Rabeneltern-Blog

Warum bekommt man Kinder?

Füße

Wurdet ihr das auch schon gefragt? Oder habt ihr euch das selbst schon gefragt? Es gibt so unendlich viele sachliche bzw. ökonomische Gründe, die gegen Kinder sprechen:

  • Kosten eine Unsumme an Geld: größere Wohnung, Kleidung, Essen, Ausbildung - laut statistischem Bundesamt kostet ein Kind seine Eltern bis zum 18. Geburtstag im Schnitt ca. 126.000 Euro. Und das hört dann ja meist nicht auf
  • Fremdbestimmung ohne Ende: erst die Grundbedürfnisse des Babys und Kleinkindes, dann zwingen einen Schule und Hobbys ein äußeres Korsett auf
  • gerade Frauen kosten Kinder eine Menge: Rente, Lohnsteigerungen, Beförderungen, von eventuellen Trennungen brauchen wir gar nicht erst reden
  • mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko
  • es gibt ohnehin mehr als genug Menschen auf der Welt

Wahrscheinlich kann man diese Liste beliebig fortsetzen. Das einzige sachliche Proargument, das mir einfällt:

  • später, im Alter ist es toll erwachsene Kinder zu haben, die einen notfalls versorgen können.

Das Problem: Von Punkt A - dem kinderlosen Single - zu Punkt B - den glücklichen alten Eltern - kommt man nur, wenn man auch kleine Kinder hat und eine gute Beziehung zu ihnen aufbaut.

Warum zum Geier bekommt man also Kinder? Rein ökonomisch ist das die reinste Katastrophe in unserer Gesellschaft. Diese Gedanken schlagen sich durchaus in der Geburtenquote der meisten westlichen Länder nieder.

Die Frage ist viel mehr: Warum bekommen Menschen trotzdem noch Kinder? Rational: weil es einfach passiert. Wer Sex hat, kann ein Kind zeugen. Und gelegentlich passiert das trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Emotional: Weil viele Menschen einfach das enorme innere Bedürfnis verspüren, ein Kind zu haben. Weil Menschen die Idee, in einer Familie zu leben, einfach schön finden. Und dieses Bedürfnis ist einfach stärker als alle rationale Überlegung.

Wir haben Kinder bekommen, weil es uns ein inneres Bedürfnis war, weil wir erleben wollte, wie sich ein Baby anfühlt, wie es ist, in einer Familie zu leben. Wir wollten Kinder, weil Kinder in unserer Vorstellungswelt einfach zum Leben dazu gehören. Ich hatte sehr konkrete Vorstellungen, wie das alles funktioniert und wie sich mein Leben durch Kinder verändern würde. Immerhin komme ich aus kinderreichem Haus und war hingebungsvolle Tante. Tja. Mein erstes Kind kam und sprengte alle Erwartungen erstmal dahin (schön zu sehen an meiner Meinung zu den Rabeneltern. Ich fand die ja in der Schwangerschaft schon sehr komisch...nun hier bin ich, 8 Jahre nach meiner Anmeldung und aktives Vereinsmitglied.) Auch, wenn ich mir meinen beruflichen Werdegang anschaue, bin ich jetzt ganz woanders als ich erwartet habe. Mit so vielen Hindernissen habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Objektiv, wenn ich mir meine zu erwartende Rente anschaue: eine Katastrophe (ich arbeite daran, dass es keine allzu große wird, zum Thema “Mütterfalle” werde ich bestimmt noch den einen oder anderen Blogbeitrag schreiben).

Und trotzdem: Ich bin heute, 9 Jahre nachdem ich Mutter geworden bin, viel glücklicher und ausgeglichener als ich jemals zuvor in meinem Leben war. Ich bin leistungsfähig wie nie in meinem Leben. Ich fühle mich stark, weil ich meine Grenzen kennengelernt habe und weiß, dass ich mir helfen (lassen) kann.

