Judiths Schwangerschaftsgeschichte

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Im Krankenhaus am nächsten Morgen durften wir erst mal warten – auf ein freies Bett. Dann auf den Arzt, der mich allerdings lieb in den Arm nahm und scherzte, ich hätte doch schon heute Nacht kommen können, er sei sowieso vor Ort gewesen. Ich meinte nur, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gekommen, ich hätte eh nicht mehr schlafen können. Er lachte und meinte, dass er das schon befürchtet habe und versuchte, mich aufzumuntern. Die OP-Vorbereitungen wurden dann endlich getroffen. Ich sollte noch meine Ringe ausziehen – aber meine Finger waren so geschwollen, dass es nicht zu klappen schien. Eine Schwester wurde ganz ungeduldig und meinte, ob sie mir den Finger amputieren solle. Ich habe dann mit Hilfe von viel Seife und kaltem Wasser (und einer Schürfwunde) wenigstens einen der beiden Ringe abbekommen – der Anästhesist hat dann doch den Arm mit der beringten Hand für die Infusion ausgewählt. Die Schwester, die beim Legen der PDA bei mir war, war sehr lieb – immerhin. Mein Mann kam dann auch in den OP mit – der Arzt hatte ihn mit einer Chirugenmütze mit Hasenohren, die sie wohl auf Kinderstationen verwenden, versehen – es war ein eher lächerlicher Anblick. Die Narkose wirkte gut und schnell, ich wurde zwar zu Beginn etwas panisch bei der Vorstellung, dass der Arzt gleich meinen Bauch aufschneiden wird – ich dachte, es tut bestimmt weh, aber der Anästhesist beruhigte mich schnell wieder. Nach ganz kurzer Zeit, in der mir der Anästhesist z.T. erklärte, was gerade geschah, ruckelte es ganz dolle an (oder in?) meinem Bauch – sie zerrten mein Kind heraus.... ein furchtbares Gefühl. Ich war mir auch sicher, dass es bis vor der OP geschlafen hatte und stellte mir dieses schreckliche Erwachen vor, das solch ein Erlebnis für ein Baby darstellen muss. Dann hörte ich kurz gurgelnde Geräusche und ein Schrei – mein Baby war da!

Es schien mir noch eine Ewigkeit zu dauern, bis die Schwester endlich meinte, ob ich denn wissen wolle, welches Geschlecht mein Kind habe. Ich konnte gar nicht antworten und sie meinte nach einer Weile – ein Mädchen. Da fragte ich gleich nach, ob es gesund sei, das wurde mir bestätigt. Im tiefsten Inneren hatte ich mir auch ein Mädchen gewünscht und freute mich nun umso mehr. Mein Kind wurde mir gebracht und ich durfte es noch kurz halten – völlig fassungslos angesichts dieses Wunders, dann ging die Kinderschwester mit meinem Mann zusammen ins Kinderzimmer, da es ihr im OP zu kalt für das Baby schien. Ich wurde dann fertig versorgt und kam aufs Zimmer.

Kaum war ich dort, kam mein Mann auch schon mit dem fertig gewaschenen und angezogenen Kind. War das wirklich mein Kind? Mein Bauch war noch taub, aber ich glaubte, mein Baby darin noch zu spüren. Nein, es war doch nicht mehr dort. Aber war es wirklich das Kind in dem Bettchen neben mir? Ein Kaiserschnitt mag eine medizinische Bereicherung sein – ich hatte erst mal gar keinen Bezug zu diesem Bündel neben mir. Auf meine Nachfrage wegen des Stillens wurde mir gesagt, dass ich das in den ersten 24 Stunden noch nicht machen solle, das Kind brauche noch nichts, und wenn doch stünde für sie ein Glukosefläschchen bereit. Ich war zwar unsicher wegen dieser Aussage – ich hatte doch in meinem Stillbuch etwas anderes gelesen! Aber das Buch war zuhause und ich fühlte mich zu schwach um zu protestieren.

Als ich am nächsten Tag endlich mein Baby anlegen durfte, war ich immer noch sehr schwach und mein Bauch tat gemein weh. Ich war völlig unsicher im Halten des Kindes und erstaunt über das kräftige Saugen! Erst nach einigen Tagen zeigte mir eine versiertere Kinderschwester, wie ich das Baby seitlich liegend bequem anlegen konnte – welch eine Erleichterung! Sie schlief sehr viel – vor allem nachts, da meldete sie sich von Anfang an maximal 2 mal. Ich hatte daher viel Zeit zum Ausruhen und beobachtete mein Kind viel. Dabei entdeckte ich Bewegungen, die ich mit Bewegungen in meinem Bauch in Zusammenhang bringen konnte – es war tatsächlich das Wesen, das in meinem Bauch gewesen war! Inzwischen staunte ich aber, wie dieses eigentlich doch relativ große Baby in meinem Bauch Platz gehabt haben soll. So wuchsen mein Kind und ich langsam aber stetig zusammen. Das Stillen klappte meiner Meinung nach gut. Dann kam die Nacht, in der ich wieder ins Wanken kam: Die Nachtschwester brachte mir mein weinendes Kind zum Stillen. Als ich fertig mit Stillen war, holte sie es wieder ins Kinderzimmer, wo die Babys in der Nacht standen. Nach einer Weile tauchte sie wieder auf und erklärte mir, mein Kind habe nur 60 g getrunken und hätte noch Hunger gehabt (ich hatte sie ihr schlafend mitgegeben!) und sie habe ihr ein Fläschchen mit nochmal so viel nachgefüttert. Sie habe die Milch zwar mit Tee verdünnt, aber ich hätte ja wohl zuwenig Milch. Jetzt sei mein Kind wenigstens satt.

Ich war so platt, dass ich gar nichts sagen konnte. Hatte mir doch gerade in der Nacht davor eine Schwester erklärt, meine Tochter habe 40 g getrunken, das sei ganz prima! Und jetzt kam dieser Drache und meinte, 60 g sind zuwenig und hatte die Frechheit, ungefragt nachzufüttern! Erst am nächsten Vormittag hatte ich bei der Stationsschwester, eine ganz liebe Kinderschwester, den Mut, mich über diese Aktion zu beschweren. Sie hörte sich auch ganz bestürzt den Vorfall an und versprach mir, mit dieser Schwester zu reden.

Trotzdem war eines passiert: Mein Vertrauen in meine Stillfähigkeit war angeknackst. In den noch folgenden Nächten habe ich dann immer nur gehofft, dieser Schwester nicht mehr begegnen zu müssen. Nach 10 Tagen bin ich dann endlich nach Hause.

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