Was tun, wenn man am liebsten brüllen möchte?

 

 

Wer kennt diese Situation nicht: Man war geduldig, man hat erklärt, man hat es bereits zehnmal wiederholt. Und jetzt nähert man sich langsam aber scheinbar unausweichlich dem Moment, in dem man explodieren wird. Man fühlt es bereits herankriechen, der erste Schrei lauert schon am Grund der Kehle - aber hat man sich nicht gerade erst heute Morgen geschworen, dass das auch anders gehen muss?
Vielleicht funktioniert es so:

1. Atme fünfmal tief durch. Konzentriere dich darauf, wie die Luft in deine Lungen strömt und deinen Körper wieder verlässt.

2. Schrei in ein Kissen.

3. Verlasse die Situation. Geh in ein anderes Zimmer, schließ die Tür hinter dir, schließe ggf. ab. Iss ein Stück Schokolade, lies ein paar Seiten in einem Buch, schau dir die letzten Urlaubsfotos oder einen Bildband an. Stricke ein paar Reihen oder setz die Kopfhörer auf und höre laute Musik. Kurz, tu etwas, was dir gut tut und dich von deinem Ärger ablenkt. Wenn du dich wieder beruhigt hast, geh zurück zu deinen Kindern und kümmere dich um das Problem.

4. Renne die Treppe hoch und wieder runter, bis du dich besser fühlst. Oder mach ein paar Hampelmänner, vielleicht wollen deine Kinder sogar mitmachen?

5. Ruf eine Freundin oder einen Freund an.

6. Stelle Fragen. Anstatt loszubrüllen, frage: ‚Was ist passiert?‘ ‚Langweilst du dich?‘ ‚Hast du dich verletzt?‘ Schau hinter das Verhalten und kümmere dich um die Ursache des Problems.

7. Schau in das Gesicht deines Kindes und versuche, dich einzufühlen. Wie würdest du dich fühlen, wenn du angebrüllt würdest?

8. Verlasse das Haus. Bei größeren Kindern geh einfach raus und lauf einige Runden, bis du den Kopf wieder frei hast. Kleinere Kinder mitnehmen und raus auf den Spielplatz. Die Situation verändern hilft euch allen.

9. Schließ die Augen und spiele in Gedanken durch, wie du deine Kinder anbrüllst, alles rauslässt. Wenn du die Situation zu Ende durchgespielt hast, öffne die Augen und wende dich an deine Kinder – ohne zu brüllen.

10. Stell dir vor, es würden Leute zuschauen. Wie würdest du die Situation dann lösen?

11. Schreib es auf. Lass deinen Gefühlen freien Lauf, es gibt keine Beschränkung.

12. Bitte deine Kinder und deinen Partner/deine Partnerin darum, dich in schwierigen Situationen daran zu erinnern, dass du nicht brüllen möchtest.

13. Wenn sich das Schreien nicht verhindern lässt, sei laut und freundlich statt laut und unfreundlich. Mehr dazu findest du in den Kloeters-Briefen (www.kloeters-briefe.de). Sie können sehr hilfreich dabei sein, einen freundlichen Umgangston in Familien zu schaffen.

14. Drucke die drei für dich hilfreichsten Punkte aus dieser Liste aus und hänge sie z.B. in deinem Zimmer auf.

Wenn du das Gefühl hast, du schreist und meckerst mehr als es eurer Familie gut tut, dann schau auch auf dich selbst: Kannst du den Tag so planen, dass ihr Pufferzeiten habt oder stehst du dauerhaft unter Zeitdruck? Hast du ab und an Zeit für dich selbst? Hast du ausreichend Gelegenheit, Dinge zu tun, die dir Spaß machen? Schläfst du genug und hast du Unterstützung? Auch die Bedürfnisse der Eltern müssen ausreichend erfüllt werden, damit sie für ein gutes Familienklima sorgen können.

Das grundsätzliche Problem - wenn man so weit ist, das man brüllt, hat man im Grunde wenig Lust, sich "pädagogisch korrekt" zu verhalten. Mache dir in einer ruhigen Minute klar, dass du erwachsen bist, dein Kind nicht. Am besten abends, während du dein schlafendes Kind anschaust.

 

 

 

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