Messmer, Rita: Ihr Baby kann's

Selbstbewusstsein und Selbständigkeit von Kindern fördern.
Kreuz-Verlag (2001)
ISBN-10: 3783120551
ISBN-13: 978-3783120554

Beltz; Auflage: Nachdruck (März 2007)
ISBN-10: 3407228686
ISBN-13: 978-3407228680
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Bewertung: 3 von 5 Raben

Die Autorin, dreifache Mutter, hat mit diesem Buch einen sehr anschaulichen und leicht verständlichen "Elternratgeber" geschrieben, der sich von gängigen Erziehungsmethoden distanziert und Eltern dazu rät, mehr auf ihr Gefühl und die Fähigkeiten ihres Babys/Kindes zu vertrauen. Wer Jean Liedloff (s.o.) gelesen hat, wird hier einiges wiederentdecken. Rita Messmer setzt dem heutigen Bild, das viele Menschen von Kindern haben, ein völlig anderes entgegen: Das Baby/Kleinkind, das schon Selbstverantwortung zeigt, verhält sich kommunikativ und kooperativ, begreift weit mehr, als oft gedacht, sofern wir seine Anlagen richtig verstehen und fördern. Sie geht von den Grundbedürfnissen des Säuglings aus und erklärt anhand von Beispielen aus ihrer eigenen Erfahrung und der von Bekannten, wie wir diese Grundbedürfnisse wahrnehmen, richtig deuten und darauf reagieren können, wie wir die Fähigkeiten unserer Kinder fördern, statt sie zu bremsen. Sehr wichtig finde ich den Aspekt der "sensiblen Phasen": Die Autorin erklärt, dass es für jede Entwicklungsphase im Leben sensible Zeitabschnitte gibt, in denen bestimmte Fähigkeiten besonders leicht erlernt werden. Wird eine solche Phase verpasst und eine Sache nicht gelernt, so wird das Kind diesen Lernschritt viel später auf intellektuelle Weise (d.h. über Einsicht) nachholen müssen, wobei der intellektuelle Weg durch viele Faktoren gestört/blockiert werden kann. Ein Beispiel: Sauberkeit. Das Baby kommt mit der Fähigkeit auf die Welt, uns durch sein Verhalten zu signalisieren, wenn es muss. Wird darauf nicht eingegangen (weil das in den Augen unserer Kultur inkontinente Baby sich seiner Ausscheidungen nicht bewusst ist und daher ständig in Windeln gepackt wird), verlernt das Kind innerhalb der ersten Monate, diesbezüglich Signale zu geben und muss Monate oder gar Jahre später das Sauberwerden auf intellektuelle Weise erlernen. Ein weiterer sehr entscheidender Punkt im Leben mit Kindern ist der Umgang mit Gefahrenquellen. Hier veranschaulicht die Autorin sehr eindrücklich, dass schon die Kleinsten sehr wohl mit Gefahren umzugehen wissen und dies im Rahmen ihrer Fähigkeiten auch sollen. Eine Umgebung, in der sämtliche Gefahren vom Kind ferngehalten werden, ist für die Entwicklung des Kindes keineswegs von Vorteil, sondern spiegelt eine falsche Wirklichkeit wider. Das Kind lernt in einer solchen fälschlicherweise oft als "kindgerecht" verstandenen Umgebung nicht, seine eigenen Fähigkeiten einzuschätzen und mit Gefahren adäquat umzugehen. Hier ist es wie mit den sensiblen Phasen: Das Kind muss zu einem späteren Zeitpunkt verpasste Erfahrungen nachholen, was sehr schnell zu fatalen Unfällen führen kann.
Das Buch ist gut gegliedert, was ein nochmaliges Nachlesen einzelner Themenbereiche sehr vereinfacht. "Ihr Baby kann's" erscheint mir ein sehr treffender Titel für dieses Elternbuch, welches ich grundsätzlich gern empfehle. Allerdings bin ich nicht mit allem wirklich einverstanden, z.B. was die Abschnitte über's Essen, Schlafen und die Konsequenz angeht. Hier widerspricht sich die Autorin in manchen Punkten und lässt nur eine etwas einseitige Meinung gelten. Zum Beispiel im Abschnitt "Wie man Grenzen setzt: Das Einschlafproblem" ist Vorsicht geboten: Hier greift sie leider eine Methode auf (obwohl Methoden ansich in diesem Buch doch eher abgelehnt werden!?), die irgendwie an eine sanfte Variante von "Jedes Kind kann..." erinnert. Auch unterstellt die Autorin indirekt einem etwa 10 Monate alten Baby manipulatives Verhalten und beschreibt das "Einschlafproblem" als ein typisches Verhalten von Kindern in diesem Alter. Sicher hat sie Recht, wenn sie dafür plädiert, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und ihren Kindern Grenzen setzen sollen, aber dafür gibt es weitaus bessere Beispiele. Daher von mir, für dieses ansonsten sehr wichtige Buch, zwei Raben Abzug.
Nana

Bewertung: 3 von 5 Raben

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