Babyzeichen

Hallo!

Da im Forum öfter mal über Babyzeichen gesprochen wurde, habe ich mal versucht, unsere Erfahrungen damit aufzuschreiben.

Davon gehört habe ich, als meine Tochter noch nicht ganz ein Jahr alt war. Ich fand das toll. Und weil ich immer alles Mögliche ausprobiere, habe ich gleich damit angefangen. Fein, dachte ich, ab übermorgen unterhalten wir uns per Zeichensprache!

Na ja... erst mal blieb mein Versuch ohne jeden Erfolg. Ich kam mir dann schon komisch vor mit meinen Gebärden. "Erst" mit etwa 13 Monaten fing sie an, Zeichen zu machen, dann aber ging es Schlag auf Schlag.

Woran das lag, weiß ich nicht, ob ich sie anfangs mit zu vielen Zeichen überfordert habe? Andererseits wird ein Baby gehörloser Eltern ja auch sozusagen in Zeichen "gebadet". Vielleicht brauchte sie auch einfach die Zeit, um sich daran zu gewöhnen? Oder es lag daran, dass die Sprachentwicklung meiner Kinder generell nie linienförmig verläuft, sondern in regelrechten "Explosionen" passiert?
Keine Ahnung.
Ich wollt euch damit nur Mut machen, dranzubleiben, falls es zunächst nicht zu klappen scheint.

Inzwischen habe ich schon mehrmals gehört, dass das Alter 8.-10. Monat ein guter Zeitpunkt für den Anfang ist. Aber ich denke, selbst mit 1 1/2 oder 2 Jahren gibt es genug Dinge oder Zusammenhänge, für die dem Kind noch die Worte fehlen, so dass sich ein Versuch lohnt.
Manche Kinder finden es auch einfach toll, Erzähltes mit Gebärden begleiten zu können. Selbst die großen (6-13) in unserem ehemaligen Kinderchor waren verrückt nach Liedern, die sie mit der Zeichensprache darstellen konnten und haben zum Teil dann auch untereinander mit Gesten "geredet".

Ich habe mir für den Anfang einige Dinge ausgesucht, von denen ich dachte, dass sie mein Kind interessieren könnten und es so das "Prinzip" schnell verstehen wird.
Ich habe die Zeichen einfach immer gemacht, wenn die entsprechende Situation "dran" war, oder wenn wir einen entsprechenden Gegenstand gesehen haben. Ich habe nie regelrecht "geübt".

Anfangs hat sie nur zugeschaut, ich habe ihr was gezeigt und die Bewegung gemacht. "Da ist ein Hund, schau der macht so: (Hundezeichen)" Oder: Guck mal, der Mond + Zeichen.
Auch wenn sie später ihr Zeichen oder ihr Geräusch machte, habe ich gesagt: "Genau, da ist ein Flugzeug, eine Blume" und eventuell auch das Zeichen wiederholt.

Manchmal dachte ich sie irrt sich, weil ich nichts gesehen habe, aber eigentlich hatte sie immer Recht. Weit und breit kein Hund... aber sie hatte einen winzigen Hundeaufkleber an einer Autoscheibe entdeckt.

Lustigerweise waren gerade die Zeichen, die ICH für wichtig, einfach, spannend, konfliktvermeidend ... na ja, eben ideal für den Einstieg hielt, NICHT die, die sie zuerst nachgeahmt hat. Auch das habe ich inzwischen schon mehrmals gehört.

Manche Kinder greifen die Idee sofort begeistert auf und scheinen regelrecht froh, jetzt "Ich möchte mehr" sagen zu können (Finger in die andere Handfläche tippen), andere "speichern" erst mal alles ab und geben es dann später gleich ziemlich perfekt wieder. Ich finde es total spannend, dass es selbst unter Babys schon unterschiedliche "Lerntypen" gibt.
Aber bei fast allen ist es so, dass sie, wenn sie das Prinzip einmal verstanden haben, recht schnell weitere Zeichen lernen.
Wichtig finde ich, das es anfangs grobmotorische Bewegungen sind, also mit dem ganzen Arm oder der ganzen Hand und später dann erst die feineren.
Wenn dein Baby also keine Zeichen macht, dann schau mal, ob sie vielleicht einfach von der Motorik her noch zu kompliziert sind. Fast alle kann man irgendwie vereinfachen und später dann, wenn es zur Verwechslungsgefahr mit anderen kommt, wieder etwas differenzieren.

Wichtig finde ich auch, dass man sein Kind gut beobachtet. Bei meiner Tochter habe ich einige Zeichen fast übersehen, weil sie eben nicht die gemacht hat, die ich ihr gezeigt habe, sondern zum Teil komplett andere.

Meine Tochter hat erst sehr spät gesprochen. Mit 2 Jahren fing sie erst mit einzelnen Worten an...mit 2 Jahren stand im U-Heft "massive Dyslalie"
Meine Eltern und einige andere Leute waren der Meinung, das liege "an dem Quatsch mit den Zeichen".
Ich sehe das anders. Meine Kinder haben ALLE so spät gesprochen und von einer Freundin weiß ich, dass ihr Kleiner extrem früh spricht. Er lernt fast zeitgleich Zeichen und Wort. Ich denke also nicht, dass die Zeichen das Sprechen lernen verlangsamt haben.

