Judiths Schwangerschaftsgeschichte

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Die nächsten Wochen gingen wieder mit leichter Übelkeit einher – vor allem Brot konnte ich nicht sehen oder riechen, das war auch schon in der ersten Schwangerschaft so gewesen. Diesmal zog sich die Morgenübelkeit allerdings mehr über den ganzen Tag. Aber es war noch erträglich, hatte ich doch keinen Brechreiz. Nur die Müdigkeit war diesmal schwerer zu ertragen, denn ich hatte ja schon ein Kind, dass Ansprüche an mich stellte. Alles lief aber soweit gut und ich wollte schon aufatmen – als ich eines Morgens in der 11. Woche dann plötzlich leichte Blutungen bekam. Der Schock fuhr mir in alle Glieder. Eigentlich war ich gerade auf dem Weg zum Sport und voller Elan – nach dieser Entdeckung fühlte ich mich mit einem Mal richtig schwach. Ich griff zum Telefon, um meinen Arzt anzurufen – aber immer nur Besetztzeichen. In meiner Verzweiflung rief ich wieder einmal bei meiner Hebamme an. Leider war sie selbst nicht da, sondern nur ihre Kollegin, mit der sie sich die Wohnung teilt und mit der ich nie so richtig warm geworden war. Aber sie schaffte es erst mal, mich etwas zu beruhigen. Dann erreichte ich endlich den Arzt und bekam einen Termin. Ich bestellte meine Eltern, damit sie meine Tochter vom Kindergarten abholen sollten – auch eine Sache, um die ich mich nun kümmern musste – und fuhr los. Leider war es mal wieder recht voll beim Arzt und trotz der bestehenden Dringlichkeit musste ich sehr lange im Wartezimmer warten. Ich versuchte ständig in mich hineinzuhören – zu meinem Baby: Lebte es noch?? Ich war voller Angst und die Zeit wollte nicht weitergehen. Endlich kam ich dran. Und die große Erleichterung: Auf dem Ultraschall war der Herzschlag ganz deutlich zu sehen. Die Blutung war nur eine leichte Gewebsverletztung am Rand und nicht gefährlich für den Embryo. Dennoch verordnete mir mein Arzt 1 Woche Liegen. Mit Hilfe meiner Eltern, die ständig als Babysitter kamen, klappte das auch ganz gut. Als ich nach dieser einen Woche wieder aufstehen wollte – langsam, so wie es mir der Arzt gesagt hatte, kam es zu einer weiteren Blutung. Aber auch hier stellte sich nach dem ersten Schreck heraus, dass es vermutlich nur noch mal ein Rest war, der sich erst durch die vermehrte Bewegung gelöst hatte. Allerdings sollte ich nun noch mal eine Woche liegen. Es waren lange 2 Wochen. Danach war ich noch 3 Wochen krank geschrieben – und fühlte mich auch schrecklich schwach. Bei einem Besuch beim Arzt kippte ich fast in der Fussgängerzone um, weil mein Kreislauf gar nicht mehr wollte, aber ein Glas Wasser einer aufmerksamen Verkäuferin konnte mich glücklicherweise wieder aufpäppeln.

Nach dieser Episode verlief die Schwangerschaft aber komplikationslos weiter. Das Baby wuchs sehr gut – es war meist größer als erwartet und mein Arzt war sich schon sicher, dass es schon Ende Juli kommen müsse – ET war der 9.8..

