Wie mit Geschwisterstreit umgehen?

Zunächst einmal ist Streit in einer Familie einfach normal. Streiten, Diskutieren, Zanken, Ausprobieren, eine eigene Meinung zu vertreten - das gehört mit zum Großwerden dazu. Natürlich gibt es Konkurrenz unter den Kindern, auch wenn die meisten Eltern wohl weit von sich weisen, dafür Anlass zu geben. Eltern wollen in aller Regel allen ihren Kindern gleichermaßen gerecht werden und fassen Konkurrenz darum auch eher als ihr eigenes Versagen auf: "Ich habe alle Kinder gleich lieb, und trotzdem haben alle Angst, zu kurz zu kommen..." Es ist sehr entlastend, diese Selbstvorwürfe abzulegen und Konkurrenz als normales Element in der Geschwisterbeziehung zu akzeptieren.

Natürlich sollten Eltern diese nicht befeuern, indem sie das eine Kind vor dem anderen herabsetzen. "Schau mal, der x macht das so ordentlich, warum kannst du das nicht?" oder "immer ärgerst du die y, dabei ist sie immer lieb zu dir!" sind geradezu eine Garantie für eine spannungsgeladene, konfliktreiche Geschwisterbeziehung. Manchmal schleichen sich in einer Familie auch Ungleichgewichte ein und verfestigen sich Rollen bei den Kindern - zum Beispiel ist dann eines ist immer der Störenfried und eines das unschuldige Opfer. Daher sollten Eltern sich hinterfragen, ob sie zum Beispiel häufig ein Kind vor dem anderen in Schutz nehmen und ob sie von ihren älteren Kindern zu viel verlangen, obwohl auch diese noch relativ klein sind. Oft merkt man erst hinterher, wenn das jüngste Kind im gleichen Alter ist, wieviel mehr man vom älteren Kind damals erwartet hatte. Es befriedet das Familienklima, wenn alle sich gesehen fühlen und positive Aufmerksamkeit bekommen.

Trotz aller Vorbeugung wird Streit aber nicht ausbleiben. Sollten Eltern dann schlichten? Was tun, wenn eines oder mehrere Kinder aus einem Streit heraus angelaufen kommen und erwarten, nun von den Eltern ins Recht gesetzt zu werden? Häufig ist dann gar nicht mehr nachzuvollziehen, welches Kind nun womit angefangen hat. Es hilft dann oft schon, den Streit wahrzunehmen, die verschiedenen Sichtweisen anzuerkennen und dann an die Familienregeln zu erinnern: "Ja, die x durfte dich nicht hauen" oder "egal, wer angefangen hat, wir hauen nicht". Der Versuch, den Streit mit einer Schiedsrichter-Entscheidung zu beenden, beendet hingegen den Unfrieden zwischen den Geschwistern meistens nicht, und ist außerdem wahnsinnig anstrengend. Solange niemand ernsthaft zu Schaden kommt oder immer den kürzeren zieht, können Eltern die Geschwister auch ruhig einmal machen lassen, mit der Zeit werden sie geübter darin werden, Streit zu klären, Kompromisse zu schließen und sich wieder zu vertragen.

Angenehmer und effektiver als vergebliche Schiedsrichter-Entscheidungen ist es, wenige markante Regeln zu vertreten und Situationen herzustellen, in denen diese Regeln nach Möglichkeit eingehalten werden können. Auf Verstöße dagegen sollten Eltern klar reagieren, aber nicht mit eigener Aggression. Es hilft, eine Art "Notfallplan" im Kopf zu haben, auf den man bei eskalierendem Streit zurückgreifen kann. Mögliche Punkte eines solchen Plans sind:

  • Nicht Partei ergreifen
  • Die Kinder für eine kurze Zeit in verschiedene Räume exportieren
  • Sich nicht von der Wut der Kinder anstecken lassen

Konkurrenz zwischen Geschwistern sollte generell nicht vermieden, sondern in konstruktive Bahnen gelenkt werden: Kinder sollten Streit oder Kampf oder Konkurrenz erlaubterweise ausleben können - sei es im Sport, auf einer Wiese mit Poolnudeln, bei einer Kissenschlacht am Sonntag...

Es ist hilfreich, den eigenen Umgang mit Wut und Streit zu betrachten. Durfte ich als Kind garstig sein? Was passierte dann? Wer war garstig zu mir und was passierte dann? Wie geht es mir heute, wenn ich wütend bin, jemanden zanken möchte? Erlaube ich mir Wut? Wo und wie? Wie gehe ich mit Aggressionen von meinen erwachsenen Mitmenschen um? Manchmal gibt es da erstaunliche Entdeckungen.

 

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