Tagebuch von Isa (schwanger im KH)

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Isa lag vor der Entbindung schon lange Zeit im Krankenhaus.
Während diesen Tagen hat sie ein Tagebuch geschrieben, das wir für Rabeneltern.org online stellen dürfen.
Herzlichen Dank, Isa!

 

Hallo zusammen!!

Nach längerem hin und her habe ich den Entschluss gefasst, das umzusetzen, was mir schon länger im Kopf umherschwirrt – nämlich so einiges meiner Biographie in Worte zu fassen und aufzuschreiben.

Nein, ich bin kein Promi und auch nicht uralt, so dass ich aus einem langjährigen Erfahrungsschatz plaudern könnte, aber trotzdem gab es in meinen bis jetzt 32. Lebensjahren so einige Begebenheiten, die es wohl zu erzählen lohnt.

Da es hier aber nun mal um einen speziellen Aspekt/Blickwinkel geht, werde ich versuchen, mich darauf zu beschränken.

Zur Zeit liege ich auf einer Entbindungsstation in einem Krankenhauses irgendwo in Deutschland. Ich bin in der 28. SSW und liege bereits seit gut 3 Wochen flach – was alles andere als erbaulich ist. Aber vielleicht sollte ich erst mal einen Teil meiner Vorgeschichte schildern …

Die Kurzfassung: Ich wurde als Kind zweier recht junger Eltern im Jahre 1971 etwa 10 Tage nach dem ET geboren. Im Alter von knapp 3 Jahren bekam ich einen 10 Monate älteren Adoptivbruder, da meine Mutter aufgrund des Rhesusfaktors kein 2. Kind bekommen konnte. Im Alter von ca. 5 Jahren wurden bei mir Gehirndurchblutungsstörungen (Vorform von Epilepsie) diagnostiziert, so dass ich täglich starke Tabletten nehmen musste und regelmäßig ärztlich untersucht wurde. Die Pubertät setzte – evtl. wegen der Medikamente - erst recht spät ein. Ich bekam meine erste Periode erst mit gut 16 Jahren. Die Zyklen waren so unregelmäßig (16 – 52 Tage), dass man sie schon gar nicht mehr als solche bezeichnen mag. Nach ca. einem Dreivierteljahr  bekam ich ohne weitere größere Untersuchungen die Pille verschrieben und meine bis dahin unregelmäßige und sehr schmerzhafte Periode wurde auf 28 Tage und schmerzfrei „getrimmt“. In den nächsten 10-11 Jahren schluckte ich brav die kleinen Dinger die mal Minulet und mal Cileste hießen. Ich lernte nach zwei langjährigen Beziehungen meinen Mann kennen und als wir uns für ein Baby entschieden, wollte ich nach Rücksprache mit meiner Gynäkologin die Pille absetzen. Die sagte mir jedoch, dass dies ungünstig sei, da ein Krebsabstrich Pap II ergeben hätte. „Ist das denn schlimm“, fragte ich? „Nein, aber schwanger werden sollte ich damit nicht“, meinte sie. Wir warteten im Abstand von je einem halben Jahr die nächsten vier Abstriche ab, die immer auch Pap II ergaben. Die jeweils dürftigen Aussagen meiner Gynäkologin bewogen mich dann endlich dazu, mich auf die Suche nach einer anderen Ärztin zu machen. Dort sah man das alles dann ein bisschen anders: Kontrolle sei gut, aber es spräche nichts gegen eine Schwangerschaft.


Na prima, dachten wir, dann kanns ja endlich losgehen. Aber Pustekuchen! Mein Zyklus stellte sich zwar nach Absetzen der Pille auf schön regelmäßig auf 31-33 Tage ein, aber schwanger wurde ich erst mal nicht. Nach einigen Monaten versuchte ich es dann mit der Temperatur-Methode. Jeden Morgen um dieselbe Zeit messen. Aber eine Kurve wurde das nicht. Es sah aus, als hätte ein springender Flummi Spuren hinterlassen. Ich präsentierte die Daten meiner Ärztin. Es folgten zwei Zyklen mit Hormonspiegelbestimmung. Ergebnis: Kein Eisprung möglich. Super! Elf Jahre Pille umsonst eingenommen!

Aber nicht genug: Der letzte Krebsvorsorgeabstrich war Pap IV – laut Ärztin ist das Krebsvorstufe. Jetzt bekam ich wirklich Angst!!! Ich sollte mir nach der nächsten Periode einen Termin im Krankenhaus holen, um eine Konisation (operative Entfernung des veränderten Gewebes im Gebärmutterhals in Kegelschnittform) durchführen zu lassen.

Also wartete ich auf meine Regel, die weder am 31., 32., 33., 43…Tag kam. Am 45.(!) Zyklustag rief ich dann doch reichlich verunsichert meine Ärztin an, ob ich denn nicht vielleicht doch schwanger sein könnte??? Bei den Hormonwerten sei dies wohl nicht möglich und ich solle dann einfach einen Termin bei ihr ausmachen.

Ich erschien wie abgemacht zur OP im Krankenhaus. Kurz vor der OP sollte ich nochmals auf den gynäkologischen Stuhl, um noch einmal untersucht zu werden. Die Ärztin machte einen vaginalen Ultraschall, schaute auf den Monitor und meinte dann plötzlich „ach schaun Sie doch mal!“ Sie drehte den Bildschirm um, zeigte auf einen blinkenden Punkt und sagte „das ist das Herz Ihres Babys!“ Dieser Satz löste ein absolut heftiges Gedankenchaos in meinem Kopf aus: Was, ich bin schwanger? Super! Klasse! Schade, dass mein Mann nicht da ist, um das zu sehen! Wie ist das jetzt mit der Konisation? Ist das auch wirklich wahr? Bin ich nach all den Jahren doch endlich schwanger? Heul!!!


