Abstill-Bericht

Gabriel hatte sich während meiner Schwangerschaft so knapp vor der Hälfte (17./18. Woche) beinahe abgestillt (vorher trank er immer zum Einschlafen, also vor allem am Abend und - wenn er nicht bei der Tagesmutter war - mittags sowie in seltenen anderen Fällen). Das war so zu seinem 3.Geburtstag. Wir beide fuhren kurz danach in eine große Kurklinik zur Mutter-Kind-Kur, die sich zu einem Albtraum entwickeln sollte. Er ging dort zum ersten Mal in einen Kindergarten und war gerade so ein bisschen eingewöhnt, da bekam er nach einer Woche hohes Fieber. Dieses Fieber dauerte an, bis wir wieder nach Hause fuhren, also zwei Wochen (es stellte sich später heraus, dass es sich um eine tief sitzende Lungenentzündung handelte, die nur durch Röntgen zu entdecken war). In dieser Zeit hat er wieder angefangen, regelmäßig zu stillen. Dabei blieb es dann auch nach seiner Gesundung.

Nach der Geburt musste er ja ein paar Tage Pause machen, weil ich im Krankenhaus war. Als ich zurückkehrte, wollte er zuerst nicht trinken, und als er das erste Mal probierte, verzog er den Mund und sagte: "Iiih, das schmeckt ja nach Kacki!". Einige Tage später hat er es sich aber wieder anderes überlegt und es hat ihm doch wieder geschmeckt. Leider war es für mich sehr problematisch, Tandem zu stillen, weil Gabriel partout immer dann stillen wollte, wenn das Baby dran war, vor allem natürlich abends zum Einschlafen (sie schliefen ungefähr zur selben Zeit ein). Die Dauer seiner "Stillsessions" verlängerte sich auch. Ich fühlte mich zusehends genervt und innerlich unruhig, zumal er bald eine heftige Eifersucht auf das Baby entwickelte und ich innerhalb von etwa einem Monat das dritte Mal eine schwere Angina hatte. Als mir beim dritten Mal sogar das Atmen wehtat, vom Essen, Trinken und Sprechen ganz zu schweigen, ging ich endlich zum Arzt und erhielt ein Antibiotikum verschrieben. (Der Hals war fast vollständig zugeschwollen.) Das habe ich dazu benutzt, um Gabriel zum Abstillen zu drängen. Man kann ruhig sagen: zu zwingen.

Er war an dem Abend mit seinem Vater unterwegs und als sie nach Hause kamen und er sein "Ani-ani" wollte, erklärte ich ihm, dass ich jetzt dieses Medikament nehmen müsse, weil ich solche Schmerzen hätte. Leider habe das Medikament Nebenwirkungen (schlimmes Bauchweh und Durchfall) und ich wolle nicht, dass auch er krank würde. Das Baby könne ja leider noch nichts anderes zu sich nehmen, er aber schon und darum dürfe er jetzt solange nicht stillen, wie ich die Medikamente nehme. Da war er natürlich fassungslos und sein Kummer groß. Er hat zwei Stunden lang geweint und versucht, mich doch zu überzeugen, aber ich bin hart geblieben (in der Sache meine ich), habe versucht, ihn zu trösten - und schließlich ist er doch in meinen Armen eingeschlafen. Diese zwei Stunden waren sehr schlimm, auch für mich! Am nächsten Tag fragte er mehrfach, wann er wieder Ani-ani dürfe und auch am übernächsten Tag und dem Tag darauf. Dann wurden seine Fragen seltener und seltener, bis er schließlich nach 2-3 Wochen zu fragen aufhörte. Er äußerte später ein paar Mal den Wunsch, zu probieren, aber es war wohl nicht ganz ernst gemeint, denn tatsächlich getrunken hat er nicht. Einmal hat er versucht zu nuckeln, aber es hat nicht mehr funktioniert, er hatte es schon verlernt. Beim Abstillen war er 3 Jahre und 8 Monate alt. Gabriel erinnert sich an das Stillen, ich weiß aber nicht, wie intensiv diese Erinnerungen sind. Einmal habe ich mit ihm über das Ende unserer gemeinsamen Stillzeit gesprochen und er hat geweint, als ich ihm von seinem Kummer damals erzählt habe. Ich glaube, es war notwendig, einmal darüber zu sprechen. Denn für ihn war es nun mal kein glückliches Ende (für mich auch nicht!) und das auszusprechen und seinen neuerlichen Kummer darüber zu trösten, tat wohl not.

Übrigens habe ich das forcierte Abstillen später bereut, weil seine Eifersucht dadurch eher noch schlimmer wurde. Aber damals sah ich einfach keinen anderen Weg, ich war am Ende meiner Kräfte.

Nach dieser unerfreulichen Erfahrung war mir aber ein glückliches Ende meiner zweiten Stillzeit vergönnt. Ivo hat von meiner durch die Erfahrung erworbenen Gelassenheit beim Stillen profitiert und seine Bedürfnisse auch immer sehr deutlich angemeldet. Im Gegensatz zu seinem Bruder ließ er sich häufig nicht vertrösten und brachte mich so dazu, ihn auch als  größeres Stillkind in der Öffentlichkeit zu stillen. Im letzten Jahr unserer Stillzeit beschränkte er sich dann meist auf das morgendliche und das Einschlafstillen, bis auch das immer öfter ausfiel und schließlich irgendwann im letzten Dezember ganz aufhörte. So weiß ich gar nicht genau, wann er zuletzt gestillt hat. Ivo war 3 Jahre und 9 Monate alt, als er sich abstillte.



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