Das Leben mit zwei Kindern

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Nach ca. 6 Wochen:

Hallo ihr, ich dachte ich sollte meinen Bericht von vor ein paar Wochen aktualisieren. Diesmal mit der ausdrücklichen Aufforderung an die zum zweiten Mal Schwangeren ihn NICHT zu lesen ;-)

Carl nervt. Er ist wirklich schwer zu verkraften. Ich versuche mich zu erinnern, ob er schon vor Petra solche Phasen hatte, und JA!, hatte er bestimmt. Aber im Moment kann ich´s nicht gebrauchen und alle weise Theorie erscheint mir wie Hohn.

Dass er Durchhänger hat, zum Teil unerträglich anhänglich ist, gerne mal sabbernd durch die Wohnung läuft und auf Möbel und Fußboden spuckt, weil das Baby ja auch spuckt - geschenkt.
Mit alledem hab ich ja gerechnet. Was mich so irre nervt, ist, dass ich echt sooooo voller Verständnis für ihn bin, dass er von mir alle Liebe und Zeit der Welt bekommt, die ich aufbringen kann, dass ich ihm Kuschel- und Stillpausen "gewähre" - viel öfter als je zuvor - und er ist dennoch so undankbar (Ich weiß, das ist ein dummes Wort und ein falsches Denken von mir, aber so empfinde ich es nun mal).

Er verweigert so gut wie jede normale Nahrungsaufnahme zur Zeit und ist natürlich entsprechend heiß aufs Stillen, aber ich hab da mein Limit, ich kann es nicht leiden, wenn er ständig an mir hängt, zumal es da ja noch jemand anders gibt... (die aber so was von zurückhaltend, geduldig und leise ist, dass ich es nicht glauben würde, dass es solche Babys gibt, wenn es nicht hier liegen würde)

Er stillt wohl nicht exzessiv viel (im Vergleich dazu, dass es ja Kinder gibt, die älter sind als er und auch ohne Geschwisterchen noch öfter wollen), aber die Art wie er es einfordert, macht mich ganz aggressiv. Meist genau im falschen Moment, genau in der falschen Tiefschlafphase meinerseits, gerade, wenn ich Petra gestillt habe, usw ... und er wird schnell total hysterisch. Wirklich unangenehm, laut, bewusst nervtötend (Er macht manchmal in diesem widerlichen Ton weiter, selbst wenn er schon gar nicht mehr weiß, was er eigentlich wollte). Ich stoße echt an meine Grenzen der Geduld und bin einige Male kurz davor, ihn zu schütteln oder sonst wie hart anzufassen, weil er mich in dem Moment so nervt und weil ich mir sicher bin, dass er es nur tut, um mich zu nerven, obwohl er es eigentlich besser wüsste (ja, ja, natürlich ist das nicht so, das weiß ich selber, aber ich EMPFINDE es wirklich so).

Heute hab ich ihn während so einer Rotz-und-Wasser-sabber-schrei-Attacke ins Bad gesetzt und die Tür hinter mir zu gemacht, stiller Stuhl lässt grüßen.

Ich hab jetzt nicht Zeit und Ruhe, das länger breit zu treten. Die "Schuld" an diversen Durchhängern Carls kann ich mir bei klarem Kopf leicht selbst zuschreiben. Mir fehlt einfach die Energie, ihm 100% Begeisterung vorzugaukeln, wenn wir zum x-ten mal irgendwas tödlich Langweiliges spielen sollen oder anschauen sollen. Ich denke dann zwar: „Was willst du denn noch, ich spiele doch mit dir?!“ - Aber er merkt wohl, dass ich nicht ganz bei der Sache bin.

Und das Problem mit dem Stillen ist einfach, dass ich diejenige sein will, die sagt, wann es OK ist und dass ich auch nicht auf Kommando die Brust auspacken will, nur um hysterisches Geschrei zu vermeiden. Da bin ich dann auch stur. Ich mag ihn auch nicht stillen, wenn ich gerade noch so voller Groll gegen ihn bin. Ich weiß nicht, ob ich da über meinen Schatten springen müsste, denn viel Geschrei ließe sich vermeiden, wenn ich immer brav ja sagen würde - aber das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein!

Es ist natürlich auch der falsche Zeitpunkt, von Carl zu erwarten, dass er vernünftig und geduldig wird. Es ist eh bewundernswert, wie lieb er immer noch zu seiner Schwester ist...

Kommt Zeit, kommt Rat? Vielleicht ist es auch einfach nur so, dass ich nach einem ziemlich schnellen Start jetzt zum ersten Mal wirklich müde bin. Carl hat - NATÜRLICH - zeitgleich mit Petras Geburt den Mittagsschlaf abgeschafft, Weihnachtspause ist vorbei, mein Mann geht wieder ganz normal arbeiten und ich bin irgendwie zu matt für alles.

Ich hoffe, mein nächstes Update ist etwas positiver!

Molly

P.S.
Meine Gedanken und Gefühle Carl gegenüber in solchen Momenten der Überforderung lassen mich erschaudern, wenn ich mir bewusst mache, dass bei mir zumindest in der Theorie eine wahnsinnig reflektierte Grundhaltung da ist. Doch selbst die hindert mich nicht daran, instinktiv “klapsen“ zu wollen oder dumme Sätze zu sagen / zu denken (Carl, du bist wirklich alt genug..., wie oft soll ich dir noch sagen..., hast du immer noch nicht kapiert...., du weißt doch genau, dass... wenn ich dich noch EINMAL ermahnen muss, dann aber... schau dir deine Schwester an, die ist viel vernünftiger und braver...,  usw...)

HILFE!!!!!!!!!!! ich will gar nicht wissen, was unter den Dächern der Welt abgeht!

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