Tandemstillen nach Relaktation des größeren Kindes

Tja, wie fängt man an mit so einem verwirrend scheinenden Erfahrungsbericht?

Vielleicht so:
Ich wurde zum zweiten Mal schwanger, da war mein Kleiner gerade mal 7 Monate alt - und stillte noch nahezu voll. (Soviel zur empfängnisverhütenden Wirkung)...

Er stillte die ganze Schwangerschaft munter weiter und brachte mich manchmal an den Rand der Verzweiflung, denn er war das, was ich einen Marathonstiller nenne. Wurde ich manchmal gefragt, wie oft er denn nachts so stille, konnte ich mit ruhigem Gewissen sagen „einmal“, verschweigend, dass er beim Einschlafen andockte und manchmal so gut wie nicht mehr losließ. Mehr als 2-3 Stunden hatte ich seit seiner Geburt noch nie wieder geschlafen, und so sehr ich das Stillen liebe, es lag am Stillen. Also war ich im 6. Monat so erschöpft, dass ich zusammenbrach und erst mal ins Krankenhaus an den Tropf durfte. Dort hatte ich allerdings schon verstanden, dass Stillen mir eigentlich mehr half als hinderte. Nur wenn er stillte, konnte ich mich auch mal hinlegen. Welcher Einjährige legt sich sonst einfach so mit seiner Mama hin? Die Ärzte schoben es natürlich auf das an mir zehrende Stillen... Überhaupt schoben sie jedes noch so Miniproblemchen (die wohl alle Schwangeren haben) auf mein Stillen in der Schwangerschaft... Aber ich blieb stark - und stillte weiter. Obwohl sie gesondert mit meinem Mann und meiner Mutter sprachen wie schädlich das Stillen jetzt für mich sei. Recht gab ich ihnen nur in soweit, als dass mein Schlafdefizit mich wirklich auffraß und ich mich tagsüber kaum in der Lage fühlte auf meinen Kleinen aufzupassen. Somit versuchte ich nachts abzustillen. Scheiterte natürlich kläglich.

Als ich im 7.Monat war, stand unser „Umzug“ in die USA an. An dieser Stelle füge ich mal einfach den Teil eines damals geschriebenen Postings ein, verschafft glaube ich den besten Eindruck:


Die Krönung war dann der Stress, der mit Amerika verbunden war. Ich war so am Ende (körperlich und psychisch) wie noch nie in meinem Leben. SARS brach eine Woche vor Rückflug direkt bei uns in der Nähe aus, Alarmstufe orange - der Krieg war im Gange, man wollte uns keine Krankenversicherung mehr gewähren, Probleme mit der Familie und und und...

Ja, dann noch die üblichen Hormonschwankungen nach einer Geburt - ES WAR ZU VIEL.

Mein Mann beschloss, ich könne so keine zwei Kinder und mich selbst ernähren - und gab mir einen Schubs ihn abzustillen. Am Tag der Geburt seines kleinen Bruders.

Halt, Stopp - nein ich bin sonst absolut nicht "hörig" - aber in der Situation war es wirklich nahe liegend. Das sehe ich vom Kopf mit Abstand auch noch so. Aber mein schlechtes Gewissen nagt an mir.

Denn seither hat er so eine Trinklernflasche (kannte er vorher gar nicht) - und die ist inzwischen der Allesheiler. Nachts wird getrunken, Müdigkeit wird weggetrunken, Aua sowieso. Seit ein paar Tagen geht trinken nur noch in Kombination mit Hand an Mamas Bauch - und zwar obsessiv.

Da er sehr schlecht isst, habe ich schon überlegt wieder zu stillen, aber so richtig vorstellen kann ich’s mir dann nicht mehr allzu lange, da ich aber den Kleinen (für den Stillen tatsächlich fast nur als Sache zum Zweck dient) bestimmt noch ein Jahr stille, müsste ich ihn dann wieder eher abgewöhnen, was ja schlimm wäre... Und dann sieht das aus, als sei es böse Absicht gewesen ihn so lange nicht zu stillen. Oder übertrag ich einfach meine Gefühle auf ihn?? Mit stillen hatte ich wirklich keine Probleme, aber jetzt denke ich oft, was er sich da aneignet kann doch nicht gut sein – Trinken als Lösung für alles.

