingriffe notwendig und der Säugling konnte erst rund 3 Stunden nach der Geburt angelegt werden. Da er zu schwach zum Saugen war, wurde das Kolostrum per Löffel zugeführt. Der Allgemeinzustand des Säuglings machte im Laufe des Tages die Verlegung auf eine Intensivstation notwendig. Da meine Entbindungsklinik keine Kinderintensivstation hat, wurde das Neugeborene zügig in die nächstgrößere Klinik verlegt. Der Milcheinschuss kam drei Tage nach der Geburt und so wurde der Säugling zunächst abwechselnd vom Vater und dem Pflegepersonal mit HA-Pre-Nahrung gefüttert. Ich selbst konnte leider noch nicht aufstehen und zur Klinik fahren. Vom Pflegepersonal der Wöchnerinnenstation wurde ich jedoch zügig in den Gebrauch einer elektrischen Milchpumpe eingewiesen und zum Abpumpen alle drei Stunden (auch nachts) ermutigt.

Am zweiten Lebenstag des Säuglings machte eine Darmverschlingung die nächtliche Notoperation in der nächstgelegenen Uniklinik notwendig. Nach der Operation, bei der ein Anus praeter gelegt wurde, wurde der Säugling auf der Intensivstation per Infusion ernährt. Sobald Sedierung und künstliche Beatmung nicht mehr notwendig waren (nach zwei Tagen), wurde meine abgepumpte Milch per Magensonde zugeführt. Da ich noch in der Entbindungsklinik lag, sammelte ich die abgepumpte Milch in sterilen Bechern und lagerte sie in dem kleinen Kühlschrank unseres Familienzimmers. Sobald wir dann im Laufe des Tages mit dem Taxi zur Uniklinik fuhren, nahm ich die Milch in einer von der Intensivstation geliehenen Kühltasche (Pfand 20 Euro) mit.

Auf der Intensivstation wurde mir nochmals sehr freundlich das Abpumpen erklärt. In einem speziell dafür vorgesehenen Zimmer gab es sterile Einmalsets und elektrische Pumpen. Wichtig vor dem Gebrauch des Geräts war die gründliche Reinigung der Hände (Desinfektionsmittel) und der Brustwarzen (sterilisiertes Wasser), um die Ausbreitung von Keimen u.ä. so minimal wie möglich zu halten. Die Becher mit der abgepumpten Milch mussten mit dem Namen des Patienten sowie Datum und Uhrzeit versehen werden. Die Milch wurde sodann zeitnah in den Kühlschrank der Intensivstation eingelagert.

Nach etwa 5 Tagen konnte ich den Säugling das erste Mal anlegen. Trotz des intensiven Einsatzes von Schnullern und der Gewöhnung an die Flasche, gab es keinerlei Probleme mit Saugverwirrung, Trinkschwäche o.ä. Ab diesem Moment stillte ich so oft wie möglich. Wenn ich nicht da war, bekam der Säugling meine Milch weiterhin aus der Flasche. Nur wenige Male war er zu müde, um seine Ration ganz zu trinken und wurde dann sondiert.

Sobald sich der Zustand des Säuglings stabilisiert hatte, wurden wir nach einer Woche auf die normale Säuglingsstation verlegt. Hier wurde das Prinzip aus Stillen und Abpumpen fortgeführt. Schwierigkeiten bereiteten mir und dem Säugling lediglich der der Krankenhausroutine geschuldete 4-Stunden-Rhythmus sowie die Tatsache, dass ich immer nur bestimmte Mengen stillen durfte, die nur langsam gesteigert werden konnten. Vor und nach jedem Stillen/Füttern musste der Säugling gewogen werden. Ich hatte recht schnell ein Gefühl dafür, wieviel er in welcher Zeit an meiner Brust trank und so spielte sich das Stillen den Umständen entsprechend gut ein.

Das Abpumpen zu Hause nahm ich mit einer Handpumpe vor und es klappte sehr gut. Zu diesem Zweck bekam ich von der Station jeden Tag zwei Glasflaschen (à 200 ml) mit, die ich am nächsten Morgen fast voll gefüllt wieder als Vorrat mitbringen konnte. Das Abpumpen auf der Station gestaltete sich mitunter schwierig, da manchmal alle Pumpen besetzt waren, ich länger als erwartet auf die Visite warten musste oder der Säugling sich lange Zeit nicht beruhigen ließ und ich ihn somit nicht für eine halbe Stunde alleine lassen konnte.

Nach der zweiten Operation, bei der der Anus praeter rückgängig gemacht wurde, durfte der Säugling 3 Tage nicht gefüttert werden und bekam die nötigen Nährstoffe per Infusion zugeführt. Nach diesen drei Tagen fingen wir erstmal mit der Flasche an, da zunächst nur 10 ml gegeben werden durften. Die Milchmenge steigerte sich innerhalb einer Woche recht schnell wieder auf etwa 150 ml und auch das Stillen konnte ohne große Probleme fortgesetzt werden. Generell hatte der Säugling kein Problem mit dem Wechsel zwischen Brust und Flasche. Auch der Einsatz verschiedener Schnuller- und Flaschensaugergrößen war unproblematisch.

Nach rund zwei Monaten konnten wir die Klinik mit einem gesunden Baby verlassen. Mittlerweile ist mein Sohn 8 Monate alt und wird nach wir vor nach Bedarf gestillt.

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