Ich unterhielt mich dann recht lange mit den Ärztin (die selbst hochschwanger war) und wurde ob der ungewöhnlichen Situation in den folgenden Stunden zwischen ewig langen Wartezeiten von einem Arzt zum nächsten geschickt. Nach langem hin- und her sagte man mir, die beste Vorgehensweise sei in meinem Fall die 12. SSW abzuwarten, weil dann die Verbindung zwischen Mutter und Kind fester sei und dann erst zu operieren.

In den Wochen darauf erschien ich erneut bei meiner Frauenärztin. Mit dem Baby war alles ok und ich bekam einen Mutterpass. Vier Wochen später folgte der nächste Termin. Diesmal war auch mein Mann dabei. Voller Aufregung warteten wir auf die US-Untersuchung. Ohne Vorwarnung kam dann der bittere Schlag: „Es tut mir leid. Das Kind ist nicht gewachsen und es ist auch keine Herzaktion zu sehen. Ich muss Sie für einen Ausschabung ins Krankenhaus überweisen…!“

Mein Mann und ich sahen uns einfach nur fassungslos an und fingen an zu weinen …

Die Ausschabung kombiniert mit der Konisation sollte zwei Tage später stattfinden. Bei der Besprechung der Risiken der OP bekam ich den nächsten Weinkrampf. In seltenen Fällen könne es zu Komplikationen kommen, die eine Totaloperation – sprich Entfernung der Gebärmutter – erfordern.

Ich unterschrieb die Einverständniserklärung und begab mich wieder auf mein Krankenzimmer. Direkt vor der OP – ich lag bereits auf dem Gyn-Stuhl – sagte ich den Ärzten noch einmal, dass sie bitte ordentliche Arbeit leisten sollten, da ich gerne noch Kinder haben wollte…

Ich wurde nach der Narkose wieder wach und heulte nur still in mich hinein. Es war zwar alles gut verlaufen, aber unser Kind war nun weg und ich fühlte mich entsetzlich leer und allein. Das war im Mai 2001.


Nach diversen Untersuchungen, ob denn alles gut verheilt war etc. erfolgte der nächste Krebsvorsorgetest. Er war soweit ok und die nächste „Staffel“ konnte beginnen.

Ich ging in die Offensive, was die psychische Verarbeitung meiner Fehlgeburt anging und besuchte meinen Bruder und dessen Frau, die im Februar einen Sohn bekommen hatten. Das war wirklich harter Tobak, aber ich dachte, ich muss da durch und kann es so schneller verarbeiten.

Nach einiger Zeit begann ich eine Behandlung mit Mönchspfeffer, Clomhexal und schließlich Clomifen. Gleich im ersten Zyklus mit Clomifen wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Wir freuten uns sehr, da mittlerweile wieder ein Jahr vergangen war, aber vorbehaltlose Freude war diesmal nicht möglich. Bei der ersten Untersuchung war alles ok, aber bei der zweiten Untersuchung in der 9. SSW erfuhren wir dann, dass unterwegs „genetisches Material“ verloren gegangen sei. D.h. es war zwar eine Fruchthöhle da und meine Brüste fühlten sich auch schon sehr nach Schwangerschaft an, aber es war kein Kind da. Die Enttäuschung und Trauer, die uns überkam kann ich nicht beschreiben. Die nächste Ausschabung stand an und wir waren einfach nur verzweifelt. Sollten wir etwa kinderlos bleiben? Die Ärzte im Krankenhaus sagten, dass solche Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft recht häufig vorkommen, was uns aber nicht wirklich trösten konnte.

Die nächsten vier folgenden Versuche mit Clomifen schwanger zu werden blieben leider erfolglos und wir wurden zu einer Praxis überwiesen, in der die Ärzte auf die „schwierigen Fälle“ spezialisiert waren. So versuchten wir dann im Frühjahr ´03 meine Eireifung mit täglichen Spritzen in Gang zu bringen, was auch tatsächlich gelang. Jedoch kam es weder im 1., noch im 2. Zyklus zu einer Schwangerschaft. Erst der 3. Versuch mit Puregon im Juli/August war erfolgreich und der B-Test positiv. Trotzdem waren unsere Gefühle sehr gemischt. Wir wussten gar nicht, ob wir uns freuen sollten, oder ob nun wieder so ein Megatief folgen würde.


Inzwischen befand ich mich in der einjährigen Probezeit eines neuen Arbeitsverhältnisses, was die Freude über die Schwangerschaft zwar nicht schmälerte, die Situation jedoch nicht gerade einfacher machte. Erneut begann das Wechselbad zwischen Hoffen und Bangen. Wir schafften irgendwie die ersten zwölf Wochen und ich informierte meinen Arbeitgeber, kam mir dabei aber äußerst „unfair“ vor. Andererseits dachte ich mir, dass das wohl so sein sollte. An meinem vorherigen Arbeitsplatz war alles sehr anstrengend und Kräfte raubend gewesen, obwohl ich meinen Beruf wirklich sehr gerne ausübe. Daraufhin hatte ich die Stelle gewechselt und war prompt schwanger geworden und auch geblieben. So weit so gut.


