Judiths Schwangerschaftsgeschichte

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Bis es soweit war, war es dann doch schon 19.00 Uhr. Ich war völlig fertig. Nun hatte ich ja doch schon seit 18 Stunden Wehen – und immer noch kein Baby. Die Angst, dass es wieder keine normale Geburt werden würde, übermannte mich immer mehr. Als der Arzt die PDA legen wollte, stach er beim ersten Mal auch noch daneben – es war ein schreckliches Pieksen in meinem Rücken, und ich schrie ganz schrill – ich hörte mich selbst wie eine fremde Person. Mein Mann berichtete mir später, dass er in diesem Moment ganz schreckliche Angst bekommen hätte. Danach traf der Arzt aber die richtige Stelle und die Betäubung wirkte zu meiner Erleichterung sehr schnell. Ich konnte mich endlich wieder entspannen und sagte auch meinem Mann, dass er sich ausruhen solle, mir ginge es ja jetzt gut. Mein Mann ging zögernd, aber dann doch wohl sehr erleichtert, und ich schlief sogar für eine halbe – oder war es sogar eine ganze? - Stunde ein.

Als ich wieder erwachte, musste ich dringend auf Toilette. Aber die Hebamme vertröstete mich, ich solle noch ein wenig Geduld haben, sie wolle erst das CTG fertig schreiben. Ich hoffte auf das Verständnis meiner Blase, aber lange konnte ich nicht den Druck ertragen. Angeschlossen an das CTG und die PDA konnte ich leider nicht einfach losgehen. Ich wiederholte daher mein Bedürfnis, auf Toilette gehen zu müssen mehrfach, bis sich die Hebamme endlich erbarmte. Nach dem Toilettengang kontrollierte sie wieder einmal den Muttermund – er war durch die Entspannung in der Betäubung bereits auf 6 Zentimeter aufgegangen, jetzt aber nachdem die Blase kein Polster mehr bilden konnte, war er schlagartig auf 8 Zentimeter offen. Ich höre sie noch heute sagen: „Ach, wenn ich das geahnt hätte, dass uns das so hilft, wenn du auf Toilette gehst, dann hätten wir das doch schon längst gemacht“..... Ich hätte sie in diesem Moment am liebsten erwürgt.

Jetzt begannen auch die ersten Presswehen, und die Hebamme telefonierte nach dem Arzt. Sie wollte aber noch, dass ich nicht mitpressen sollte. Allmählich wurde ich panisch, ich hatte Angst, dem Druck der Wehen nicht mehr standzuhalten. Mein Mann, der nach seiner Pause auch wieder da war, hatte viel Mühe, mich zu beruhigen. Irgendwann kam von der Hebamme die Anweisung, doch „ein wenig mitzupressen“. Was das wohl wieder bedeuten sollte? Ich verkrampfte wieder, wollte ich doch nicht „zuviel“ mitpressen. Dann ging aber alles auf einmal ganz schnell. Der Arzt kam und allein dadurch ging es mir schlagartig wieder besser. Dabei erfuhr mehr nebenher, dass man den Kopf schon gut sehen könne. Auch das gab mir neue Energie. Ich sollte bei der nächsten Wehe nun „richtig“ mitpressen. Aber durch das vorhergehende „etwas pressen“ war ich doch noch zu vorsichtig. Ich sah es am Gesichtsausdruck des Arztes, der wohl schon Bedenken hatte, ob ich überhaupt noch die Kraft für die Geburt hätte. Er meinte noch zu mir, dass der 20. August doch ein schönes Geburtsdatum sei, aber ich hätte dafür nur noch eine halbe Stunde Zeit. Aber der 21. sei ja auch schön...  Er erklärte mir ein wenig, wie ich denn nun pressen solle – ich weiß nicht mehr, was er mir erklärt hat, aber es muss wohl geholfen haben. Jedenfalls war nach der nächsten Wehe der Kopf bereits ein Stück weit draußen. Der Arzt war jedenfalls sehr beeindruckt. Bei der nächsten Wehe sah ich dann allerdings, wie er in Absprache mit der Hebamme nach der Schere griff. Ich erinnerte mich sofort an den Geburtsvorbereitungskurs, in dem uns mehrfach versichert wurde, dass wir davon gar nichts mitbekämen und dachte nur, für wie blöd halten die einen eigentlich? Und natürlich hatte ich auch eine Wahnsinnsangst, dass der Schnitt entgegen der allgemeinen Aussagen weh tun würde – ich schrie deshalb bei der nächsten Wehe meine ganze Angst mit hinaus. Aber es tat nicht mehr weh, weswegen ich mich dann doch wieder entspannte. Eine Wehe später war mein Sohn geboren – mit stolzen 4050 g, 53 cm und einem Kopfumfang von 36,5 cm und außerdem noch genau 8 Minuten vor Mitternacht. Ich fand mich richtig gut.

Diesmal durfte ich noch im Kreißsaal anlegen, und nach ein paar Ansaugproblemen klappte es auch gleich. Auch gab es in der ersten Zeit immer wieder Probleme beim ersten Anlegen – mein Sohn war aber sehr lernfähig und das Stillen funktionierte bald gut. Nach dem Nähen durfte ich zusammen mit meinem Mann unsere kleine Familie noch eine Weile genießen und gegen 2.30 Uhr kam ich dann in mein Zimmer.

 

Interessant ist noch die Begegnung mit der schrecklichen Nachtschwester von der Geburt meiner Tochter: Sie war inzwischen nach mehreren Beschwerden in den Tagdienst verlegt worden – da war sie nicht alleinverantwortlich und konnte wohl nicht mehr so viel Unheil anrichten. Als mein Sohn mal wieder gewogen wurde und ich mich über seine Zunahme freute, meinte sie nur: „Ja, klar, dass dein Kind so gut zunimmt – so gut, wie du ihn fütterst. Du hast doch soo viel Milch“.... Ich grinste bloß in mich hinein und dachte, wenn du wüsstest, was du mir vor 4 ½ Jahren noch erzählt hast!

Ich blieb noch eine Woche im Krankenhaus, obwohl ich auch schon früher hätte gehen können. Aber meine Tochter war am folgenden Wochenende bei ihrem Papa und ich wollte unter keinen Umständen heimkommen, wenn sie nicht dabei sein konnte. Meinem Mann tat das freie Wochenende sicher auch noch mal gut – der Geburtstag unseres Sohnes war auch für ihn sehr anstrengend gewesen, und ich bin immer noch heilfroh, dass er bei mir gewesen ist. Alleine hätte ich diesen doch fast 23-stündigen Marathon nicht so gut überstanden. Doch trotz all der Widrigkeiten, unter denen die Geburt verlaufen ist,  war ich mir bereits am nächsten Morgen darüber klar, dass wenn ich vor die Wahl gestellt würde, diese Geburt noch einmal zu erleben oder doch einen Kaiserschnitt machen zu lassen – ich würde mich in jedem Fall wieder für die erste Möglichkeit entscheiden!

Judith

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