So, bis dahin mal das Posting. Zwei Seelen kämpften in meiner Brust. Ganz tief in meinem Herzen wollte ich ihn wieder stillen. Aber so vieles (u.a. mein Mann) sprach dagegen. Bis dann eines Tages die Wandlung geschah (am besten zu verstehen, denke ich, wieder über ein Posting)


Hallo,
hatte ja vor einiger Zeit mal erzählt, dass ich meinen "Grossen" genau am Tag der Geburt seines Bruders abgestillt habe (da war er 16 Monate alt). Habe es getan, weil ich glaubte, körperlich einfach nicht in der Lage gewesen zu sein, Tandem zu stillen. Hatte sehr viel Stress (Umzug von USA nach Deutschland, nur ein Beispiel), andererseits hab ich es immer wieder bereut. Hatte aber auch immer Angst wieder einfach zu stillen, weil er nachts oft dauergestillt hat, und ich ja jetzt nachts noch ein Neugeborenes 4-6 mal stillen durfte. Und dann immer diese Gedanken, wie er sich fühlt, wenn er es auf einmal wieder darf - als hätte ich ihn nur hingehalten...

Dann war es aber so, dass er seit Amerika immer schlechte Eisenwerte hatte. Eine Erkältung jagte die nächste. Mein Mann war bisher absolut dagegen ihn wieder zu stillen. Dann stolperte ich über Berichte im Internet, dass man mit Muttermilch diverse Krankheiten heilen könnte. Und siehe da - mit meinem Gewissen war plötzlich alles vereinbar. Wenn es um seine Gesundheit geht, und ich eine eventuelle Lösung so einfach zur Hand habe (zumindest ist es einen Versuch wert), wäre es ja nahezu unverantwortlich sie nicht zu nutzen. Diesen Grund konnte selbst mein Mann nicht abweisen.

Somit fragte ich meinen Kleinen eines abends einfach (oder fragte er mich?? er fragte immer mal zwischendurch - so süß "darf ich mama-trinken?“). Als er durfte - er hatte 1 Jahr nicht mehr getrunken - guckte er mich an als hätte ich mich in eine Kuh verwandelt( ja, ja in seine Milchkuh) - dann trank er ganz vorsichtig. Ein paar Tage später ging er zu seinem Bruder (der jetzt übrigens 1 Jahr ist) und verkündete, dass mama-trinken alle sei. Ich wusste nie, ob er was rausbekam, da er teilweise nicht richtig saugte). Jetzt scheint es besser zu klappen. Die ersten Male sagte er ganz angetan: "das ist gerne lecker". Was er noch nie zu irgendwas gesagt hat.

Und das beste - weiß der kuckuck warum - aber nach 1 Jahr schlechter Werte ist sein Eisenwert wieder okay. Schwarz auf Weiß - leider weiß der Arzt nichts von unserer Stillaktion. Und das, obwohl wir das Eisen abgesetzt haben.

Abstillen wurde bis auf weiteres vertagt. Und nachts hat er bisher nicht einmal danach verlangt.


So, bis dahin das Posting.
Heute, ca. 1 Monat nach „Stillstart“ ist es so, dass er selten mal zum Einschlafen stillt. Nachts gar nicht. Manchmal trinken beide gleichzeitig, mal trinkt er 1-2 Tage gar nicht. Hab das Gefühl, dass die Beziehung meiner beiden untereinander harmonischer ist, seitdem gnadenlos alles geteilt wird. Auch wenn der Kleine manchmal noch meint SEIN „Revier“ verteidigen zu müssen...

Außerdem stille ich ihn nur, wenn wir Zuhause sind. Aber alles in allem passt es so ganz gut.

Stillende? Erst mal nicht in Sicht.



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