November 2003

Mitte des Monats dann wieder Sorge und Angst. Auf dem Weg zur Arbeit war ich auf der regennassen Autobahn auf einen Bus aufgerutscht. Klar, ich war Schuld, aber nicht wegen leichtsinniger Fahrweise. Bei zähfließendem Verkehr und meiner Meinung nach ausreichendem Abstand hatte der Bus vor mir gebremst. Ich natürlich auch direkt, aber der Bus hatte ABS und mein Auto nicht! Die Bremsen blockierten und in den Sekunden, in denen ich unaufhaltsam auf den Bus zurutschte schrie ich nur „Nein, nein, nein“ und dachte dabei an das Baby in meinem Bauch, das bis dahin so gut durchgehalten hatte…

Es passierte nicht wirklich viel – außer Frontalblechschaden – aber der Schock saß tief und ich ging am gleichen Tag noch zu meiner Frauenärztin. Sie schaute nach und beruhigte mich: alles ok. Ich hätte mir den sozusagen günstigsten Zeitpunkt für so einen Unfall ausgesucht. Das Baby (4. Monat) sei fest genug mit der Mutter verbunden, aber andererseits noch klein genug, um von dem Aufprall körperlich unbeschadet davonzukommen.

Dezember 2003

Bei der nächsten Routineuntersuchung wurde dann die Nackenfalte (Auffälligkeiten weisen auf Down-Syndrom hin) vermessen und es war alles bestens! Die Frage, ob wir ein behindertes Kind abtreiben lassen würden, hatte sich für uns nie gestellt. Wir hätten jedes Kind das zu uns wollte genommen. Da wir jedoch auf eine evtl. Behinderung vorbereitet sein wollten, stimmten wir auch noch dem vorgeschlagenen Bluttest zu. Das Ergebnis erwarteten wir relativ gelassen. Es kam ca. zwei Tage später. Mein Mann nahm den Anruf entgegen, weil ich den ganzen Tag unterwegs war. Die Laborwerte seien erhöht und somit auffällig…

„Was heißt das?“ „Es könnte auf eine Behinderung hindeuten – nachgefragt hieß das im Klartext Spina bifida und oder Hydrocephalus (offener Rücken/Wasserkopf) – und ich sollte am nächsten Tag eine weitere Blutprobe abgeben. Damit würde das Ergebnis entweder bestätigt oder als Laborfehler entkräftet. Der Abend und die folgende Nacht waren die Hölle. Die Informationen, die wir aus dem Internet bekamen waren ziemlich deprimierend. Meist seien beide Behinderungen kombiniert. Der Grad der Behinderung könne von sehr leicht bis massiv und damit lebensbedrohlich sein. Wir waren bis ins Mark erschüttert. Unsere „Erwartungen“ (wenn man das überhaupt so nennen kann) in Richtung Kind schraubten wir aufgrund der neuen Situation soweit herunter, dass wir sagten, es wäre schön ein Kind zu bekommen, dass keine Schmerzen und sowohl eigene Charakterzüge hat, als auch für sich kleine Entwicklungsleistungen verbuchen kann…

Das Gespräch direkt nach der Blutentnahme relativierte meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich der Wahrscheinlichkeit einer Behinderung wieder etwas. Bei 100 Frauen, die den Test machen ließen, wären etwa 20 Tests auffällig. Davon die Hälfte wären bestätigt auffällig. Diese müssten dann zum Ultraschall-Screening und dort würden sich dann davon 90% unauffällig und „nur“ 10 % auffällig zeigen.

Das Warten über ein endlos erscheinendes Wochenende hinweg endete schließlich mit dem Ergebnis, der Wert sei nochmals weiter angestiegen und ich müsse zum Ultraschall in eine Spezialklinik. Glücklicherweise bekamen wir direkt am nächsten Nachmittag einen Termin.

Die Ultraschalluntersuchung war ausgiebig und die Ärztin wirklich sehr kompetent und konzentriert. Sie untersuchte Fuß- und Beinstellung und Bauch, Gaumen, Rücken und Kopf auf offene Stellen oder Wasseransammlungen. Schließlich schickte sie uns dann wieder nach Hause mit der 96%igen Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind zu bekommen. 100% würde kein Arzt geben und wenn unser Baby in dieser Richtung behindert sein sollte, so wäre es wohl nur eine leichte Form. Mit dieser Aussage konnten wir gut leben.


Januar 2004

Am 21.1. bei der nächsten Untersuchung – man kann sich meine Anspannung vorstellen - spürte ich beim vaginalen Tastbefund einen Druck, woraufhin meine Ärztin den Gebärmutterhals per Ultraschall genauer anschaute und sagte, er sei verkürzt. Ich sollte eine Woche zu Hause möglichst viel liegen und am 27.1. zur Kontrolle erscheinen. Trotz wirklich gewissenhaft eingehaltener Liegeruhe hatte sich der Gebärmutterhals noch weiter auf 1,95 cm verkürzt (normal sind ca. 4 cm) und ich wurde zur stationären Aufnahme ins nahe gelegene Krankenhaus überwiesen. Aufgrund des Befundes natürlich in ein Haus mit einer speziellen Frühgeborenen-Intensivstation, da ich mich ja erst in der 24. SSW. befand…


1. Woche Krankenhaus ab 27.1. (25. SSW)

Auf dem Weg dorthin heulte ich unentwegt. Auch mein Mann war ziemlich fertig, versuchte aber mich etwas aufzubauen. Die Angst, dieses Kind zu verlieren, nicht alles für einen optimalen Start ins Leben gegeben zu haben, bzw. geben zu können, der Schmerz der letzten Jahre… das alles, war wirklich zu viel. Auch während der Untersuchung liefen die Tränen weiter und ich war kaum zu beruhigen. Ich erfuhr, dass doch recht viele Frauen lange liegen müssen in der Schwangerschaft und dass meine Voraussetzungen gar nicht so schlecht seien, das Kind noch eine Weile halten zu können…

Zwei Tage nach der Einweisung saß einer der Kinderärzte an meinem Bett. Er erklärte mir, dass unser Kind, selbst wenn es  denn jetzt schon kommen kommen sollte – wovon sie nicht ausgehen – recht gute Chancen hätte. Laut der letzten Untersuchung sah es nach einem Mädchen aus. Sie wiegt errechnete 800 g uns ist ca. 31 cm groß. Von 100 Frühchen, die in dieser SSW geboren würden, bekämen sie schätzungsweise 60 so durch, dass diese später ihr Leben ohne Probleme managen können; 20 hätten Behinderungen und 20 würden es nicht schaffen… Aber, optimistisch denken, denn jeder Tag zählt!

