Anders als geplant, aber gut (stationäre KH-Geburt, Kaiserschnitt)

Ich hatte mir eine natürliche Geburt ohne medizinische Einwirkung gewünscht - gekommen ist es etwas anders, aber lest selbst:

Bei ET+4 hatte ich ein CTG im Spital bei meiner Beleghebamme. Die Herztöne waren wie immer sehr gleichmässig und erst nach diversen Weckversuchen (meistens recht heftig während der vaginalen Untersuchung) waren "normale" Herztöne aufzuzeichnen. Da die beiden CTGs vorher auch schon so waren, machte ich mir keine Sorgen, meine ansonsten sehr entspannte Hebamme (30 Jahre Berufserfahrung...) redete schon seit Tagen vom Einleiten.
Dann maß sie meinen Blutdruck, der zum ersten Mal überhaupt zu hoch war. Da wurde die Hebamme doch nervös und empfahl mir einen Ultraschall, Blutdruckmedikamente und eine sanfte Einleitung mit einem Bändchen vor dem Muttermund (keine Ahnung was das genau ist..), mit dem ich aber wieder nach hause gedurft hätte. Ich lehnte alles ab.

Auf dem Rückweg am späten Nachmittag hatte ich die ersten regelmäßigen, aber noch sanften Wehen. Sie wurde immer etwas stärker und abends verlor ich dann den Schleimpfropf. Ich war aufgeregt und freute mich auf die Geburt. Seit dann spürte ich ab und an ein Tröpfeln, was sich nachher als hoher Blasenriss herausstellte.

In der Nacht konnte ich die Wehen noch gut veratmen und schlief ab und an sogar noch ein bisschen. Ich war überzeugt, dass mein Kind am nächsten Tag auf die Welt käme, mein Mann schickte seine Stellvertreterin zur Arbeit und wir warteten gespannt auf die weitere Entwicklung. Es tat sich nicht extrem viel... Die Wehen kamen so alle 5 bis 20 Minuten, mal stärker, mal schwächer und mir war klar, dass ich damit das Kind nicht auf die Welt bringe.
Erst abends um 23 Uhr wurden sie deutlich stärker, so dass ich sie vertönen musste. Der Zeitabstand blieb allerdings gleich unregelmäßig. Um 2 Uhr nachts weckte ich meinen Mann, weil ich Unterstützung brauchte. Seine Anwesenheit ließ mich sofort wieder ruhiger werden. Ich lag unterdessen in der Badewanne und fühlte mich dort sehr wohl. Um 4:30 Uhr haben wir unsere Hebamme angerufen, nachdem ich aus der Wanne gekommen war und eine halbe Stunde lang alle 5 Minuten starke Wehen hatte.
Obwohl sie meinte, dass ich doch noch ein wenig zu Hause bleiben sollte, fuhren wir los, ich fühlte mich zuhause nicht mehr wohl (spannend, eine Hausgeburt hatten wir ja zuerst auch in Betracht gezogen...).

Im Spital angekommen waren meine Wehen weg, der Muttermund bei 1-2cm (beim letzten CTG war er bei 1cm gewesen!), aber sehr weich. Wir entschieden uns für einen Wehentropf, vor dem ich riesigen Respekt hatte und deshalb gleichzeitig ein Schmerzmittel verlangte. Das lag bereit, ich konnte es nach Bedarf verlangen (das tat ich später auch, aber erst nach 1-2 Stunden). Die Wehen waren aber VIEL harmloser als die zuhause, aber effektiv. Nach ca. 4 Wehen (die ich wieder nur veratmet habe, nicht vertönt..) war der Muttermund bei 4cm. Juhee! Die Fruchtblase, bzw. der Rest davon platzte bei der Untersuchung. Die Hebamme war leicht besorgt, weil das Fruchtwasser grün war.

Nun ging es wirklich los... ich bedankte mich herzlich beim Wehentropf und stieg voller Freude in die Geburtswanne. Die Eröffnungsphase emfand ich als angenehme, anstrengende Arbeit, ich konnte ich mich zwischendurch super entspannen und meine Techniken aus der Geburtsvorbereitung sehr gut anwenden. Mein Mann war dabei auch eine tolle Unterstützung, er reichte mir immer wieder Wasser und wusch meine Arme und meinen Kopf mit kühlem Wasser ab.

Nach einer Hammerwehe (sie dauerte ca. 5 Minuten... huch.. danach kribbelte mein ganzer Körper vom Sauerstoffüberschuss) war der Muttermund vollständig eröffnet, dies nach ca. 3-4 Stunden.
Nun ging es weiter mit der Pressphase, welche ich anfangs als sehr angenehm empfand. Meine Hebamme leitete mich gut an und ich konnte gut schieben. Nur leider tat sich nichts, auch nach ca. 1,5 Stunden nicht. Der Kopf saß unvermindert hoch und rutschte keinen Milimeter runter. Die Hebamme versucht ein wenig zu helfen, ohne Erfolg. Sie versuchte mich zu diversen Stellungswechseln zu bewegen, aber ich konnte nur einmal auf die Knie, alles andere schien mir viel zu anstrengend.

