Stillen, wenn schon Geschwister da sind

Als unsere Große geboren wurde, hab ich mir über das Stillen gar keine Sorgen gemacht, ich wusste, dass ich auf jeden Fall stillen werde und dem stand eigentlich nichts im Wege. Dann wurde ich zweiten Mal schwanger, da war aber die Große schon fast 7 Jahre alt und ich konnte ihr erklären, wie wichtig Stillen für das Baby ist und dass wir beide, besonders am Anfang, während des Stillens Ruhe brauchen. Unser Maxim war aber so ein unkompliziertes Baby, dass wir schon nach 2 Wochen überall stillen konnten, ihn hat nichts gestört, Hauptsache, er bekommt seine Milch. Auch Gabi kam mit der Situation ziemlich schnell zu recht, und obwohl sie im Allgemeinen sehr eifersüchtig auf ihren kleinen Bruder reagierte, hat sie beim Stillen nie gestört. Sie hat meistens dabei gesessen und ihre Sachen erledigt: Hausaufgaben gemacht, gemalt, gelesen und manchmal auch ihre Puppe gestillt. Ich war wirklich erleichtert, denn jeder versuchte mir einzureden, dass es mit dem Stillen sehr kompliziert werde könnte, dass die Große „diese innige Zweisamkeit nicht zulassen wird“ etc.

Noch schlimmer wurde es mit dem Umfeld, als ich mit unserem dritten Kind schwanger wurde, da war Maxim erst neun Monate alt und stillte immer noch. Ich bekam totale Panik, dass ich mit zwei so kleinen Kindern nichts schaffen werde, jedes Mal, wenn ich an unser Leben zu fünft dachte, bekam ich Schweißausbrüche … Nur mit einer Sache war ich mir sicher: auch dieses Baby wird gestillt. Um uns einen guten Start zu erschaffen, habe ich angefangen, Infos zu sammeln. Ich las im Internet, in Elternzeitschriften, ich redete mit erfahrenen Müttern und überall stand eigentlich nur das eine: es wird schwierig, man muss unbedingt das größere Kind ablenken, um eine ruhige Atmosphäre fürs Stillen vorzubereiten, ich sollte eine „Still“-Spielkiste anschaffen, ich sollte besonders hübsche Bücher bereit legen, damit Maxim sich beschäftigen kann, während ich sein Geschwisterchen stille. Als ich die ganzen Informationen verdaut und mir meinen Sohn angeschaut hatte, wusste ich, das wäre nicht unser Weg. Ich habe mir überlegt, wie ich mit Maxim umgehen sollte, damit er ohne Eifersucht auf das Stillen reagiert. Zum Zeitpunkt von Felix Geburt war Maxim schon längst abgestillt, also das „Problem“ des Teilens hatte ich nicht, aber alles andere stand uns noch bevor …

Wir haben letztendlich nichts gemacht, Maxim hat schon in der Klinik gesehen, dass ich Felix stille, wir haben ihm erklärt, dass das Baby Hunger hat und dass es Mamas Milch braucht. Es hat Maxim nicht weiter interessiert. Er ist nur durch das Zimmer geflitzt und hat versucht sämtliche Steckdosen und Lichtschalter zu untersuchen, Blumen meiner Zimmernachbarin aus der Vase zu pflücken und lauter solche Sachen zu machen. Als wir nach Hause kamen, hatte ich in den ersten drei Wochen eine tolle Unterstützung von meiner Schwiegermutter und ihrer Schwester bekommen, sie haben sich umgehend um Maxim gekümmert, damit er sich nicht vergessen vorkam. Aber dann war ich mit meinen drei Kindern auf einmal alleine. Ich werde diesen Tag nie vergessen: mein Mann ging zur Arbeit, dann hab ich die Große zur Schule geschickt und stand da mit einem schreienden Baby und sich langweilendem Kleinkind von 19 Monaten. Mein erster Gedanke war „ich will meine Schwiegermama zurück“, aber dann hab ich tief Luft geholt, mich mit beiden ins Kinderzimmer auf den Boden gesetzt, Legosteine rausgeholt und es ging dann los: Felix angelegt, mit der anderen Hand Türme gebaut, dann Bücher gelesen, den „Großen“ gestreichelt, sogar tanzen beim Stillen konnte ich nach einer Weile. Maxim hat sich sehr schnell an die Situation gewöhnt und er war nie eifersüchtig. Felix ist jetzt 13 Monate alt und wird immer noch gestillt. Es ist schon öfters vorgekommen, dass Maxim zu mir kommt und sagt: „Felix weint – stillen.“ Dann steht er dabei und küsst seinen Bruder, während der Kleine stillt oder hält ihm die Händchen.

Es wundert euch vielleicht, dass ich im zweiten Teil meiner Geschichte Gabi nicht mehr erwähne, aber sie war dann schon 8 Jahre alt und kannte die Situation. Für sie war es genauso selbstverständlich wie für mich und meinen Mann, dass Felix gestillt wird.

Es gibt viele Wege, wie man sich das Stillen mit zwei kleinen Kindern erleichtert. Wir haben den richtigen für uns gefunden, indem wir gar keinen Aufstand darum gemacht haben und es so natürlich wie möglich gemacht hatten. Dabei spielte Maxims Charakter natürlich eine sehr große Rolle, hätte er auf sein Brüderchen mit Eifersucht reagiert, dann hätten wir andere Möglichkeiten ausprobiert.



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