Auch wenn alle meine Erwartungen mal eben in der Luft zerfetzt wurden - das gemeinsame Leben mit meinen Kindern ist zwar anstrengend, aber ich liebe es. Ich liebe es zu sehen, wie unsere Familie sich entfaltet, wie wir uns beständig verändern, neu definieren und gegenseitig bereichern. Ich liebe es, hemmungslos mit den Kindern und meinem Mann herumzualbern und mich vor Lachen auf dem Boden zu winden. Ich liebe es, wenn wir einfach gute Gespräche führen oder eine Runde Uno nach der anderen spielen. Ich liebe es, wenn wir kuscheln und Lesen. Es ist so anders als ich vor 10 Jahren gedacht habe. Wir - mein Mann und ich - sind an dieser Aufgabe gemeinsam gewachsen. Es hat sich gelohnt, die ersten Jahre zu überstehen. Ja, es gibt einiges, das ich bedauern könnte und ich kann #regrettingmotherhood in einigen Bereichen auch durchaus verstehen. Aber dennoch: ich persönlich bereue nicht, Kinder bekommen zu haben. Mein Leben ist zwar so was von anders, als ich erwartet habe. Aber aus irgendeinem Grunde geht es mir persönlich gut damit. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich hoffe und wünsche allen Eltern, dass es ihnen wenn auch nicht heute, so doch irgendwann einmal, ebenfalls so geht.

Eine Userin des Forums hat es für mich perfekt auf den Punkt gebracht:

1. Kinder werden dein Leben mehr verändern, als Du Dir ohne Kinder vorstellen kannst.2. Kinder werden deine Beziehung mehr verändern, als Du Dir vorher vorstellen kannst.3. Kinder werden dich mehr verändern, als Du Dir vorher vorstellen kannst.

Das birgt sicher auch die Gefahr des Scheiterns, aber es bedeutet auch ungeahnte neue Chancen. Diesen Grundoptimismus haben mir meine Kinder beigebracht. Schließen will ich den Beitrag mit einem Zitat einer leider vor einigen Jahren verstorbenen Mutter und Freundin aus unserem Forum, die aber für immer in unseren Herzen wohnt. Damals konnte ich sie noch nicht verstehen. Heute kann ich bei ihr aus vollem Herzen unterschreiben:

Kinder machen einfach Spaß. So viel Spaß.

Schaukel

Topqualifiziert
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  • Natürlich kann man ohne Kinder glücklich sein. Aber Kinder zu bekommen ist ein Urinstinkt, der in uns allen einprogrammiert ist, so sehr können wir gar nicht über Mutter Natur stehen. Natürlich kann man sich aus Vernunftsgründen dagegen wehren, ich selbst war lange eine von dieser Sorte. Zu meinem Glück aber habe ich den Kampf gegen meine Natur verloren! ;)

  • Seid wir Kinder haben, hat sich unser Leben absolut bereichert in jeglicher Hinsicht. Wir lieben unsere Kinder von ganzen Herzen und lernen jeden Tag so viel von ihnen und das Allerwichtigste: Einfach mal wieder die Welt aus Kinderaugen zu betrachten!

  • Hallo liebe Sissi, wenn ich in das kleine Gesichtchen meines Sohnes gucke bin ich erfüllt mit Liebe. Mein Sohn ist mein Ein und Alles. Wie ich im Vorfeld über Kinder gedacht habe? Ich wünsche mir Kinder seit ich 13 Jahre alt war. Dass ich 35 werden musste, damit es klappt, hätte ich niemals gedacht. In der Theorie war ich immer davon überzeugt, dass mich ein Kind /Kinder erfüllen. Nun ist die Praxis eingetreten. Und es hat sich bestätigt. Ich bin mehr in meiner Mitte, bei mir selbst, als jemals zuvor. Und das, obwohl ich weniger Zeit für mich habe als jemals zuvor. Sch... auf das Geld! ;-)

  • Wunderbarer Beitrag! Dem kann ich nur beipflichten. Das Leben mit unseren Kindern hat mich und meine Frau verändert... ins positive. Klar ist es manchmal anstrengend, laut durcheinander. Aber es ist auch einfach schön. Kinder zeigen einem Sachen, die man als erwachsener schon lange nicht mehr wahrgenommen hat. Meine Frau und ich haben wieder gelernt Kinder zu sein, gelernt zu spielen, das Leben mit Kinder augenscheinlich zusehen und all das hat uns so bereichert und glücklich gemacht!

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