Judiths Schwangerschaftsgeschichte

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Dem war dann auch so. Gegen 1.30 Uhr wurde ich von den stärker werdenden Wehen geweckt. Schlafen konnte ich nicht mehr, daher ging ich ins Wohnzimmer. Ich setzte mich auf den Pezziball und veratmete die Wehen, die allerdings erst alle 7-8 Minuten kamen. Gegen 3.30 Uhr weckte ich meinen Mann. Meine Tochter war an diesem Morgen glücklicherweise noch bei ihrem Papa, so dass ich mich nicht sofort um sie kümmern musste. Ich rief dann die diensthabende Hebamme im Krankenhaus an – und freute mich sehr, denn es war die, die mir den Arzt vermittelt hatte. Sie riet mir, solange wie möglich zuhause zu bleiben, aber wenn mir danach wäre, dürfe ich auch kommen. Gegen 6 Uhr fuhren wir dann auch ein erstes Mal hin. Aber trotz schon deutlicher Wehen und einem Abstand von 4-5 Minuten war noch nichts Entscheidendes passiert. Sie meinte, wir sollten doch so gegen 10 Uhr wieder kommen. Bis dahin gingen wir erst noch mal nach Hause. Dort rief mich just meine Exschwägerin an, mit der ich fast keinen Kontakt mehr hatte und wollte wissen, wie es mir geht. Ich hatte in den Wehen schon Probleme, mit ihr zu sprechen, und wir beendeten das Gespräch auch bald wieder. Dann benachrichtigten wir meine Eltern, damit sie meine Tochter vom Kindergarten abholen würden. Mein Exmann bringt sie nach seinen Wochenenden noch hin, so dass man sie erst zum Mittag holen musste.

Um 10 Uhr gingen wir also wieder ins Krankenhaus – am Muttermund tat sich nichts. Dabei hatte ich doch jetzt schon seit ein paar Stunden Wehen! Und sie wurden immer kräftiger. Wenn sie jetzt kamen, hatte ich das Gefühl, mich unter keinen Umständen mehr bewegen zu dürfen, weil jede Bewegung die Schmerzen zu verstärken schienen. Meine Hebamme verabreichte mir ein krampflösendes Mittel und einen Wehencocktail aus verschiedenen Globuli gemixt, den ich nach jeder Wehe nehmen sollte. Wir spazierten durch die Flure und den Klinikgarten und kamen in regelmäßigen Abständen zu Untersuchungen wieder. Gegen 12.30 Uhr platzte dann die Fruchtblase, just, als ich mich für eine weitere Untersuchung aufs Kreißsaalbett legen wollte. Der Muttermund war inzwischen auf lächerlichen zwei Zentimetern und ich fürchtete schon wieder um eine normale Geburt.

An diesem Morgen hatte ich eine werdende Mutter auf der Treppe getroffen – als ich jetzt in mein Zimmer kam, sah ich sie wieder: Sie hatte inzwischen per Notkaiserschnitt entbunden. So schnell konnte es also gehen! Auch andere werdende Mütter kamen an diesem Tag und bekamen ihre Babys – nur ich wartete noch. Inzwischen war die Schicht meiner Hebamme zu Ende und ihre Nachfolgerin kam – es war ausgerechnet die, die ich am wenigsten mochte. Da es nur ein kleines Krankenhaus ist, gibt es auch pro Schicht nur eine einzige Hebamme. Anscheinend schien dieser Tag vielen Babys zu gefallen – insgesamt wurden 4 Babys an diesem Tag geboren, eines wie schon erwähnt mit Kaiserschnitt. Die anderen Mütter kamen viel später als ich – und verließen den Kreißsaal mit ihren geborenen Babys. Es war frustrierend. Zumal die Wehen bei mir bis zum Nachmittag eine schier unerträgliche Stärke erreicht hatten: Ich schrie inzwischen genauso laut, wie eine weitere Mutter, die gerade in den Presswehen lag. Und ich dachte nur, die hat´s gut, die hat es bald geschafft. Mein Muttermund war inzwischen auf knapp 4 Zentimetern offen – und ich hatte das Gefühl, nur noch aus Schmerz zu bestehen. Noch aber lehnte ich Medikamente oder gar eine PDA ab. Da beide Kreißsäle besetzt waren, quälte ich mich mit der Unterstützung meines Mannes im Vorraum herum. Dort gab es zwar eine nette Salzkristalllampe, aber nur eine ganz furchtbare, harte Untersuchungsliege. Ich konnte es nicht ertragen, darauf zu sitzen oder gar zu liegen und wusste nicht mehr, was ich tun konnte. Auch war nicht sehr viel Platz zum Bewegen. Die Hebamme war beschäftigt und ich fühlte mich sehr hilflos. Zwischendurch kamen Schwestern und Ärzte herein – auf dem Weg in den Kreißsaal und machten zum Teil irgendwelche Bemerkungen. Unter anderem kam auch mein früherer Arzt und versuchte anscheinend irgendeinen Witz zu machen. Ich kann mich nicht mehr an das erinnern, was er sagte, ich bin aber innerlich sehr wütend geworden.

Die Stunden schleppten sich so dahin – wäre mein Mann nicht gewesen, ich wäre vermutlich durchgedreht. Er versuchte immer wieder, mich aufzubauen und mich so gut er konnte zu stützen. Das Gefühl vom Vormittag, dass ich mich in den Wehen nicht bewegen dürfe, verstärkte sich immer mehr. Selbst ein Toilettengang war eine einzige Qual. Die Wehen kamen in sehr kurzen Abständen, und dennoch wollte der Muttermund kaum weiter aufgehen. Ich verkrampfte wohl immer mehr. Gegen 17.30 Uhr kam die Hebamme wieder zu mir und riet mir nun doch sehr dringend zu einer PDA. Da willigte ich ein, weil ich einfach nicht mehr konnte. Meinem Baby allerdings schien es trotz andauernder Wehen gut zu gehen – es blieb weiterhin völlig unbeeindruckt. Die Hebamme meinte zu mir, sie würde meinen Arzt verständigen, der sei allerdings noch bei einer anderen Geburt, aber sobald er könne, würde er mir die PDA legen.

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