Manchmal geht es auch langsam

Es ist schon witzig, wie man sich im Leben so verändert, nicht wahr? Wenn ich manchmal mein Leben vor meinem inneren Auge passieren lasse, dann muss ich selbst manchmal staunen…

Als ich vor 11 Jahren meine Große bekam, stillte ich sie zwar aus Überzeugung, aber nicht wirklich leidenschaftlich. Ich wusste, Stillen muss sein und am besten das ganze erste Lebensjahr. Nun ja, es war mein erstes Kind und ich war gar nicht selbstbewusst: habe alles so gemacht „wie es richtig ist“, sprich: alle drei Stunden anlegen, zwischendurch Wasser geben; mit zwei Monaten bekam Gabi, wie es in Russland üblich ist, Apfelsaft; mit 4 Monaten? Eigelb mit Milch verrührt und Breie mit Vollmilch gekocht. Mit 7 Monaten wurde sie wegen gewisser Umstände abgestillt.

Dann sind wir nach Deutschland gekommen und mein Mann hat mich zum zweiten Kind überredet. Und nach fast zwei Jahren Warten wurde ich schwanger. Noch in der Schwangerschaft habe ich mich entschlossen, mein zweites Baby 6 Monate voll zu stillen. Maxim bekam aber auch Wasser zwischendurch und einen 3-Stunden-Rhythmus hatten wir auch, aber er ging eigentlich von Maxim aus. Mit 6 Monaten habe ich angefangen, Maxim Beikost zu geben und so haben wir nach und nach fast alle Tagesmahlzeiten ersetzt. Denn ich wusste nicht, dass man auch trotz Beikost munter weiter stillen kann. So blöd war ich! Na ja, wenigstens morgens, abends und nachts hat Maxim gestillt… Aber er wachte ungefähr 3 Mal pro Nacht auf und alle haben mir gesagt, dass liege nur daran, dass er nachts Hunger hat, und ich hab´s geglaubt. So bekam er zusätzlich zum Stillen noch 80-100ml Flaschenmilch bevor ich ins Bett ging. Seitdem wachte er „nur“ 1-2 Mal auf. Vielleicht hätte mich das doch zum Nachdenken gebracht, wenn es mir plötzlich nicht so schlecht gegangen wäre. Und dann kamen eines Tages noch Probleme mit dem Stillen hinzu. Es gab nur noch Kampf an der Brust, Maxim wehrte sich mit Händen und Füßen, wenn ich ihn anlegen wollte. Nach einer Woche habe ich aufgegeben und noch ein paar Wochen später stellte mein Frauenarzt eine erneute Schwangerschaft fest.

Als Felix geboren wurde, war Maxim 18 Mon. alt. Natürlich machte ich mir in der Schwangerschaft Gedanken, wie es mit dem Stillen klappen würde, aber Maxim war auf seinen kleinen Bruder nicht eifersüchtig. Einmal wollte er sogar selbst Felix stillen. Es war so süß: Wir lagen zu dritt auf dem Bett, weil Maxim seinen Nachmittagsschlaf machen sollte. Felix fing an zu weinen und Maxim hat sein T-Shirt hochgezogen und sagte „Tim Baby amam“ (=Maxim gibt dem Baby zum Essen). Felix war seit seiner Geburt ein Schreikind, er schrie tags und nachts. Es gab Tage, da konnten wir nicht mal aus der Wohnung rausgehen. Es war sehr schlimm und ich danke allen Göttern, die es gibt, dass ich ihn stillen konnte und genug Kraft hatte, ihn zu tragen und zu trösten. Das war die einzige Möglichkeit, Felix einigermaßen ruhig zu stellen (besonders nachts). Dass da kein Rhythmus drin war, brauche ich wohl nicht zu erwähnen *zwinker*. Felix stillte viel und immer ausgiebig. Und  ich habe zum Glück  inzwischen dazugelernt. Es gab nicht nur keinen Rhythmus, es gab auch kein Wasser zwischendurch, es gab keine Folgemilch, auch wenn Felix nachts öfters alle 30 Minuten an die Brust wollte. Beikost habe ich ihm angeboten, als er 6 Mon. alt war, aber davon wollte er nichts wissen. Und so habe ich Felix 11 Monate voll gestillt. Mit 14 Monaten hat er angefangen, mehr an Beikost zu essen und ab diesem Zeitpunkt habe ich aufgehört, ihm die Brust tagsüber von mir aus anzubieten.

Als Felix ungefähr ein Jahr alt war, begann ich, über noch ein Kind nachzudenken. Nach einigen Gesprächen mit meinem Mann wurde mir klar, dass wir uns entweder gleich an die Sache ran machen oder es ganz sein lassen sollen. Und wie das Schicksal es wollte, wurde ich beim ersten Versuch schwanger. Das Stillen wurde unangenehm, aber wir brauchten das beide: Felix, weil er das Stillen so liebte und ich als Möglichkeit Felix zu beruhigen und überhaupt konnte ich ihn einfach nicht abstillen… Hätte mir das jemand ein paar Jahre zuvor gesagt, dass ich schwanger stillen werde, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt… Alle rieten mir zum Abstillen: die Hebamme (die vom Stillen eigentlich keine Ahnung hatte), der Frauenarzt, die Familie (außer meinem Mann), die Freunde. Inzwischen war ich aber sehr selbstbewusst und meines Handelns sicher; es war nicht schwer gegen „ihre“ Argumente zu kontern. Felix hat sich mit 18 Monaten und 17 Tagen von der Brust buchstäblich verabschiedet: Er hat in der Nacht wieder mal sehr oft gestillt, dann nach dem Aufwachweinen griff er wieder nach der Brust, stillte wirklich genüsslich und ließ dann los, hat sich die Brust angeschaut, ihr zugewunken und „Tschüß. Alle.“ gesagt. Danach hat er sich umgedreht, ist vom Bett runter und wollte nie wieder stillen. Ich fand diesen Abschied richtig schön.

Nach Vanessas Geburt trank Felix am Anfang noch gerne seinen „Kakao“ (ausgestrichene Muttermilch), aber dann wollte er auch das nicht mehr. Unser Sonnenschein Vanessa ist jetzt 9 Monate alt, wird immer noch nach ihrem Bedarf vollgestillt. Keine Ahnung, wie lange ich sie noch stillen werde. Ist mir auch egal, Hauptsache sie ist glücklich und ich habe weniger Arbeit *wieder zwinker*.

So langsam *seufz* aber sicher wird man auch zum Stillprofi ;)

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