So verbrachte ich die erste Woche nachsinnend optimistisch. Ich lag in einem Zwei-Bett-Zimmer mit einer sehr netten Marokkanerin, deren Deutschkenntnisse sich leider auf „Guten Morgen, Guten Appetit, Schlaf gut, schön, gut und müde“ beschränkten. Ein Austausch war somit nicht gegeben, obwohl sie sich in einer ähnlichen Lage befand wie ich. Ablenkung und Gesprächsmöglichkeiten, sowie Trost und Mitgefühl fand ich jedoch in den vielen Besuchen und Anrufen von Freunden und Verwandten. Auch das Klinikpersonal trug dazu bei, dass ich mich wohl fühlte und die ganze Sache recht gelassen und überwiegend gut gelaunt annehmen konnte.


2. Woche Krankenhaus 2.2. – 8.2. (26. SSW)

Eine Woche weiter!!! Ich kenne den Tagesablauf und weiß, wann ich die Möglichkeit für ein Nickerchen habe. Durch die Tokolyse (Wehenhemmer mit Partusisten und Magnesium - 24 Std/Tag „online“) ist mir häufig sehr warm und ich schlafe wenig und schlecht – wo ich doch sonst jederzeit, überall und viel schlafen konnte.

Mein Rücken scheint sich an das gerade liegen gewöhnt zu haben, die Rückenschmerzen und der verspannte Nacken sind weg. Ich versuche, wirklich nur zur Toilette aufzustehen (was jedoch wegen einer bereist abklingenden Blasenentzündung alle 2-3 Stunden ist) und 2 mal die Woche zum duschen. Ansonsten Katzenwäsche, schnell Zähne putzen nach dem Toiletten gang und möglichst auch das essen liegend einnehmen. Das Highlight der Woche ist die Ultraschalluntersuchung. „Dem Baby geht es gut. Die Kleine ist zeitgerecht entwickelt und wird gut versorgt.“ Genauere Angaben bekomme ich nicht. Meine marokkanische Bettnachbarin kann immer noch kein Deutsch, hat aber Mau-Mau spielen gelernt. Ihre Situation hat sich etwas verbessert und sie kann evtl. bald nach Hause.

3. Woche Krankenhaus 9.2.- 15.2. (27.SSW)

Ich motiviere mich täglich selber. Habe mir bei der Einweisung ein Maßband „gebastelt“. Es war am 27.1. genau 82 cm lang, wobei jeder cm für einen Tag bis zur Lungenreife in der 36. SSW steht. Die „Montage“ als Beginn der neuen Schwangerschaft habe ich vorne mit bunten Schmetterlingen beklebt, auf der Rückseite stehen dann das Gewicht und die Größe, bzw. der Kopfumfang und das statistische Gewicht meiner Kleinen.

Jeden Tag schneide ich dann einen cm ab, für den nächsten geschafften Tag…

Ich bin überwiegend noch wirklich gut gelaunt, auch wenn ich davon ausgehen muss, bis zur Geburt hier bleiben zu müssen. Was hoffentlich noch lange dauern wird. Abwechslung bringt die neue Bettnachbarin. Sie hat ein kleines Mädchen (11 Tage über Termin) entbunden. Super süß! Normales Gewicht, normale Größe und gut drauf…

Die Nächte sind jetzt durch das Stillen unterbrochen. Ich lasse mir von meinem Mann Ohrstöpsel mitbringen und kann dann wieder durchschlafen.

4. Woche Krankenhaus 16.2. – 22.2. (28. SSW)

Unsere Kleine wiegt jetzt schon 1200 g und ist etwa 37 cm „groß“. Sie liegt damit im Durchschnitt und gehört nicht mehr zu den extremen Frühchen unter 1000 g…. Das ist schon sehr beruhigend.

Das viele (ganz flach) Liegen zahlt sich offensichtlich aus, denn der Gebärmutterhals hat sich nicht weiter verkürzt. Mit meiner neuen Bettnachbarin – sie ist auch mit verkürztem Gebärmutterhals hier, bekommt jedoch Zwillinge und ist 3 Wochen weiter als ich – kann ich mich gut austauschen.
Wir haben ähnliche Fragen und Befürchtungen, haben aber auch regelmäßig viel Spaß und krümeln uns zeitweise vor Lachen.
Da der Tagesablauf immer gleich ist (ich könnte das CTG schon selbst machen und ebenso die Infusionen alleine wechseln), fangen wir an, etwas rum zu spinnen. Passt natürlich ganz gut in die Karnevalszeit!

Unsere ständigen Begleiter (die Infusomaten) bekommen von uns Namen. Meiner heißt „Otto“ und der meiner Nachbarin „Egon“. Ich muss dazu sagen, dass Otto eher der jüngere, sportliche Typ (3,5 Std. Akku) ist. Egon hingegen ist schon gesetzteren Alters und leicht adipös ;-).
Das Teil ist echt total schwer und piept schon nach fünf Minuten auf dem Weg zur Toilette, weil’s der Akku nicht mehr schafft…

Wir haben nur so zum Spaß überlegt, mit unseren zwei Begleitern mal ein wenig „um die Häuser“ zu ziehen. Wir malen uns aus, wie wir duschen und uns faschingsmäßig schminken und das "kleine Schwarze“ anziehen. Zur Krönung klingeln wir dann die Nachtschwester herbei und fragen, ob es auf der Station nicht ein paar rote Nasen gibt, was sie leider verneint. Sie spielt das Spielchen aber mit und wir überlegen gemeinsam, ob man nicht mal auf der HNO-Station nebenan fragen könnte…


