Imlau, Nora: Crashkurs Baby

Anleitung für Ungeübte, garantiert ohne Schnickschnack.

Gräfe und Unzer Verlag, 2012
162 Seiten
ISBN-10: 3833824018
ISBN-13: 978-3833824012

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Bewertung: 5 von 5 Raben

Dieser Babyratgeber will anders sein und ist anders. Bereits die Aufmachung mit kaschierter Spiralbindung und rohpappenem Umschlag außen sowie klar strukturierten, nicht zu bleiwüstig bedruckten Seiten, auf denen das Wesentliche farbig hervorgehoben ist, unterscheiden ihn wohltuend von den zahlreichen überfrachteten, Babybilder-Heilewelt-suggerierenden Konkurrenzprodukten.

Das Inhaltsverzeichnis weist hingegen auf den ersten Blick die Standards aus: Ernährung, Pflege, Gesundheit, Schlafen… Klar, denn das ist genau das, worüber die frischgebackenen Eltern informiert werden wollen. Aber ein zweiter Blick auf das Inhaltsverzeichnis zeigt schon, hier wird der Fokus anders gesetzt. Das erste Kapiel heißt: „Willkommen, Baby“ und beginnt mit Tipps, die dem Baby beim Ankommen in der Welt helfen. Auf der ersten Seite finden wir in klarer Sprache die Hinweise darauf, dass das Baby nicht sofort abgenabelt gehört, die Käseschmiere erstmal dranbleiben kann und es bald an die Brust soll, damit der Start gelingt. Bald folgt ein Kasten mit Bonding-Strategien, in denen das Rooming in, das häufige Stillen und das Tragen aufgeführt sind.

Auch die weiteren Kapitel beginnen mit dem, was den Rabeneltern gemeinhin wichtig ist, aber noch längst nicht Konsens in Krankenhäusern, unter Hebammen und Ärzten oder gar in der breiten Elternschaft: Zum Thema Ernährung wird zunächst das Stillen, dann das Fläschchen aufgeführt. Bei Gesundheit werden die Vorsorge-Untersuchungen erklärt, aber das Thema Impfen durchaus offen ambivalent angegangen. Im „Unterwegs“-Kapitel findet sich zwar ein stilisierter Kinderwagen als Logo, aber die verschiedenen Tragemöglichkeiten werden an erster Stelle und sehr ausführlich erörtert.

Im „Schlafen“-Kapitel wird das Einschlafbegleiten durchaus auch aus dem Tragetuch heraus als einfachster Weg beschrieben, das Familienbett mit dem Satz: „Möglichst nah aneinander dran zu schlafen, macht die Nächte schlagartig leichter“ als Selbstverständlichkeit dargestellt und ein Info-Kasten räumt auf mit dem Märchen, man könne sein Baby verwöhnen. Dieser Punkt wird auf wohltuende Weise nochmals aufgegriffen, wenn es ums Weinen und Trösten geht: Nora Imlau stellt heraus, dass das Weinen für ein Baby sehr kraftaufwendig ist und daher allein schon „ehrlich“ sein muss. Ebenso betont sie, dass ein Baby gar nicht strategisch manipulierend schreien kann. Insofern sei es unabdingbar, dass Eltern sich sofort um ihr schreiendes Baby kümmern. An dieser Stelle sei aber auch hervorgehoben, dass Imlau durchaus differenziert zwischen den Bedürfnissen der Kinder und der Eltern und auch letztere ernstnimmt: Dass ältere Kinder durchaus strategisch weinen können und Eltern dies durchschauen dürfen, nennt sie ebenso, wie sie im Kapitel „Schlafen“ dem Elternbedürfnis mit guten Tipps Rechnung trägt, die irgendwann befinden, dass sich an der Familienbettsituation etwas ändern muss.

Das Schlusskapitel widmet die Autorin den Eltern, die auch mit Kind noch ein Paar sind und wieder zum Paarsein zurückfinden dürfen und sollen, dabei aber auch gute Eltern und autarke Erwachsene sein möchten.

Nora Imlau hat für ihr Buch lange und ausführlich bei den Rabeneltern mitdiskutiert und immer wieder Leseproben zur Diskussion gestellt. Dieses sorgfältige Vorgehen merkt man dem Buch an, ebenso wie der rabenelterliche Geist, der hindurchweht.

Fazit: Ein Baby-Anfänger-Buch, das man guten Gewissens empfehlen kann. Fünf Raben!

Bewertung: 5 von 5 Raben

Aoide

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