Aber als sie dann mit 2 1/2 RICHTIG angefangen hat zu sprechen, hat sie gleich Riesensprünge gemacht, fast sofort in richtigen Sätzen (Hauptsatz + Nebensatz) geredet Mit 3 Jahren wunderten sich viele über ihren Wortschatz und ihre ausgefeilte Grammatik... Ja ja, so kann es gehen.
Sie hat dann die Zeichen nach und nach durch Worte ersetzt (wobei sie fast immer eine Zeitlang beides gemeinsam oder abwechselnd benutzte).
Vielleicht hatten die Zeichen auch die Sprachentwicklung vorbereitet?

Schon während ihrer Nicht-Sprech-Zeit war aufgefallen, dass sie im Spielkreis die Fingerspiele schon sehr gut mitmachen konnte, während die anderen, die zum Teil schon sprachen, nur zuschauten.

Und... in der Zeit vorher konnten wir uns gut verstehen. Gerade diese Zeit, wo sie sich gezielt ausdrücken wollen und noch nicht können, habe ich bei meinen beiden Großen als extrem frustrierend für beide Seiten in Erinnerung.

Die Vorteile die ich bei den Babyzeichen sehe:

  • Das Kind kann seine Bedürfnisse ausdrücken, muss nicht so viel jammern und ist nicht so oft frustriert
  • "verstanden werden" stärkt das Selbstbewusstsein und macht Lust auf mehr Kommunikation in den verschiedensten Formen
  • die Feinmotorik wird geschult. Ich habe in der Ausbildung gelernt, dass die mit der Sprachentwicklung in direktem Zusammenhang steht (Logopäden arbeiten bei bestimmten Sprachproblemen wohl auch über die Hand)
  • die Babys schauen viel genauer hin. Wenn ich für Huhn, Ente und Vogel verschiedene Zeichen habe, versuche ich auch, genau zu schauen, was es denn nun ist. Oder ist es nun eine Spinne, ein Käfer, eine Biene oder ein Schmetterling? In einem Alter, wo die anderen Kinder rundum noch alle Tiere mit Wauwau bezeichneten, können sie uns schon sehr differenziert erzählen, was das nun ist. Dabei verwendeten meine Kinder zum Teil Handzeichen, zum Teil die üblichen Tierlaute.
  • auch Bücherangucken macht viel Spaß, wenn man nicht nur zeigen kann, was die Mama abfragt, sondern selber erzählen kann, was man entdeckt hat.
  • die Eltern schauen genauer hin, das fördert den Kontakt und die Beziehung.
  • auch die Eltern sind nicht so schnell frustriert, denn sie müssen nun nicht mehr raten, ob das Kind essen, trinken oder ganz was anderes will.
  • es ist in einem Alter, wo manche Eltern nicht so recht wissen, was sie mit den Kleinen spielen sollen, ohne selbst das Gefühl zu haben geistig abzubauen (das 17. Mal ein Türmchen zum umwerfen bauen ist schon nervig) ein tolles "Spiel" das für beide Seiten immer wieder Herausforderungen bietet. (Welches Zeichen könnten wir für ... nehmen? Ist das jetzt tatsächlich das Zeichen für ...?)
  • es macht einfach Spaß!


Bei meinem Kleinen haben wir leider die "beste Zeit" dafür verpasst. Er war ab seinem 5.Monat chronisch krank, so dass wir anderes im Kopf hatten. Aber später machte er auch viele Zeichen, wenn auch nicht so intensiv wie die Schwester in demselben Alter.

Sehr wichtig finde ich aber, dass man sein Baby und sich selber nicht unter Druck setzt: "Der/die kann schon so und so viele Babyzeichen... Wann macht sie denn endlich ein Zeichen für.... Alle Kinder scheinen es zu begreifen, nur meine nicht...".
Die Babyzeichen sollen einfach Freude machen. Ob ein Kind viele oder wenige kann sagt nichts darüber aus, wie schlau es ist. Es gibt sogar Kinder, die schauen sich die Zeichen zwar an, aber warten doch lieber, bis sie die Wort- Sprache verwenden können.

Hier noch eine Katzengeschichte, sie war da etwa 1 ¼.
Als sie weinte, fragte ich, was denn los sei? (Ich hatte es vorher nur zum Teil beobachten können.)

Sie:
Da (zeigt auf den Stuhl) - Katzenzeichen - Schlafzeichen -zeigt auf sich selber "aaaai" (+ Streichelbewegung) - Rüttelbewegung - fuchtelt die Hände in die Luft und faucht - beißt sich in die Hand und sagt "Aua-Wäääääh" (Da lag die Katze, ich hab sie gestreichelt, dann gerüttelt, da hat sie mich gekratzt und gebissen, das tat weh und ich hab geweint.)

Da war ich platt!!!

Ich finde Babyzeichen einfach Klasse. Es gibt inzwischen auch Bücher zu dem Thema, aber die kenne ich nicht, daher kann ich nichts dazu sagen.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren,


Trin

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