5. Woche Krankenhaus 23.2. – 29. 2. (29. SSW)

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille… Wir lachen zwar auch weiterhin regelmäßig und haben viel Spaß, aber es gibt auch richtige Sch…zeiten. Wir regen uns z.B. ständig über unsere Nachbarinnen im Zimmer nebenan auf, mit denen wir uns eine Nasszelle teilen müssen. Sorry, aber auch wenn hier im Krankenhaus zwei mal täglich die Putzfrauen nach dem Rechten sehen, so sollten doch gewissen Sachen völlig selbstverständlich sein. Wir reden hier von so Sachen wie Klopapier auffüllen (Hand über dem Kopf ausstrecken reicht aus, um die nächste Rolle zu fassen!), nach „kleinen“ Geschäften mal die Klospülung zu betätigen oder bei „größeren“ Angelegenheiten mal die Klobürste zu schwingen. Leider sind die Nachbarinnen recht uneinsichtig und nehmen sich von unserem wirklich netten schriftlichen Hinweis im Bad keinen Deut an…

Schlimmer sind jedoch die massiven „Entzugserscheinungen“, die sich sowohl bei uns Frauen, als auch bei unseren Männern bemerkbar machen. Da stellt man sich die letzte Zeit der Zweisamkeit so schön und harmonisch vor… Statt dessen kriegt die Frau die Krise vom ewigen Liegen und Warten und der Mann vom allein sein und „alles-regeln-müssen“. Heulattacken und laute Auseinandersetzungen vor Gereiztheit bleiben da leider nicht aus.

Dienstagabend, ca. 23:45 Uhr:
Nach dem „Spättelefonaten“ mit unseren Männern haben meine Nachbarin und ich beschlossen zu schlafen. Das Licht ist aus, sie schläft schon fast, aber was jetzt? Die Tür geht auf und der Dienst habende Arzt kommt herein – sehr ungewöhnlich. Er entschuldigt sich für die späte Störung mit der Begründung, im Kreißsaal sei so viel zu tun gewesen. Er kommt dann gleich zur Sache: Mein CTG vom Abend hätte eine Auffälligkeit gezeigt. Ein Abfall der Herztöne, der nur sehr langsam wieder angestiegen sei. Er wolle zur Sicherheit noch ein CTG machen – woraufhin im selben Moment die Hebamme der Nachtschicht hereinspaziert und mir das CTG anlegt. Dieses CTG ist dann zum Glück soweit in Ordnung. Meine Nachbarin und ich sind danach jedoch alles andere als müde. Wir reden uns die Köpfe heiß, denken über die Vornamen der verschiedenen Ärzte nach – die wir natürlich nicht kennen – fangen an abzudrehen und krümeln uns vor Lachen bis ca. 1.30 Uhr. Mit Hustenattacken, Atemnot und alles was dazu gehört ;-). Meine Nachbarin erzählte mir z.B., dass eine Frau aus ihrem Geburtsvorbereitungskurs bei ihrem ersten Kind mit den Geburtsanzeigekarten auch jeweils ein Stück der Nabelschnur mitgeschickt hätte. Im Sinne von „ich packe meinen Koffer“ haben wir dann ein Geburts-Aktions-Paket zusammengestellt, mit Nabelschnur, einem Scheibchen Plazenta, ein Pröbchen Fruchtwasser… Der Hammer kam am nächsten Morgen um 6.30 Uhr, als wir für das Morgen-CTG geweckt wurden. Wir waren natürlich völlig übermüdet!!!

Das Highlight der Woche ist dann wieder die Ultraschalluntersuchung! Diesmal ist es ein anderer Arzt und er hat nicht so gute Nachrichten: Bedingt durch einen bakteriellen Infekt hatte ich mehrfach Wehen. Dadurch hat sich der Gebärmutterhals weiter auf nur noch 12 mm verkürzt.

Außerdem gibt es noch eine andere Neuigkeit: Unsere „Kleine“ wird ein Junge! Mit 1370 errechneten Gramm völlig im Normbereich bringt er trotzdem unser Denken durcheinander. Klar freuen wir uns genauso (mein Mann sogar doppelt!) über einen Jungen, haben uns aber die letzten 10 Wochen innerlich auf ein Mädchen eingestellt. Da heißt es umdenken! Anziehsachen, Spielzeug, Erziehung, Namenswahl… Aber wenn man so lange liegen muss, ist es ohnehin besser offen zu sein, für alles, was kommt und sich nicht auf irgendetwas zu versteifen…

Der letzte Tag dieser Woche ist noch mal etwas Besonderes. 29. Februar im Schaltjahr – da muss doch was Außergewöhnliches passieren. Ca. 6 Uhr morgens werde ich wach, weil draußen im Flur ziemlich viel Hektik ist. Später frage ich nach, was denn los war. Ein Baby hatte es wohl sehr eilig und kam im Auto der Eltern auf dem Weg zum Krankenhaus zur Welt.

Es musste draußen vor dem Krankenhaus abgenabelt werden und wurde dann ganz schnell mit seiner Mama ins Warme gebracht.


6. Woche Krankenhaus 1.-7.3. (30.SSW)

Irgendwie ist das unglaublich. Jetzt liege ich schon so lange hier... teilweise zieht sich die Zeit wie Gummi, manchmal vergeht sie aber auch recht schnell. Besonders langsam vergehen die Tage, wenn ich wieder so sehr mit meiner Magensäure zu kämpfen habe. Das kenne ich sonst überhaupt nicht. Vielleicht bin ich ja deswegen so wehleidig? Ich weiß dann teilweise nicht mehr, was ich noch Essen, bzw. trinken soll, weil mir so übel ist! aber was soll´s, darunter haben ja viele Schwangere zu leiden...

