Das erste Jahr mit Baby... (stationäre KH-Geburt, Kaiserschnitt)

Das erste Jahr mit Baby - und nichts ist mehr so wie es einmal war!

Folgende Zeilen sind teilweise gar nicht so erfreulich wie manch andere Berichte - sie waren auch nicht ganz so einfach aufzuzeichnen. Aber es gibt nun einmal nicht nur angenehme Geburtserlebnisse. Und dies ist meine Geschichte:  

Was haben wir uns den Kopf zerbrochen.... und am Ende kam doch alles ganz anders als wir uns das ausgemalt hatten....

*Uhrzurückdreh* Thomas war ein Wunschkind! Über zwei Jahre hatte ich damals die Pille schon abgesetzt. Irgendwann machte sich auch mal ein Anflug von Verzweiflung breit. Es muss doch endlich klappen.... Temperatur messen: wann ist der Eisprung? Wie sollen wir da überhaupt zu einem Kind kommen? Wir beide haben extrem stressige Jobs. Unser Lebenswandel ist auch nicht gerade der gesündeste. Und unter diesen Bedingungen soll ein Kind entstehen? Dann auch noch der Hausbau! Rund um die Uhr im Einsatz. Von der Arbeit nach Hause, in die Dreckklamotten rein und ab auf den Bau. Man möchte ja schließlich die Doppelbelastung Miete und Hausfinanzierung so kurz wie möglich halten. Tja, und in der absolut stressigsten Endausbauphase unseres Eigenheimes entstand dann unser Sohn. Wir konnten es kaum glauben, aber es war tatsächlich so!

Die neun Monate vergingen wie im Flug. Ich hatte eine sehr unkomplizierte Schwangerschaft und die Werte waren auch immer bestens! Wir besuchten einen Geburtsvorbereitungskurs für Paare. Sehr interessant, aber es wurde auch alles irgendwie schöngeredet. Über das Stillen hatte ich mich eigentlich nicht so arg informiert. Ich dachte, das lass ich auf mich zukommen - das klappt schon!

Und dann kam die Geburt: 6 Tage vor dem errechneten Termin hatte ich nachts einen Blasensprung ohne Wehen. Im Krankenhaus wurde die Geburt dann eingeleitet, da sich auch nach ein paar Stunden keine Wehen einstellten. Irgendwann wurden die Herztöne des Babys während der Wehen schlechter, so dass man sich für einen Kaiserschnitt entschied. Ich fiel erst mal aus allen Wolken! Ich - der Nadelschisser hoch drei! Dann auch noch eine Operation! Mir hat schon immer das Blutbild bei der Frauenärztin gereicht! Ich war fertig mit der Welt und wollte nur noch heim. Aber das ging nicht. Das Baby musste ja irgendwie raus! Tja... eine schöne Geburt sollte es werden, und ein Trauma war und ist es bis heute für mich! Ich kam mir vor, wie wenn ich ein dickes Brett vorm Kopf hatte durch das ich alles erlebte. Als man mir das Baby zeigte war mir das eigentlich egal! Sie hätten mir vermutlich auch ne kleine Miezekatze zeigen können - ich stand ungefähr zehn Kilometer daneben! Keine Ahnung wie das Foto zustande kam von mir und unserem Sohn nach der Geburt. Nur gut, dass mir mein Mann nicht von der Seite wich - sonst hätte ich es vermutlich nicht gepackt, weil ich es mir ganz anders vorgestellt hatte!

In den ersten zwei Tagen bekam ich ständig Infusionen. Das war einfach nur schlimm! Die Narbe schmerzte, und immer wenn sie mir das Baby zum anlegen brachten, musste ich höllisch aufpassen, dass die Infusionsnadel nicht rausrutschte (ist trotzdem leider zweimal passiert). Aber immerhin konnte ich ihn kurz nach der OP schon stillen! Die Kinderschwestern waren wirklich sehr hilfsbereit und kompetent! Das gesamte Personal hatte immer ein offenes Ohr und freundliche Worte für die Wöchnerinnen parat.

