Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid: Gewalt und Medien

Ein Studienhandbuch
474 Seiten
Utb, 5., völlig überarbeitete Auflage von 2006
ISBN-10: 3825227251
ISBN-13: 978-3825227258
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Bewertung: 5 von 5 Raben

Kunzcik und Zipfel präsentieren auf 474 Seiten den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Gewalt und Medien und gehen dabei explizit auf die Vertreter der unterschiedlichen Wirkungstheorien ein, stellen sie vor und kommentieren dann Stärken und Schwächen der verschiedenen Studien.

Das Buch fällt für mich nicht in die Kategorie Bettlektüre, ist aber so gehalten, dass es auch für Laien gut verständlich ist. Englischkenntnisse sind von Vorteil, da immer wieder längere Passagen in Englisch zitiert werden, aber nicht Voraussetzung, um den Inhalt zu verstehen.

Das Buch ist übersichtlich gegliedert, in

1. Einleitung
2. Begriffserklärung
3. Zur historischen Dimension der Diskussion um Mediengewalt
4. Ergebnisse von Inhaltsanalysen
5. Gründe für die Nutzung von Mediengewalt
6. Thesen und Studien zur Wirkung von Mediengewalt
7. Besondere Forschungsmethoden (Langzeituntersuchungen, Feldstudien, Problemgruppenuntersuchungen, Meta-Analysen)
8. Einflussvariablen im Wirkungsprozess
9. Wirkungen von Gewalt im Computerspielen
10. Wirkungen von Gewalt in weiteren Medien
11. Berichterstattung über reale Gewalt
12. Die Wirksamkeit medienpädagogischer Massnahmen
13. Schlussbemerkungen

Es ist so auch möglich, sich Informationen zu bestimmten Bereichen zu suchen, ohne das ganze Buch durchzugehen.

Gewalt in den Medien ist ein Thema, mit dem sich nicht nur Fachpersonen beschäftigen sollten, sondern auch Eltern und alle, die sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Leider ist es heute oft so, dass die einzigen Informationen zum Thema diejenigen sind, die nach einer spektakulären Gewalttat in Printmedien und Fernsehen präsentiert werden. Was dann zumeist in der Form erfolgt, dass Fernsehen und Computerspiele als Auslöser verurteilt werden.

Speziell interessiert mich das Thema natürlich seit ich selber Kinder habe. Ich sehe mir aus verschiedenen Gründen kaum Filme an, in denen viel Gewalt vorkommt, ging aber immer davon aus, dass mir das Ansehen von Gewalt nicht schaden könnte. Damit befinde ich mich offensichtlich in guter Gesellschaft. Zitat: "von der Forschung als Third-Person-Effect (Andere-Leute-Effekt) bezeichnete Phänomen, dass sich die Überzeugung von der Gefährlichkeit der Medien nicht auf die eigene Person bezieht, sondern es lediglich "die anderen" sind, die als höchst gefährdet betrachtet werden."

Interessant fand ich auch die Ausführungen zum Begriff Gewalt und was alles darunter fällt. Seither sehe ich mir Filme noch einmal mit ganz anderen Augen an und mir ist aufgefallen wie viel Gewalt, die mir in der Realität als solche auffallen würde, im Film untergeht. (Selbst in an und für sich harmlosen Filmen wird gerne mal von Frauen eine Ohrfeige an nervende Freunde verteilt).

Darüber hinaus erhält man ausführliche Informationen zu Gewalt im historischen Kontext, Kriminalitätsberichterstattung auch in Printmedien etc. Die Autoren stellen dar, dass es Unterschiede gibt in der Gewaltwahrnehmung von Mädchen/Jungen, dass das soziale Umfeld und das Vorhandensein von Gewalt in der Familie ein wichtiger Aspekt ist. Erklären, dass es einen Unterschied macht, ob Gewalt von Helden oder Bösen ausgeübt wird, ob sie gerechtfertigt wird oder nicht. Es gibt noch mehr Aspekte, die berücksichtigt werden und das finde ich sehr interessant, um mir eine Vorstellung zu machen, was ich meinen Kindern wann erlauben werde.

Für mich besonders interessant war hier auch das Kapitel über die Wirksamkeit medienpädagogischer Massnahmen. Die Erklärungen, wie Eltern in welchem Alter eingreifen können, finde ich ausgesprochen hilfreich. Erläutert werden da zum Beispiel die Anwendung von Verboten, gemeinsames Ansehen von Fernsehsendungen und in welcher Form man mit Kindern über Fernsehsendungen am Besten spricht. Es gibt aber auch einen Abschnitt zu schulischen Massnahmen.

Insgesamt ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Justine

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