Die Untersuchung am Mittwoch war erst spät am Abend. Ich hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet, wurde dann aber um 21.30 Uhr noch untersucht. Der Computer hat ein Gewicht von 1.550 g und eine Größe (7 x die Oberschenkellänge von 61 mm) von 42 cm errechnet. Das hört sich schon richtig klasse an! Das Highlight ist aber, dass ich die sieben Stufen und ca. 20 m vom Untersuchungsraum zurück LAUFEN darf! Das ist wie Weihnachten, ehrlich!

Am Donnerstag ist mal wieder Wiegen angesagt. Ich bin jetzt bei 72,2 kg und habe insgesamt ca. 11 kg zugelegt. In den letzten sieben Wochen Liegen (1 Woche zu Hause, 6 Wochen KH) waren es 2,5 kg. Ich finde das völlig ok, hatte aber eigentlich mit mehr gerechnet, weil ich ja die ganze Zeit nur liege und kaum was verbrenne... Obwohl, wenn ich es mir recht überlege: Bei den "Oma-Übungen" der Krankengymnastik, wie z.B. Zehen anziehen und Po anspannen verbrauche ich sicherlich ähnlich viele Kalorien, wie bei einem Step-Aerobic-Kurs ;-)
Aber, Scherz beiseite, ich esse einfach nicht mehr so viel, und die Übungen verhindern, dass sich meine Muskeln abbauen. Man wird ja mit der Zeit genügsam.

Am Freitag erschien ein Bekannter meines Mannes in meinem Zimmer. Er, bzw. seine Frau ist jetzt auch Dauergast hier. Sie hat auch einen verkürzten Gebärmutterhals, ihr ET ist einen Tag nach meinem, nämlich am 18.5. und sie soll ein Mädchen bekommen. Mal abwarten, ob der Arzt nicht ebenso wie bei mir auch einen Jungen zaubert ;-)!

7. Woche Krankenhaus 8.-14.3. (31.SSW)

Ich habe seit dem letzten Wiegen 1 kg (jetzt 76,2 kg) abgenommen - ist aber nicht weiter verwunderlich, da ich keinen Appetit mehr habe. Es sind jedoch genug Fettreserven für den Kleinen da, deshalb mache ich mir auch keine Sorgen...

Am Dienstag erlebte ich das Highlight meines bisherigen Krankenhausaufenthaltes: Ich dufte mit dem Rollstuhl nach draußen! Mein Mann fuhr mich (eingepackt in meine dicke Winterjacke) vor den Haupteingang. Er sagte mir, dass er schräg gegenüber schöne Klamotten gesehen hätte, die er mir zeigen wollte. Keine Ahnung, ob wir das versicherungstechnisch durften, aber mein Mann schob mich den Bürgersteig entlang bis zum nächsten Zebrastreifen und dann zu besagtem Klamottenladen-Schaufenster. Hört sich total blöd an, aber normale Leute (ohne weiße Kittel), Autos, Vögel, geschäftiges Alltagsleben zu sehen, das gab mir wirklich neue Kraft! Der Rock und der Pulli (für unsere Verhältnisse echt superteuer mit je ca. 150-200€) sahen klasse aus. Mit Konfektionsgröße 38 konnte ich sie natürlich nicht anprobieren!

Auf dem Rückweg dachte ich nur „hoffentlich dauert das jetzt nicht noch mal sechs Wochen, bis ich wieder raus kann - das halte ich nicht aus!" Dieser Gedanke war dann aber gleich wieder verflogen. Die Bordsteinkante war zu hoch und ich musste einmal aufstehen, damit mein Mann den Rollstuhl auf den Bürgersteig bekam. Ich sagte, ich möchte nicht wissen, wie viele Leute jetzt denken "Hey, das ist Betrug, die kann ja laufen!"

Meine Bettnachbarin hat übrigens ihren "adipösen Egon" von der Bettkante gestoßen, und ihm den Laufpass gegeben. Ihr neuer Egon ist einiges leichter und auch jünger. Mal sehen ob er trotzdem zuverlässig ist...

Wieder Mittwoch - Untersuchungstag! „Pröppelchen" geht es gut! Er hat laut Computerberechnung wieder gut zugelegt und wiegt jetzt 1.850 g. Der Arzt sagte mir aber auch gleich, dass man sich nicht zu sehr auf diese Angaben versteifen solle, da immer ein gewisser Prozentsatz Spielraum wegen der Messtoleranz eingerechnet werden muss. Wie auch immer, mein Baby hat zugenommen und das ist das Wichtigste.

Samstag hatte ich dann den Super-Flash-Tag. Erst habe ich nur geheult. Das dauernde Liegen, die fehlende Intimsphäre, das Alleinsein... all das ist einfach nur deprimierend. Am späten Nachmittag, bzw. frühen Abend kriegte ich dann auch noch heftigste Rückenschmerzen. Sie gingen über Stunden nicht weg, weder Seitenlage noch Rückenlage, sitzen mit Katzenbuckel oder Laufen auf dem Gang änderten daran etwas. Eine der Schwestern bemerkte, dass ich Tränen in den Augen hatte, sprach mich darauf an und rieb dann schließlich meinen Rücken mit einer Salbe ein und gab mir ein wärmendes Kirschkernkissen. Eine wirkliche Erleichterung brachte das aber leider auch nicht. Im CTG waren auf die halbe Stunde verteilt 6 oder 7 Wehen, worauf am Abend die diensthabende Ärztin vorbeikam. Sie tastete den Bauch ab und verabreichte mir ein schmerzstillendes und wehenhemmendes Zäpfchen. Danach konnte ich schlafen und der Rücken schmerzte nicht mehr so.

