Judiths Schwangerschaftsgeschichte

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Mein Mann war also erst der dritte, der davon erfuhr. Ich hatte mir weiß Gott die Situation oft vorgestellt – wie ich meinem Mann davon berichten werde, dass wir ein Kind bekommen werden. Und natürlich lief alles ganz anders als geplant. Ich war so aufgeregt und viel zu hippelig, um es spannend zu machen. Ich sehe mich noch heute mit ihm auf der Couch sitzen und ihn in mein Geheimnis einweihen: Ich fragte ihn, ob er mich denn noch lieb hätte, wenn ich zu zweit sei. In seine Augen kamen erst zwei Fragezeichen, dann erwachte die Erkenntnis – und er reagierte im ersten Moment eher geschockt. In diesem Moment kam mir der Gedanke – er wollte doch (noch?) kein Kind, er hatte gehofft, dass die Schwangerschaft noch auf sich warten lassen würde – und ich war kurz sehr traurig. Aber er beeilte sich dann, mir zu sagen, dass er sich auch freue... aber sich erst mal an den Gedanken gewöhnen müsse.

Wenn ich ehrlich bin, kamen spätestens da erste Zweifel in mir auf, ob mein Mann der richtige Partner für mich ist und wie sich eine Partnerschaft gestalten wird, wenn wir Eltern sind und ich wirklich auf ihn angewiesen bin. Eine erste Angst stieg in mir hoch. In den folgenden Monaten, in denen es mir körperlich sehr gut ging – besser als in den Jahren vorher – trauerte ich jeder meiner Freizeitbeschäftigungen nach, die ich beenden musste: die 3 Orchester, in denen ich spielte, die Unterrichterei zum Mutterschutz dann; ich fühlte mich schon ohne Kind eingesperrt...

Der Entbindungstermin kam langsam immer näher – die Ungeduld einer Schwangeren ist ja doch recht groß. Leider lag das Baby nach wie vor in Beckenendlage und machte keinerlei Anstalten, sich zu drehen. Ich hatte bereits im Erstgespräch mit meinem Frauenarzt erfahren, dass bei mir ein Kaiserschnitt notwendig werden könne, da ich ein „verlängertes Becken“ mit 6 statt der sonst üblichen 5 Lendenwirbeln habe. Der Arzt meinte, dass dadurch die Geburt in der Austreibungsphase länger dauern und dann ein Kaiserschnitt notwendig werden könnte. So lief ich also schon die gesamte Zeit der Schwangerschaft mit der Befürchtung herum, einen Kaiserschnitt machen lassen zu müssen – dabei wollte ich doch unbedingt eine natürliche Geburt erleben! Und nun drehte sich das Kind nicht mal herum und nahm mir die letzte Hoffnung auf eine normale Geburt. Denn der Arzt weigerte sich einerseits, eine äußere Drehung vorzunehmen, da das bei einer Erstgebärenden zu schlimmen Komplikationen, z.B. einer Plazentaablösung führen könne, bestimmte aber im gleichen Zug, dass bei mir dann auf jeden Fall ein Kaiserschnitt notwendig sei - Erstgebärende. Die Hebammen aus dem Geburtsvorbereitungskurs nach Alternativen zu fragen habe ich mich nicht mehr getraut....

So hoffte ich trotzdem noch auf das Wunder einer späten Drehung. Der errechnete Entbindungstermin sollte der 25.2.97 sein, daher schlug mein Frauenarzt vor, den Kaiserschnitt am 21.2., einem Freitag, vorzunehmen, da er an Freitagen in der Klinik sei. Da ich mir sicher war, Babys Kopf unterhalb meiner Rippen zu spüren, war ich jeden Morgen umso enttäuschter, je näher der Termin kam. Am 13.2. hatte ich dann einen regulären Voruntersuchungstermin. Beim Abtasten meinte dann mein Arzt, dass das Kind sich gedreht habe!... Ich war völlig verblüfft und im ersten Moment fast erschrocken – war ich doch inzwischen fast schon auf einen Kaiserschnitt am 21.2. eingestellt. Daher meinte ich zu meinem Arzt, das könne nicht sein, der Kopf meines Babys sei ganz sicher noch oben. Mein Arzt glaubte mir nicht, und meinte nur, ich wolle mich doch nicht etwa vor einer normalen Entbindung drücken – dabei war doch genau das mein größter Wunsch!!! Beim anschließenden Ultraschall aber musste mein Arzt zugeben, dass ich recht und er sich getäuscht hatte. Er tat es dann ab mit den Worten, dass mein Kind dann aber einen ungewöhnlich harten „Podex“ habe. Und meinte gleich darauf: „Ja, dann müssen wir das Kind holen. Wann? Morgen!“

Ich lag da und dachte, die Welt bricht gleich zusammen. Das letzte Fünkchen Hoffnung erstarb angesichts des Ultraschallbildes und der Ankündigung, den Kaiserschnitt bereits am nächsten Tag zu machen. Ich stotterte noch etwas herum, sagte noch, wir hatten doch immer den 21.2. anvisiert, aber da kam als Antwort, die „Gefahr“ bestünde, dass bis dahin bereits Wehen eingesetzt haben könnten und dann alles schnell gehen müsse, außerdem er ab Samstag im Urlaub sei und sein mir noch unbekannter Kollege dann den Eingriff vornehmen müsse – aber ich könne ja gerne abwarten.....

Irgendwie fühlte ich mich da schon betrogen – um den einzigen Vorteil eines „geplanten“ Kaiserschnittes, dass man den Zeitpunkt nämlich planen kann, da ich mehrere Termine noch in der Folgewoche nicht mehr wahrnehmen konnte (vor allem einen Friseurtermin, was mich ganz besonders ärgerte). Der Arzt meinte dazu auch noch, ich solle es positiv sehen, denn da bleibe doch noch ein Rest natürlichen Geburtserlebnisses: Es komme unerwartet....

Mein Mann, der bei dieser Untersuchung dabei war, war auch ziemlich sprachlos. Wir sagten dann den Kaiserschnitt für den nächsten Morgen zu. Ich sollte dann um 7.30.Uhr im Krankenhaus erscheinen.

Den Rest des Tages habe ich dann mit allen möglichen Vorbereitungen verbracht – Einkaufen, Telefonieren, Packen. Am Abend sind mein Mann und ich noch mal schön Essen gegangen – Fasten brauchte ich interessanterweise nicht. Zuhause haben wir noch ein Foto von meinem Bauch gemacht – nun war ja klar, dass er nicht mehr wachsen würde. In der Nacht habe ich fast nicht geschlafen vor Aufregung.

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