Grundlegendes zur Unfallvermeidung

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Dieser Artikel bezieht sich auf Unfallrisiken im Haushalt. Unfallrisiken, die mit unsicheren Kinderprodukten einhergehen, werden hier nicht behandelt.

Wieviel man in der Wohnung umräumt, wenn das erste Kind mobil wird, hängt von der persönlichen Schmerzgrenze der Eltern und der Ausräumfreudigkeit des Kindes ab – generell ist es für alle Seiten angenehmer, Dinge außer Reichweite zu räumen, die das Kind nicht haben soll, als ständig an ein „Nein!“ zu erinnern. Grundsätzlich ist es auch ratsam, die  unteren Bereiche der Schränke und Regale so einzuräumen, dass das Kind sie wieder ausräumen darf: In der Küche können z.B. Becher, Schüsseln und Näpfe aus Plastik, einige Töpfe, Kochlöffel etc. in einem Schrank in für das Kind erreichbarer Höhe gelagert werden und frei zur Verfügung stehen.

Es ist über diese persönliche Schmerzgrenze hinaus sicherlich nicht nötig, alles und jedes in der Wohnung wegzuschließen, um Unfälle zu vermeiden. Vielfach ist es sinnvoller, dem Kind den richtigen Umgang mit potenziell gefährlichen Dingen beizubringen, damit es nicht in einem unbeobachteten Moment die Gunst der Stunde nutzt und das total Verbotene ausprobiert – Herdplatten anstellt, zündelt oder Messer ausprobiert.

Einige Punkte sollten aber beachtet werden, weil sie schnell zu gravierenden Unfällen führen können.


Vergiftungen vorbeugen:

  • Nicht zu unterschätzen: die Gefahrenquelle Putzschrank. Für Spülmittel, Essigreiniger, Waschmittel, Scheuerpulver, Glasreiniger etc. gibt es aus gutem Grund die Empfehlung, sie nicht für Kinder erreichbar zu lagern. Also entweder hochstellen oder den Schrank sichern.
  • Gleiches gilt für hochprozentigen Alkohol, falls vorhanden.
  • Giftige Pflanzen weit außer Reichweite stellen oder weggeben.
  • Es ist günstig, die Nummer des örtlichen Giftnotrufs am Telefon einzuspeichern oder gut sichtbar zu notieren. In der Hausapotheke sollten Saab simplex und medizinische Kohle (Pulver) gelagert werden: Wenn man im Falle eines Vergiftungs-Verdachts beim Giftnotruf anruft, wird von dort je nach Vergiftungsart häufig das eine oder das andere als Erstmaßnahme empfohlen.

Verbrennungen / Brandunfällen vorbeugen:

  • Feuermelder installieren! Wenn die Möglichkeit besteht, auch einen Feuerlöscher. Zimmerbrände breiten sich oft schnell aus, besonders wenn z.B. Vorhänge aus leicht brennbaren Kunstfasern bestehen.
  • Mit den Kindern den Umgang mit Streichhölzern und Kerzen üben, immer unter Aufsicht. Streichhölzer sollten außer Reichweite der Kinder gelagert werden, aber die Kinder sollten genügend Gelegenheit erhalten, den Umgang damit zu üben. Heimlich gekokelt wird am meisten, wenn es nie erlaubt ist.
  • Eine Vorführung von Brandabläufen etwa beim Feuerwehrfest kann Kinder mehr beeindrucken als die schärfsten Warnungen.
  • Keine flüssigen Grillanzünder verwenden, wenn Kinder anwesend sind.
  • Überstehende Topf- und Pfannenstiele beim Kochen immer zur Seite drehen, so dass das Kind nicht von unten danach greifen und den Inhalt auf sich schütten kann.
  • Heiße Flüssigkeiten (Tee, Kaffee) werden oft zur Gefahrenquelle. Das wird oft unterschätzt. Auch Kabel von Wasserkochern sollten nie so liegen, dass das Kind damit versehentlich den Wasserkocher zum Kippen bringen kann. Gleiches gilt für Fritteusen, elektrische Fondues etc.
  • Kindern zeigen, wie sie bei einer Herdplatte prüfen können, ob sie warm ist: Immer nur mit dem Handrücken testn, nie die Handfläche nehmen.

