Schwaiblmair, Frauke: Mit dem Baby durch das erste Jahr

Butzon & Bercker (2011)
ISBN-10: 3766614762
ISBN-13: 978-3766614766

Bewertung: ungeeignet

"Unsere Eltern und Großeltern folgten oft noch ganz klaren Regeln, wie z.B. alle vier Stunden füttern oder ein Kind sich ruhig auch mal in den Schlaf weinen lassen. Auch heute noch können solche Regeln den Eltern eine Orientierung bieten und helfen, eine klare Haltung zu finden." (S. 10) Schon hier wird deutlich: Im Dschungel der Ratgeberliteratur für junge Eltern gehört dieser Titel aus der ansonsten empfehlenswerten Reihe "Familie ist lebenswert" zu den entbehrlichen.

Beim Versuch, Eltern in der ersten Säuglingszeit zu unterstützen und sie zu ermutigen, sich nicht aus dem Blick zu verlieren und ihren eigenen Familienweg zu finden, schießt die Autorin leider übers Ziel hinaus. Denn die Bedürfnisse eines Säuglings sind nicht verhandelbar: Sicherheit und Geborgenheit sind unabdingbar für die Ausbildung eines gesunden Selbstwertgefühls. Ratschläge wie die, dem Säugling mit wenigen Wochen nachts keine Nahrung mehr zu geben und ihn sich in den Schlaf weinen zu lassen, wirken dem entgegen. Der Rat, dass das zum Schlafen gelegte weinende Baby nicht hochgenommen werden solle, wird damit begründet, dass es sonst lerne "wenn ich weine, bleibe ich nicht alleine". Spätestens hier wird klar, dass dieser Mangel an Vertrauen in die Sozialisationsfähigkeit des Kindes, an Weitsicht und an Menschenfreundlichkeit auch durch die hilfreicheren Ansätze zur Lebensgestaltung und zur Paarbeziehung nicht ausgeglichen werden kann und Eltern wie Kindern das Leben unnötig schwer machen würde.

Dass die Autorin neben der Verteidigung von Ratschlägen wie Füttern in Vier-Stunden-Abständen und Weinenlassen auch immer wieder betont, jede Familie müsse für sich entscheiden, liberalisiert die Herangehensweise nur vordergründig, denn letztlich wird vor bedürfnisorientierter Erziehung nur gewarnt. Einzelne Fehlinformationen etwa zum Stillen nach Bedarf und zur vermeintlichen Unvereinbarkeit von Stillen und Berufstätigkeit fallen gegenüber dieser Grundsatzentscheidung kaum noch ins Gewicht. Dieser Titel verdient eine ausdrückliche Warnung.

Annette Jantzen

Bewertung: ungeeignet

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