Diese Woche war ich übrigens etwas mutiger. Bin öfter mal zum Stationsbad schräg gegenüber auf die Toilette gegangen (einfach um mal 10 Minuten aus dem Zimmer zu kommen) oder habe "Die-Nette" im Nachbarzimmer besucht.


8. Woche Krankenhaus 15.3. – 21.3.04 (32. SSW)

Ich habe noch das Gespräch von letzter Woche im Kopf. Da sagte man mir in einer der Visiten, dass bei einem Infekt nicht wieder mit Antibiose therapiert würde, sondern man dann eher eine lokale Therapie anstreben würde. Sollte der Infekt nicht bekämpft werden können, würde man das Kind holen…

Ich fragte den Arzt, ob ich denn eigentlich alles mitnehmen muss, was ich kriegen kann, aber das kann er natürlich auch nicht sagen… Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass ich bei der letzten Behandlung mit Vagihex leichte Blutungen, bzw. rosa Ausfluss hatte, woraufhin er ein anderes Zäpfchen, nämlich Traumasept veranlasst.

Am Dienstag wollte ich mir eigentlich noch einmal die Neonatologie (Frühgeborenenintensivstation) anschauen. Klappte aber leider nicht, da wegen mehrerer Kaiserschnitte ziemliche Hektik war.

Supertolles Frühlingswetter am Mittwoch! Natürlich möchte ich gerne raus. Ich bekomme die Erlaubnis mit Rollstuhl und Partusistentablette (Wehenhemmer) frische Luft zu schnuppern, was ich dann auch mit meinem Schatz ausgiebig genieße! Psst, nicht verraten – ich habe für die Zeit meine Anti-Thrombosestrümpfe ausgezogen. Meine Güte, das war so warm draußen. Die 18° oder 20° haben mir auch ohne Strümpfe zugesetzt. Ich möchte ehrlich gesagt nicht so lange im Hochsommer im Krankenhaus mit dem anheizenden Wehenhemmer zubringen müssen. Hut ab, vor allen Frauen, die das in der Superhitze aushalten müssen!

Am Abend dann zum ersten Mal die Ultraschalluntersuchung von einer Ärztin. „Pröppelchen“ geht es gut. Er hat wieder zugenommen und liegt jetzt bei errechneten 1.940 g. Kommt mir mit „nur“ 100 g in der einen Woche recht wenig vor, aber man soll sich ja nicht so auf die Zahlen versteifen…

Die Visiten ergeben nichts Neues.

Ob die Keime, die beim letzten Abstrich entdeckt wurden wirklich einen Infekt auslösten ist noch nicht ganz raus. Das Blutbild ergab gute Werte, die Auswertung des neuen Abstriches steht noch aus.

Ich weiß, das glaubt mir jetzt kein Mensch, aber ich hab totalen Muskelkater in Oberschenkeln und Po. Wovon? Keine Ahnung!!! Vielleicht von zwei Mal täglich ins Stationsbad laufen? Na ja, das sind ja immerhin vom Bett aus 10 oder 12 Meter…

Aus meinem Besuch auf der Neonatologie wird wohl diese Woche nichts mehr, aber einen Grund zur Freude habe ich trotzdem. Eine gute Freundin ruft mich jeden Tag an. Sie sagte mir nun, sie habe mit ihrer Mutter gesprochen und die würde mir ein schönes Baby-Klamotten-Paket zusammenstellen. Ich könne die Sachen behalten und was mir nicht gefällt verkaufen oder in die Kleidersammlung geben – Geld will sie dafür nicht haben. Ich hab echt angefangen zu heulen vor Freude, als sie mir das sagte…

Jetzt brauchen wir uns nur noch nach Autositz und Kinderwagen umschauen. Aber selbst das meinte sie, wenn ich nichts finde würde sie sich diesbezüglich mal umhören. Auf echte Freunde ist halt Verlass – auf die Familie leider nicht immer!


9. Woche Krankenhaus 22.3. – 28.3.04 (33. SSW)

Tja, meistens kommt es anders als man denkt!

22.3.04, 14.02 Uhr: Der Kleine ist da!!!

Nun aber der Reihe nach…

Montag, 5.15 Uhr, ich gehe zur Toilette, alles völlig normal. Ich schlafe schnell wieder ein und werde um 6 Uhr erneut wach. Was ist denn jetzt los?! Ich liege in einer „Pfütze“ und denke „das ist Fruchtwasser“! Leichte Panik steigt in mir auf, ich klingele nach der Schwester.

Kurz darauf kommt jemand vom Kreißsaal. Es wird ein Teststreifen vorgelegt, um zu sehen ob es Fruchtwasser ist und das CTG-Gerät wird angeschlossen.

Langsam beruhige ich mich ein wenig. Der Kleine hat immerhin 32 Wochen geschafft und ganz gute Chancen. Ich rufe meinen Mann an, d.h. ich versuche es! Ich kriege ihn weder übers Handy, noch übers Festnetz. Als letzte Möglichkeit rufe ich meine Nachbarin an, die meinen Schatz rausklingeln muss…Er ruft mich direkt zurück und ich sage ihm, dass die Fruchtblase (Am Weltwassertag!) geplatzt ist. Er soll sich bereithalten – je nachdem was die Untersuchung ergibt – zu kommen.

Ich werde mit dem kompletten Bett ins Untersuchungszimmer gefahren. Die Wehen, die ich inzwischen habe sind muttermundswirksam! Der Muttermund ist bereits 2 cm geöffnet und ich rufe meinen Schatz an, dass er kommen soll! Er ist dann auch ca. 45 Minuten später gegen 9 Uhr im Kreißsaal.

