Wie warne ich mein Kind vor sexuellen Übergriffen?

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Mit Kindern über sexuelle Gewalt und Misshandlung zu reden, fällt wohl allen Eltern schwer. Zu schlimm ist das Kopfkino, und dennoch soll das Kind ja nicht verängstigt werden. Der Grat zwischen zu wenig Warnung und Angstmachen ist schmal, aber ohne einen plausiblen Grund, warum das Kind nicht jedem Erwachsenen trauen darf, wird die Warnung nicht vorhalten.

KleineRübe: Und dass es Menschen gibt, die Kinder anfassen oder die ihnen was antun (weh tun/töten), weiß zumindest meine Große (8). Ich muss dafür ja nicht ins Detail gehen, aber das ominöse "böser Mann"-Bild ergibt einfach keinen Sinn.

Nur ein sehr geringer Teil der Übergriffe auf Kinder wird vom fremden Unbekannten verübt. Fast alle Übergriffe werden von Verwandten oder Bekannten des Kindes verübt.

Auch wenn es keine Person aus dem direkten Umfeld des Kindes ist: Wen das Kind zweimal getroffen hat, den ordnet es nicht mehr als "Fremden" ein. Auch nicht den Mann, der mit seinem Hund regelmäßig auf der Bank am Spielplatz sitzt.

Besser als vor "Fremden" zu warnen ist es daher, vor Situationen zu warnen: Vor Annäherungen, die das Kind als unangenehm erlebt, aber auch vor zuviel Privatheit in asymmetrischen Beziehungen zwischen einem Kind und einem Erwachsenen und vor Erwachsenen, die sich dem Kind gegenüber als Beauftragte der Eltern ausgeben, ohne dass die Eltern dies mit dem Kind abgesprochen hätten.

 

Zuviel Privatheit zwischen Erwachsenen und Kindern

Schmusen mit den Eltern ist schön und wichtig. Etwas anderes sind Übergriffe, auch wenn die Berührungen an sich vielleicht zärtlich sind. Unangemessene körperliche Annäherungen in scheinbar freundschaftlichen, liebevollen Beziehungen zwischen einem Kind und einem Erwachsenen sind ebenso Misshandlungen wie es sexuelle Übergriffe sind, bei denen das Kind durch körperlichen Zwang oder Erpressung überwältigt wird. Kinder und Erwachsene bewegen sich nicht auf der gleichen Ebene, deswegen sind hier körperliche Annäherungen etwas grundsätzlich anderes als Doktorspiele unter Kindern. Das Kind wird zum Objekt gemacht, wenn es dem Erwachsenen um seine eigene Befriedigung geht. Dabei ist es unerheblich, ob es um sexuelle Befriedigung geht oder um Machtgefühle. Das Kind ist dann Teil einer asymmetrischen Beziehung, die es nicht überblicken und für die es keine Verantwortung übernehmen kann. Zur sexuellen Gewalt kommen dann häufig noch mehr Schuldgefühle, als sie ein misshandeltes Kind ohnehin leicht entwickelt: weil es emotional in die Beziehung verstrickt ist, weil es vielleicht selber angenehme körperliche Gefühle hatte oder weil es glaubt, dass es selber den Missbrauch provoziert hätte.

die.lumme: Ein Missbrauch am Kind tut nicht immer weh, und ist auch fürs Kind nicht unbedingt körperlich unangenehm. Und trotzdem ist es Missbrauch! Es gibt diese kuscheligen, liebe-/zuwendungsbedürftigen Kinder und es gibt die nahestehenden Personen, die die Regeln nicht kennen. In den 70ern und 80ern hieß es "das Kind hat es doch auch gewollt, und es hat Spaß gehabt". Also, es reicht nicht, dem Kind zu sagen, dass es nein sagen darf und soll. Es muss auch wissen, was "privat" ist (so unsere Formulierung), und in welchem Rahmen man das private öffnet ("...wenn du jugendlich bist und einen Freund/Freundin hast...")

Es ist zum Einen wichtig, mit dem Kind darüber zu reden, dass es seine Grenzen auch gegenüber vertrauten Personen verteidigen darf. Zum Anderen sollten Kinder aber auch wissen, dass es körperliche Grenzen gibt, die auf jeden Fall gelten und bei denen es sich nicht erst fragen muss, ob sich das jetzt gut anfühlt oder nicht, ob ihm das zu nah ist oder nicht.

 

Annäherungen, die das Kind als unangenehm erlebt

Kinder müssen wissen, dass niemand sie gegen ihren Willen berühren darf, auch kein Verwandter oder Bekannter, und dass sie auch nicht gezwungen werden dürfen, jemanden zu berühren oder zu küssen. Auch das berühmte Küsschen für Oma oder Onkel oder wer sich noch berechtigt fühlt, eines vom Kind verlangen zu dürfen, darf nicht erzwungen werden.

 

Kysyra: Ich finde es am wichtigsten, den Kindern von Anfang an "beizubringen", dass ALLE Leute sie nur anfassen und knutschen dürfen, wenn sie das auch wollen. Dass auch bei Oma und Opa - oder Mama und Papa - das Kind jederzeit das Recht hat, NEIN zu sagen, und die Leute sich dann dran halten müssen.

 

"Deine Mutter hat mich geschickt..."

Wer überzeugend genug auftritt, kann auch das am besten gewappnete Kind zum Mitkommen bringen. Besonders leicht werden Kinder dazu verleitet, die Warnung "geh niemals mit" zu ignorieren, wenn die Eltern vorgeschoben werden: "Deine Mutter schickt mich, ich soll dich abholen." Das Kind muss wissen: Mitgehen darf es auch mit Bekannten, mit Nachbarn, mit Eltern der Freunde oder mit Verwandten nur dann, wenn es mit Eltern und Kind vorher abgesprochen war. Wenn es nötig ist, das Kind kurzfristig von jemand anderem abholen zu lassen, soll die abholende Person das Kind kurz mit Mutter oder Vater telefonieren lassen, damit diese die Abholregelung bestätigen. Für das Kind gilt: "Ruf mich im Zweifel immer erst an."

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