Ja - und dann fiel ich in ein tiefes Loch! Ohne Boden! Im Krankenhaus schon war mir nur noch zum heulen zumute. Als wir dann nach Hause kamen, wurde alles noch um ein vielfaches schlimmer. Ich hatte Panik, dass ich mit dem Baby nicht zurechtkomme. Dass ich seine Zeichen nicht verstehe, wann er essen, schlafen, kuscheln möchte. Was ja auch wirklich nicht einfach war am Anfang! Die Nächte waren extrem! Er wollte nachts einfach nicht schlafen. Ich aber war hundemüde! Mein Mann ebenso (er war ja auch erst Vater in Ausbildung und hatte genauso wenig Schimmer von der Sache wie ich).

Tagsüber heulte ich oft ohne ersichtlichen Grund los - mein Mann wusste schon nicht mehr, wie er mich anschauen sollte, weil mir gleich die Tränen kamen. War natürlich auch nicht sonderlich förderlich für den Umgang mit dem Neugeborenen wenn die Mami ständig am flennen ist! Kurzum: Babyblues extrem! Warum wird soetwas totgeschwiegen? Warum sagt einem keiner, was da eigentlich auf einen zukommt? Wieso sprechen alle immer nur über die schönen Seiten der Geburt und der ersten Zeit danach? Warum gibt keiner gerne zu, dass er vom Babyblues heimgesucht wurde? Passt es nicht in unsere Gesellschaft, auch einmal Schwächen einzugestehen? Nur so kann ich es mir erklären, warum im Vorfeld keiner auch nur ein Sterbenswörtchen darüber verloren hat. Irgendwie schade - mir hätte es vermutlich sehr geholfen, wenn ich mich darauf hätte vorbereiten können. Im Nachhinein stellte sich nämlich heraus, dass es sehr viele junge Mütter mit ähnlichen Situationen kurz nach der Geburt gibt! Nur gibt es keine zu, die sich akut in dieser Lage befindet!

Ja - und dann kamen die diversen Stillschwierigkeiten: wunde Brustwarzen, deshalb Angst vorm Anlegen, später dann hat ein Blutgerinsel einen Milchkanal verstopft, was extrem schmerzhaft war, bis sich das gelockert hat und ausgetreten ist. Ich überlegte mehrmals abzustillen. Aber ich wollte unbedingt die sechs Monate durchhalten. Krampfhaft hielt ich mich an folgendem Spruch fest: Was sind ein paar Monate Zähne zusammenbeißen für mich, gegen ein ganzes Leben meines Sohnes! Und so hielt ich das erste halbe Jahr auch durch. Dann war Weihnachten. Und die Feiertage. Hm... da stillt man nicht ab. Mit Beikost haben wir mit ca. 7 Monaten angefangen. Ganz langsam - immer in Kombination mit Mumi. So war ich immer ca. zwei bis drei Monate hinter den "Empfehlungen" auf den Packungsangaben her. Was aber nicht weiter schlimm war - unser Sohn gedieh prächtig und war ein sehr selbstbewusstes, aufgewecktes Kerlchen. Im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Babys war er immer ein bis zwei Entwicklungsschritte voraus! Kommentar unseres Kinderarztes bei der U6: "Der strotzt ja geradezu vor Selbstbewusstsein!" - er hat das komplette Sprechzimmer auf den Kopf gestellt und eingehend die Werkzeuge des Docs untersucht !*g*

Inzwischen ist er fast zwei Jahre alt und wir stillen immer noch abends zum einschlafen und morgens als erster Imbiss vor dem eigentlichen Frühstück. Wer hätte das gedacht? Ich nicht! *lach* Wenn mir das jemand vor eineinhalb Jahren gesagt hätte, den hätte ich glatt für verrückt erklärt! Die Zeiten ändern sich! Sehr schnell sogar, wenn man ein Baby hat!

Das mit dem Babyblues ist jetzt ziemlich vorbei. Ab und zu packt es mich noch und dann muss ich mal zwei Minuten Heulpause einlegen. Danach geht's mir aber wieder schnell besser. Kein Vergleich zum Anfang! Auch die Unsicherheiten haben sich ziemlich in Luft aufgelöst. Neue Situationen gibt es zwar immer wieder, aber inzwischen geht man doch mit einer gewissen Routine ans Werk.

Fazit: unser Sohn ist eine wahnsinnige Bereicherung in unserem Leben, und wir könnten uns ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen!

Nur: mit einem Geschwisterchen sieht es nicht so arg rosig aus: das Trauma Sectio hat sich festgefressen in meinem Kopf! Leider!

Xantina

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