Im Mai habe ich meinen lieben Mann geheiratet – da war das Bäuchlein doch schon recht groß. Wer hätte das an unserer Anmeldung zur Eheschließung gedacht? Dann kam der Sommer 2001. Es war ein unheimlich heißer, schwüler Sommer. Ich hing in den letzten Wochen sehr in den Seilen, mein Bauch war unheimlich groß und ich fühlte mich schon früh sehr schwerfällig. Dabei nahm ich diesmal gar nicht so zu wie in der ersten Schwangerschaft. Vielleicht war es aber auch wirklich die Belastung der Schwangerschaft mit einem Kind. Wenn mir danach war, konnte ich mich ja in der ersten Schwangerschaft hinlegen und schlafen – das war nicht mehr möglich. Und die Spätschwangerschaft war damals im Winter – wie angenehm! Ich hatte nie kalte Hände und Füße wie sonst. Aber jetzt im Sommer... sehr oft lag ich im Sessel, die Beine hochgelegt unter dem Deckenventilator, unfähig, irgendetwas zu tun. Und das Baby in meinem Bauch war ja soooo agil – so etwas hatte ich in der ersten Schwangerschaft auch nicht erlebt. Schön war aber: Es lag mit seinem Kopf schon früh nach unten und blieb auch so liegen.

Der Juli kam und ging, dann der errechnete Entbindungstermin – aber mein Baby schien sich bei mir sehr wohl zu fühlen. Es wollte noch nicht kommen – und ich wartete doch schon voller Ungeduld, zumal ich mich in den letzten Wochen wirklich kaum noch rühren konnte. Die Terminabstände beim Arzt, die durch die Anfangskomplikation bedingt nie länger als 3 Wochen auseinander gelegen hatten, wurden immer kürzer: erst im 2 -, dann im 1 - Wochenabstand und ab dem errechneten Termin zweitägig. Zum Glück konnte ich öfters zu den bei ihm beschäftigten Hebammen zur Kontrolle und musste nicht immer auf ihn warten – die Wartezeiten waren wirklich lang bei ihm. Mein einziger Trost in den langsam vergehenden Tagen bis zur Geburt war meine beste Freundin: Sie war nämlich mit ihrem 3. Kind schwanger und hatte ihren errechneten Entbindungstermin gerade 1 Tag vor mir – und war auch noch schwanger. Letztlich haben wir beide den Tag Abstand ordentlich eingehalten. Trotzdem wartete ich auf die ersten Geburtswehen. Lange schon vorher hatte ich abends oft schon Übungswehen gehabt, auch recht regelmäßige, aber im Bett gingen sie immer wieder weg. Ich wachte oft nachts sehr enttäuscht auf, dass es wohl immer noch nicht soweit war. Auch kein Gewitter wollte die Geburt auslösen. Wenn ich meine Tochter in den Kindergarten brachte, fingen die ersten Mütter dort schon an zu frotzeln, ich solle doch mal zu ihnen nach Hause zum Fensterputzen kommen, das würde sicher helfen.

Durch die vielen Untersuchungen war ich mir aber wenigstens sicher, dass es meinem Baby gut ging. Dennoch meinte eines Tages mein Arzt, dass das Kind viel zu klein sei... dabei war es doch immer zu groß gewesen! Er bestellte mich ins Krankenhaus zu einem Dopplerultraschall. Ich machte mich nicht weiter verrückt, war ich mir doch inzwischen wirklich sicher, dass alles ordnungsgemäß verlief. Und siehe da, der Doppler bestätigte mein Gefühl. Trotzdem wollte es mein Arzt genau wissen und ließ mich einen Wehenbelastungstest machen – mit dem Hinweis, dass dieser auch zur Geburt führen könne. Der Test lief problemlos, mein Baby ließ sich nicht beeindrucken, und erst recht nicht herauslocken. Fast wollte mein Arzt die Geburt schon einleiten – es war inzwischen 9 Tage über Termin und er gab mir noch eine Gnadenfrist von 3 Tagen - da schien es endlich loszugehen. Die Hebamme, die mich an diesem Morgen, ein Sonntag, im Krankenhaus untersuchte, stellte fest, dass der Muttermund fingerdurchlässig war. Und auch ich hatte zum ersten Mal Wehen, die sich anders als die bisherigen Übungswehen anfühlten. Die Hebamme versicherte mir, dass es bald losginge, vielleicht noch an diesem Tage, spätestens aber wohl in der Nacht.

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