Ich habe schon recht ordentlich-heftige Wehen, etwa alle 3-4 Minuten, aber der Muttermund öffnet sich bis 10.30 Uhr nur auf ungefähr 3,5 cm. Die Oberärztin empfiehlt mir eine PDA. Davor habe ich unglaublich viel Angst! Nicht wegen dem Piekser, oder so Nebenwirkungen wie Kopf- oder Rückenschmerzen. Nee! Ich denke mir nur, so viel Pech, wie wir in den letzten Jahren hatten, bin ich die Eine von zwei Millionen Frauen, die eine PDA bekommt und das Krankenhaus im Rollstuhl verlässt… Nach viel zureden durch den Anästhesisten bin ich etwas beruhigt und stimme zu. Ich soll dadurch entspannter sein, was dazu beiträgt, dass sich der Muttermund schneller öffnet und die Geburt zügiger abläuft, was dann natürlicherweise weniger anstrengend für unser Pröppelchen ist!

So, wie es um 11 Uhr aussieht, darf ich „spontan“ entbinden – in Anbetracht von 9 Wochen (1 Woche zu Hause + acht Wochen Krankenhaus) liegender Wartezeit ein absurden Begriff! Sollte jedoch ein Kaiserschnitt notwendig werden, kann über die PDA ein stärkeres Mittel gegeben werden, aber daran denke ich jetzt nicht!

Das Legen der PDA dann völlig unspektakulär! Habe mir den ersten Piekse unter die Haut als leichten Schmerz gemerkt, den zweiten Einstich habe ich lediglich noch als Druck wahrgenommen. Das Mittel wirkt bald und ich bin zunehmend relaxter, mache Scherze und bin am Grinsen. Als die Oberärztin um 13.30 Uhr das nächste Mal den Muttermund abtastet, ist sie sehr überrascht. Er ist bereits auf 9 cm geöffnet, was bei dem vernarbten Konisationsgewebe nicht selbstverständlich ist. Ich frage sie, wie lange der Rest jetzt wohl noch dauert.

Die präzise Antwort: Zwischen 10 Minuten und 1 Stunde! Mein Mann entscheidet sich glücklicherweise nicht, noch eine Zigarette zu rauchen, denn nur fünf Minuten später habe ich ein wahnsinniges Druckgefühl. Trotz PDA tut das nun weh. Die Ärztin lächelt und meint, ich sollte in der nächsten Wehe pressen, wenn ich wieder so ein Druckgefühl habe. Sie macht einen Dammschnitt, um den Druck auf das Köpfchen zu reduzieren. Ich tu meine möglichstes und nach drei oder vier Presswehen ist der Kleine da! Er liegt vor mir, klein und rot! Der Mund wird abgesaugt, er fängt an zu schreien. Ich habe Tränen in den Augen! Ich streiche ihm über den Kopf und sage ihm, dass er das ganz prima gemacht hat. Sie bringen ihn direkt ins Nebenzimmer, zur Untersuchung, wo schon die Kinderärzte warten. Mein Mann geht mit. Ich liege weiterhin auf dem Kreißbett, bekomme eine örtliche Betäubung, damit der Dammschnitt genäht werden kann. Mein Körper ist im Kreißsaal, aber meine Gedanken sind die ganze Zeit bei unserem Pröppelchen. Geht es ihm gut, was machen sie mit ihm, wann kann ich endlich wieder bei ihm sein?

Ich presse die Nachgeburt heraus und sie wird untersucht. Die Hebamme dehnt die Fruchtblase und zeigt mir, wo, bzw. wie der Kleine darin lag.

Etwa zehn Minuten später bringt die Kinderärztin den Kleinen noch einmal kurz herein. Sie sagt, es geht ihm gut und er darf wenige Minuten auf meinem Bauch liegen. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl! Da liegt der kleine Schatz, auf den wir so lange gewartet haben in meinen Armen. Ich laufe fast über vor lauter Glück! Der Kleine genießt es offensichtlich auch, auf meinem Bauch zu liegen, er ist völlig ruhig. Mein Mann und ich schauen ihn unentwegt an und schweben im siebten Himmel.

Dann fängt die Kinderärztin an zu drängeln: Der Kleine muss zur Neo, es ist für ihn im Kreißsaal zu kalt.

Sie nimmt ihn von meinem Bauch und er beginnt lauthals zu protestieren. Ich sage zu meinem Mann, er soll unseren Schatz begleiten und nicht aus den Augen lassen.

Bei mir steht noch das Nähen an. Es ist nicht angenehm, aber ich bin in Gedanken eh woanders…

Ich muss noch zwei Stunden im Kreißsaal liegen, zur Beobachtung. Ca. 16.30 Uhr werde ich aufs Zimmer zurückgebracht. Große Überraschung: Die Zwillingsmama hat jetzt auch Wehen!

Ich rufe einige Leute an, um sie über die Geburt zu informieren. Um 18 Uhr darf ich dann endlich mit dem Rollstuhl zur Neo.

Unser Pröppelchen liegt im Brutkasten, hat eine Magensonde durch die Nase und eine Glucose-Kanüle in der rechten Hand. Er sieht ziemlich verkabelt aus, ist aber stabil. Herztätigkeit und Atmung sind gut. Der Kleine hat für sein Alter bereits ein gutes Gewicht. Er wiegt 2290 g, ist 44 cm groß, hat dichte dunkelblonde Haare und ist natürlich ;-) das süßeste Baby der ganzen Welt!!!

Irgendwie bin ich ganz froh, dass das warten ein Ende hat und der Kleine wohlbehalten angekommen ist. Andererseits, wenn ich ihn da so liegen sehe, mit all den Kabeln hätte ich gerne noch zwei oder drei Wochen liegend in Kauf genommen…

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