Brief an meine Tochter und Rückblende

19.4., 5.45 Uhr, Wochenstation, knapp 31 Stunden nach der Geburt

Meine Kleine, jetzt habe ich Dich schon sieben Stunden nicht mehr gesehen. Habe schlecht geschlafen, aber was will man in einer solchen Situation erwarten?

Wärst Du bei mir, könnte ich wohl auch nicht viel besser schlafen, weil Du Deinen Hunger gestillt haben willst, ich jedoch noch keine Milch habe. Ich hoffe, ich kann meine Milchbildung schnell in Gang bringen, damit Du Deine Dir zustehende Muttermilch bekommst. Ich pumpe auch schon fleißig, aber es kommt noch kaum was.

Unser „Nachbarbaby“, am selben Tag geboren wie Du, schreit schon die ganze Zeit. Es ist nicht leicht für solch frisch gebackene Mütter, wenn der Milcheinschuss einige Zeit auf sich warten lässt. Die Schwestern bringen den Müttern hier kleine Nuckelflaschen mit Wasser oder wahlweise Glukoselösung. Dir habe ich an Deinem ersten Tag aus Unwissenheit und Verzweiflung auch so eine Flasche gegeben, aber viel hast Du daraus nicht getrunken. Wenn diese ersten Tage erst mal vorbei sind, wird es hoffentlich mit dem Stillen noch klappen. Wie wird es wohl für uns weitergehen?


14.30 Uhr

Ich war gerade bei Dir in der anderen Klinik, habe ganz viel mit Dir gekuschelt. Du bist so niedlich. Hast viel getrunken, wenn auch leider keine Muttermilch (da ist immer noch nichts außer ein paar Tropfen Vormilch), sondern diese künstliche Milchnahrung. Sobald beim Abpumpen mehr kommt, bringe ich es Dir, auch wenn es nur ein paar Milliliter sind. Muttermilch ist schließlich die beste Medizin, hab ich gelernt. Und die brauchst Du ja gerade.


23.50 Uhr

Das Milch Abpumpen klappt immer besser. Heute mittag kamen 2 ml, gerade eben waren es schon ganze 10 ml!

Außerdem sind meine Brüste ein wenig heiß, was wohl bedeutet, dass der Milcheinschuss „im Anmarsch“ ist. Wäre ja toll.

Morgen gehe ich nach Hause. Was soll ich noch hier in der Klinik ohne Dich? Ich möchte soviel wie möglich bei Dir sein. Je mehr ich bei Dir bin, desto weniger fremde Hände fassen Dich an, desto weniger wirst Du von mir entwöhnt. Ich möchte, dass Du weißt, wer Deine Mama ist. Nicht, dass Du denkst, es sei normal, alle paar Stunden von einer anderen Person betreut zu werden. Ich habe Dich so lieb.


Rückblick:

Trotz einiger Hindernisse (Pendeln zwischen zwei Kliniken, später Klinik und zu Hause, Abpumpen, langer Still- bzw. Pumppausen, Flaschensauger, Schnuller, Stress für Mutter und Kind, ...) klappte das Stillen bei uns sehr gut. Ich war größtenteils auf mich allein gestellt. Ganz zu Anfang in der Entbindungsklinik half mir eine „Still-Hebamme“ beim Anlegen und man zeigte mir das richtige Abpumpen.

Doch wäre die Initiative zum Abpumpen und Stillen nicht von mir ausgegangen, hätte mich wohl keiner dazu gebracht, denn vom Personal her kam da keine Anregung. Ich war in den ersten Tagen psychisch so dermaßen neben mir, weil mir alles viel zu schnell ging, ich die Geburt noch nicht annähernd verarbeitet hatte, meine Tochter und ich getrennt wurden, ich nicht wusste, wo mir der Kopf stand... Und trotzdem, es hat irgendwie geklappt. Ich hatte natürlich auch wunde Brustwarzen, einfach, weil das Saugen und Abpumpen etwas völlig Neues für die empfindliche Haut war. Mit dem Wollwachs, das man mir in der Klinik mit nach Hause gegeben hatte, wurde es aber schnell besser.

Meine Tochter kam glücklicherweise gut mit dem Wechsel zwischen Brust und Flasche (nachts) zurecht.

Sie war insgesamt eine Woche von mir getrennt.

Zu Hause hatten wir Wochen später einmal eine Situation, in der mein Milchspendereflex aus irgend einem Grund blockiert wurde. Ich rief meine Hebamme an, die mir aber nicht wirklich weiterhelfen konnte und fand schließlich Rat in einem Internet-Stillforum. Die Tipps der anderen Mütter haben mir sehr gut geholfen. Und genau diese Mütter sind heute hier bei den Rabeneltern zu finden.

Seitdem hatten wir glücklicherweise nie wieder Probleme mit dem Stillen und genießen es auch heute noch, oder gar umso mehr.

Weitere Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihren Besuch möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Durch die weitere Nutzung stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen Ok