Tagebuch von Isa (schwanger im KH)

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November 2003

Mitte des Monats dann wieder Sorge und Angst. Auf dem Weg zur Arbeit war ich auf der regennassen Autobahn auf einen Bus aufgerutscht. Klar, ich war Schuld, aber nicht wegen leichtsinniger Fahrweise. Bei zähfließendem Verkehr und meiner Meinung nach ausreichendem Abstand hatte der Bus vor mir gebremst. Ich natürlich auch direkt, aber der Bus hatte ABS und mein Auto nicht! Die Bremsen blockierten und in den Sekunden, in denen ich unaufhaltsam auf den Bus zurutschte schrie ich nur „Nein, nein, nein“ und dachte dabei an das Baby in meinem Bauch, das bis dahin so gut durchgehalten hatte…

Es passierte nicht wirklich viel – außer Frontalblechschaden – aber der Schock saß tief und ich ging am gleichen Tag noch zu meiner Frauenärztin. Sie schaute nach und beruhigte mich: alles ok. Ich hätte mir den sozusagen günstigsten Zeitpunkt für so einen Unfall ausgesucht. Das Baby (4. Monat) sei fest genug mit der Mutter verbunden, aber andererseits noch klein genug, um von dem Aufprall körperlich unbeschadet davonzukommen.

Dezember 2003

Bei der nächsten Routineuntersuchung wurde dann die Nackenfalte (Auffälligkeiten weisen auf Down-Syndrom hin) vermessen und es war alles bestens! Die Frage, ob wir ein behindertes Kind abtreiben lassen würden, hatte sich für uns nie gestellt. Wir hätten jedes Kind das zu uns wollte genommen. Da wir jedoch auf eine evtl. Behinderung vorbereitet sein wollten, stimmten wir auch noch dem vorgeschlagenen Bluttest zu. Das Ergebnis erwarteten wir relativ gelassen. Es kam ca. zwei Tage später. Mein Mann nahm den Anruf entgegen, weil ich den ganzen Tag unterwegs war. Die Laborwerte seien erhöht und somit auffällig…

„Was heißt das?“ „Es könnte auf eine Behinderung hindeuten – nachgefragt hieß das im Klartext Spina bifida und oder Hydrocephalus (offener Rücken/Wasserkopf) – und ich sollte am nächsten Tag eine weitere Blutprobe abgeben. Damit würde das Ergebnis entweder bestätigt oder als Laborfehler entkräftet. Der Abend und die folgende Nacht waren die Hölle. Die Informationen, die wir aus dem Internet bekamen waren ziemlich deprimierend. Meist seien beide Behinderungen kombiniert. Der Grad der Behinderung könne von sehr leicht bis massiv und damit lebensbedrohlich sein. Wir waren bis ins Mark erschüttert. Unsere „Erwartungen“ (wenn man das überhaupt so nennen kann) in Richtung Kind schraubten wir aufgrund der neuen Situation soweit herunter, dass wir sagten, es wäre schön ein Kind zu bekommen, dass keine Schmerzen und sowohl eigene Charakterzüge hat, als auch für sich kleine Entwicklungsleistungen verbuchen kann…

Das Gespräch direkt nach der Blutentnahme relativierte meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich der Wahrscheinlichkeit einer Behinderung wieder etwas. Bei 100 Frauen, die den Test machen ließen, wären etwa 20 Tests auffällig. Davon die Hälfte wären bestätigt auffällig. Diese müssten dann zum Ultraschall-Screening und dort würden sich dann davon 90% unauffällig und „nur“ 10 % auffällig zeigen.

Das Warten über ein endlos erscheinendes Wochenende hinweg endete schließlich mit dem Ergebnis, der Wert sei nochmals weiter angestiegen und ich müsse zum Ultraschall in eine Spezialklinik. Glücklicherweise bekamen wir direkt am nächsten Nachmittag einen Termin.

Die Ultraschalluntersuchung war ausgiebig und die Ärztin wirklich sehr kompetent und konzentriert. Sie untersuchte Fuß- und Beinstellung und Bauch, Gaumen, Rücken und Kopf auf offene Stellen oder Wasseransammlungen. Schließlich schickte sie uns dann wieder nach Hause mit der 96%igen Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind zu bekommen. 100% würde kein Arzt geben und wenn unser Baby in dieser Richtung behindert sein sollte, so wäre es wohl nur eine leichte Form. Mit dieser Aussage konnten wir gut leben.

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