Jeden (Still-)Tag genießen

Schon in der Kinderwunschzeit war mir klar, dass ich unser zukünftiges Kind auf jeden Fall stillen wollte, nicht zuletzt weil ich selbst nur kurz gestillt wurde und mit Allergien, Asthma und Neurodermitis zu kämpfen hatte. Ich informierte mich also ausführlich über Literatur und einschlägige Foren und fühlte mich schon als halbe Stillberaterin, bevor ich überhaupt schwanger wurde.

Als ich dann schwanger war kam es mir nie in den Sinn, dass es mit dem Stillen irgendwelche Probleme geben könnte..

Im ersten Trimester wurde bei mir allerdings eine seltene Herzerkrankung festgestellt, die mit Betablockern behandelt werden muss. Anfangs handelte es sich um ein stillverträgliches Medikament, doch um die 32. Woche herum wurde ich auf eins umgestellt, dass zu über 20% in die Milch übergeht und damit nicht zum Stillen geeignet ist. Ich kämpfte mit Händen und Füßen dafür, dass ich nach der Geburt auf eine stillverträgliche Variante umgestellt würde, doch mein behandelnder Kardiologieprofessor konnte den Sinn des Stillens überhaupt nicht nachvollziehen und stellte sich vollkommen quer. Ich kam mir wie ein trotziges Kind vor, aber gab nicht nach und kurz vor dem geplanten Kaiserschnitt (auch wegen des Herzens und den damit verbundenen potenziellen Risiken unter der Geburt) erklärte er sich dann doch noch bereit, mich 2-3 Tage nach der Geburt umzustellen.

Nun ist das natürlich auch nicht ideal: Kaiserschnittentbindung und dann erst 3 Tage danach mit dem Stillen anfangen, aber ich war fest entschlossen es zu schaffen. Denise Both brachte mich hier vor Ort (ich lebe nicht in Europa) mit einer kompetenten Stillberaterin zusammen, die mir gleich am ersten Tag zeigte, wie ich schon mal Kolostrum zur Anregung der Milchproduktion ausstreichen kann und Hilfe versprach, sollte es nicht klappen. Am lang ersehnten 3. Tag nach der Geburt wurde es dann trotzdem ein ziemlicher Kampf: Ich hatte einen heftigen Milcheinschuss, meine Brüste quollen über und meine winzige Tochter hatte keine Ahnung was sie damit soll. Sie war hungrig, schrie die Brust an, ich tropfte wie ein Wasserhahn und gab ihr letztlich doch wieder die Flasche, weil es mir das Herz brach, sie so kämpfen zu sehen. Leider war genau zu diesem Zeitpunkt - es war Wochenende - weit und breit keine Stillberaterin verfügbar und ich völlig auf mich alleine gestellt, aber ich probierte es danach immer wieder und hatte am Abend den ersten Durchbruch: Sie dockte an und trank eine Seite komplett leer. Ich war so glücklich und stolz auf die Kampfmaus!

Am nächsten Tag wurden wir entlassen und zuhause klappte es dann langsam aber sicher immer besser. Zwar hatten wir eine zusätzliche Herausforderung aufgrund Mausens zu kurzem Zungenbändchen und immer wieder Schwierigkeiten beim Andocken wenn sie hungrig und ich zu "voll" war, aber wir stillten und die Kleine nahm zu. Allerdings hatte ich große Schmerzen bei jedem Stillen, die Brustwarzen waren schnell aufgerissen und blutig, und wir vermuteten, dass daran auch das Zungenbändchen schuld war.

Drei Wochen nach der Geburt war ich zur Beratung bei der netten Stillberaterin, die ganz begeistert über uns beide war, aber bei dem kurzen Zungenbändchen kaum fassen konnte, dass wir überhaupt vollstillen. Sie riet uns nachträglich dazu, das Zungenbändchen durchtrennen zu lassen (drei Kinderärzte hatten das Problem zuvor abgewiegelt...), was wir beherzigten und noch am selben Tag in die Tat umsetzten. Der Eingriff war blutig, aber harmlos, danach konnte ich die Maus sofort stillen und eine halbe Stunde später war die Sache vergessen. Zwar musste sich die Kleine technisch etwas umstellen - schließlich konnte sie plötzlich ihre Zunge richtig benutzen - aber nach ein paar Tagen klappte dann alles ganz prima.

Stillendes Baby

Zwei Jahre und drei Monate haben wir insgesamt gestillt, dann holte mich mein Herzproblem doch wieder ein: Ich musste erneut auf ein anderes Medikament umgestellt werden, bei dem Stillen nicht empfohlen ist, bzw. nur so wenig wie möglich. Daraufhin reduzierte ich zunächst die Stillmahlzeiten drastisch, indem ich jedesmal bis 10 zählte. Anfangs schien meine Tochter das auch ganz gut anzunehmen, aber es zeichnete sich schnell ab, dass wir beide das Stillen so nicht mehr so recht genießen konnten. Nach mehreren durchweinten Nächten schließlich, weil sie mehr wollte als *10*, fasste ich den schweren Entschluss, klare Verhältnisse zu schaffen und ganz abzustillen. Die ersten zwei Wochen waren hart, es brach mir fast das Herz, aber dann wurde es langsam besser, und es war für uns beide im Nachhinein richtig, einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

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