Elektrischer Strom

  • Die Gefährlichkeit von elektrischem Strom ist für Kinder zu abstrakt. Steckdosen sollten deswegen unbedingt gesichert werden! Es gibt herausnehmbare Sicherungen und solche, die die Löcher von innen verdecken und mit dem Stecker in einer Drehbewegung beiseitegeschoben werden müssen. Für nahezu jedes Steckdosen-Modell gibt es eine kindersichere Variante im Baumarkt. Auch Ladekabel von Handys und Laptops sollten nicht eingesteckt frei zugänglich liegen.
  • Dem Kind erst dann eine Lampe mit Kabel an den unbeaufsichtigten Basteltisch stellen, wenn es vernünftig genug ist, nicht mit der Bastelschere das Kabel zu bearbeiten.

Messer und Scheren:

  • Verletzungen von stumpfen Schneidemessern verursachen schlimmere Verletzungen als solche von scharfen.
  • Gerade mit Messern kann man den Umgang auch sehr früh schon üben, z.B. indem man unter Aufsicht Gemüse und Obst schneiden lässt.
  • Zum Transport: Den Kindern beibringen, Messer und Scheren nur mit der Spitze nach unten zu tragen. Und Messer oder Schere erst auf den Tisch zu legen, dann auf den Stuhl zu klettern oder umgekehrt erst herunterzuklettern, dann das Messer aufzunehmen.

Türen und Fenster:

  • Nie hinten in Türangeln greifen lassen!
  • Als Erwachsener die Tür nie zuknallen, so schnell sind mal die Kinderfingerchen dazwischen!
  • Ganz besonders fiese Türen, etwa schwere Kellertüren aus Stahl, kann man mit einem Seil um beide Klinken sichern, so dass sie nicht zufallen können. Es gibt im Handel alternativ  die sog. Zufall-Stopper, die oben an der Tür angebracht werden. Auch diese verhindern das Zufallen der Türe.
  • In vielen Wohnungen gibt es Zimmertüren mit Glaseinsatz. Wenn es sich dabei um "Billigglas" handelt und ein Kind beim Spielen dadurchfliegt (gar mit dem Kopf zuerst ), kommt es natürlich zu übelsten Verletzungen. Also: Wenn Türen mit solchen Glaseinsätzen in der Wohnung vorhanden sind, mit Splitterschutzfolie oder Milchglasfolie bekleben!
  • Je nach Wohnsituation sind abschließbare Fenstergriffe im Kinderzimmer zu erwägen.

Sonstiges:

  • In letzter Zeit häufen sich übelste (Hand-) Verletzungen, verursacht durch Sturz in Riesenlaternen oder Windlichter, wie sie gerne mal vor Haustüren stehen: Das Kind rennt auf Haustür zu, stolpert (z.B. eine Stufe hoch) und landet mit den Händen im Glas des Riesenwindlichts. Wenn Kinder im Haushalt leben, dann weg mit den Windlichtern in den Keller!
  • Regale, die nicht vom Inhalt sehr ausreichend beschwert werden, fest mit der Wand verbinden - viele Kinder ziehen sich daran hoch.
  • Keine losen Schnüre hängen lassen, z.B. von Rollos - Erstickungsgefahr!
  • Notfälle mit Kindern auch mal durchsprechen, bei Zeiten 112 zeigen, etwa mit dem Merkspruch „Eins (einen Daumen heben) – eins (den zweiten Daumen heben) – zwei (beiden Daumen zusammenführen) – Hilfe kommt herbei!“ Ggf. den Notruf im Telefon einspeichern und den Kindern erklären, wie sie die Kurzwahltaste benutzen können, damit sie im Falle eines Falles nicht schreckensstarr sind, sondern etwas tun können - oder jedenfalls das Gefühl haben, etwas tun zu können.

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