Dann musste ich raus aus der Wanne, die Herztöne meines Kindes gingen nun bei jeder Wehe runter und es musste etwas geschehen. Wir wechselten auf die Toilette, da waren die Wehen auszuhalten, aber es war kein CTG möglich, was unterdessen wichtig war. Danach gings aufs Gebärbett wo die Herztöne nur in rechter Seitenlage gut waren. Für mich war diese aber eine Katastrophe, aber da musste ich nun durch, meinem Kind zuliebe. Ich konnte die Wehen überhaupt nicht mehr verarbeiten.. aber immerhin rutschte der Kopf nun einige Milimeter runter.
Ich wurde gefragt, ob für mich der Einsatz einer Saugglocke in Frage kämen, dem stimmte ich sofort zu. Ich wusste, das Kind muss nun raus... Die Glocke konnte nur unter der Wehe angehängt werden, wenn der Kopf etwas tiefer war. Auch mir der Hilfe des Vakuums rutschte der Körper einfach nicht hinterher.
Die Herztöne des Kindes gingen nun während der Wehen massiv runter. Einmal rutschte die Glocke ab, all die Sachen bekam ich nur am Rande mit. Es fiel mir schwer noch mit ganzer Kraft mitzupressen, ich war einfach zu erschöpft. Nach 3-4 Versuchen (mit großen Abständen, der Wehentropf half meinem erschöpften Körper nun auch nicht mehr) hatte ich plötzlich ein Bauchgefühl, dass dies nicht der richtige Weg ist. Ich versuchte irgendwie Kraft zu sammeln um meinen Wunsch nach einem Abbruch des Versuchs mitzuteilen, da meldete sich mein Mann und erklärte, dass wir nun damit aufhören und einen Kaiserschnitt machen. Solch einen Geburtshelfer wünscht man sich, mir kommen jetzt noch die Tränen, weil ich ihm dermaßen dankbar für seine Entscheidung bin und stolz darauf, dass wir ohne Worte kommunizieren können.

Da ging es plötzlich sehr schnell und innerhalb von 10 Minuten hatte ich eine Spinalanästhesie und unser Sohn war geboren. Mir ging es sehr gut und ich war schon wieder zu Scherzen aufgelegt.

Unser Sohn hatte anfangs etwas Mühe mit Atmen, aber mit ein wenig Unterstützung kam er sofort in unserer Welt an. Apgar 7/9/10, er war 51cm gross und 4010g schwer.
Einen Grund, wieso er nicht runterrutschte fand man nicht - die Lage war normal, der Kopf mit 36cm nicht zu gross für mein Becken, die Nabelschnur war auch nicht umschlungen.
Den Grund für die schlechten Herztöne fand man aber, er war an ET+6 massiv übertragen, das Fruchtwasser dick und grün wie Erbensuppe und die Plazenta voller Infarkte... ein Glück, dass er so gesund und munter war, wir sind sehr dankbar.
Vermutlich war er einfach kraftlos und konnte deshalb nicht mehr mithelfen.

Ich konnte 15 Minuten nach der Geburt wieder in den Gebärsaal, wo mein Mann das Baby auf der nackten Brust hatte. Schon wieder ein Lob in seine Richtung: wir haben uns nie über die Möglichkeit eines Kaiserschnitts unterhalten und er hat einfach alles richtig gemacht. Ich bekam das Kind bei mir auf die Brust und schon bald konnten wir die ersten Stillversuche machen.

Meine Hebamme war übrigens sehr traurig, dass wir die Geburt nicht natürlich zu Ende bringen konnten, weil ich es mir doch sehr gewünscht hatte. Aber interessanterweise war es für mich völlig in Ordnung und wer weiß, wie es ansonsten geendet hätte. Der Gedanke an eine weitere halbe Stunde mit Vakuum lässt mich heute noch schaudern, das hätte ich nicht mehr geschafft.
Wenn Samuels Zustand besser gewesen wäre, dann hätten wir einfach weiter gemacht ohne Vakuum, aber so war es halt nicht. Kraft geraubt hat mir ja erst die unangenehme, aber richtige Seitenlage auf dem Gebärbett.

Wir verbrachten die nächsten fünf Tage im Familienzimmer im Spital, ich durfte schon am Tag nach dem Kaiserschnitt wieder aufstehen und war den Umständen entsprechend fit. Heute, 12 Tage nach der Geburt geht es mir wirklich sehr gut, ich habe keinerlei Schmerzen und die Narbe sieht super aus.
Auch wenn das nicht die Geburt war, die ich mir ursprünglich gewünscht hatte, fühlt sich alles richtig und stimmig an. Ich konnte von Anfang an alles selbst bestimmen und meine Geburtsbegleiter wären jeden Weg, der auch für mein Kind möglich gewesen wäre, mit mir gegangen.
Auch die Wochenbettzeit im Spital war eine tolle Erfahrung für mich. Wir wurden unterstützt, wenn nötig (z.B. beim Stillen) und man ließ uns machen, wenn wir selbst klar kamen. Es gab keinerlei Stress zum Thema Gewichtsabnahme oder Gelbsucht, es war einfach nur schön.

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