Nolden, Annette: Schwangerschaftskalender

GU
7. Aufl. 2007
ISBN-10: 3-7742 6842-8
ISBN-13: 978-3774268425
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Bewertung: 2 von 5 Raben

Annette Noldens Schwangerschaftskalender ist mit "Begleiter für die spannendste Zeit im Leben" untertitelt. Die Autorin bekam mit 36 Jahren ihr erstes Kind und möchte Schwangeren mit ihrem Buch vor allem viele Informationen bieten und die schönen Seiten der Schwangerschaft hervorheben.
Offensichtlich für Erstgebärende geschrieben, erscheint dieses 190 Seiten gebundene Buch in freundlichen Farben, vom Layout her in für den Verlag typischer Aufmachung, d.h., kurze Abschnitte, angenehm und schnell lesbar mit grafischen Hilfsmitteln zur Orientierung.

Neben seiner kapitelförmigen Unterteilung in zehn Schwangerschaftsmonate mit Informationen zum Schwangerschaftsstadium, zur Entwicklung des Babys und typischen Veränderungen bei der Schwangeren, gibt es etwas Platz für eigene Eintragungen, z.B. wichtige Fragen, Notizen, Gedanken, Daten und pro Monat für jeweils ein (Ultraschall-)Foto. Jedes Kapitel ist noch mal in die einzelnen Schwangerschaftswochen unterteilt. Die Schwangere kann zu Beginn jeder Woche Datum, Bauchumfang und Gewicht eintragen.

Spezielle Pflegetipps (Brust, Bauch, etc.), Rezepte, Bastelideen (z.B. Schmusepuppe fürs Baby oder Gipsabdruck vom Bauch), Hinweise zu typischen Schwangerschaftsbeschwerden, wichtige Infos in gebündelter, knapper Form, untermalt mit Fotos, finden neben einem informellen in Abschnitte unterteilten Fließtext Platz in diesem optisch ansprechenden Buch.
Integriert in die für den jeweiligen Schwangerschaftsabschnitt zugehörigen Informationen finden sich Hinweise und kurze Anleitungen zu Geburtsvorbereitung, -verlauf und der Zeit danach.

Nach dem Kapitel der 40. Schwangerschaftswoche befinden sich auf einer Doppelseite Informationen zum Wochenbett (einschließlich "Babyblues", Rückbildung, Wochenfluss und Milchbildung), leider sehr knapp gehalten, was ich etwas schade finde. Gerade nach der Geburt tauchen viele neue Fragen auf, zu denen es besser schon vorher Antworten oder Anregungen geben sollte. Hier fehlen zumindest Hinweise zu weiterführender Literatur.
Die Autorin geht zwar auf verschiedene Formen der Geburt ein, d.h., erwähnt Hausgeburt, ambulante, sowie Geburt im Geburtshaus, doch im Grundkonsens sind ihre Texte auf die standardisierte Krankenhausgeburt zugeschnitten.
Informationen zum Stillen gibt es auf verschiedenen Seiten; mal geht es um die Pflege der Brust, dann kurz um die Milchbildung und schließlich um das Anlegen nach der Geburt. Etwas zu kurz kommen die Vorteile des Stillens für die Mutter. Hier wird lediglich die positive Wirkung auf die Rückbildung der Gebärmutter genannt.

In Kapitel 8 wird detailliert auf die Baby-Erstausstattung eingegangen. Neben einer stückgenauen Einkaufsliste, die ich im Allgemeinen so unterschreiben würde, gefielen mir weniger gut die Einkaufs- und "Nestbau"-Tipps in Bezug auf Schlafen und Nahrungsaufnahme:
Den sicherlich nett gemeinten Tipp, den Himmel des Stubenwagens so zu gestalten, dass er das Baby an seine Zeit im Bauch erinnert und es sich dadurch geborgen fühlt, hätte man aufgrund der neueren Empfehlungen zur Verminderung des SIDS-Risikos so nicht herausgeben dürfen (laut diesen Empfehlungen sollte kein Himmel angebaut werden!).

Was leider total fehlt, ist ein Hinweis darauf, dass das gemeinsame Schlafen mit dem Baby weit besser für die nötige Geborgenheit sorgt, als jeder Stubenwagen dieser Welt... Familienbett wird überhaupt nicht erwähnt. Die Gründe dafür liegen sehr wahrscheinlich in der eigenen Überzeugung der Autorin, den kontroversen Diskussionen darum oder es spielt keine Rolle, weil der Autorin nicht bekannt?
Immerhin empfiehlt die Autorin, das Baby in der ersten Zeit nach der Geburt im Elternschlafzimmer schlafen zu lassen.

Wenn das Baby Hunger hat ist ein weiterer Abschnitt, der mich zum Punktabzug veranlasst:
"Auch wenn Sie stillen, brauchen Sie ein paar Fläschchen für abgepumpte Milch oder Tee, wenn es sehr heiß ist."
Falsch, Frau Nolden! Gerade WENN Mütter stillen, brauchen sie keine Fläschchen. Es sei denn, es muss in Abwesenheit der Mutter abgepumpte Muttermilch gegeben werden. Aber selbst dafür gibt es bessere Alternativen als das Fläschchen.
Dass die Gabe von Tee völlig überflüssig (auch für nicht gestillte Säuglinge) ist, darüber sollte sich die Autorin bitte informieren.
Diese Empfehlungen gehören längst der Mottenkiste an und haben in einem modernen Schwangerschaftskalender nichts zu suchen, da sie bei unerfahrenen Müttern nur Unsicherheit und Stillprobleme bzw. Verdauungsprobleme beim Kind verursachen können.

Dann folgt eine Liste, was man sich besorgen sollte, die von Plastikmilchfläschchen über Sauger bis zur Milchpumpe reichen.
An dieser Stelle wären Empfehlungen guter Stillbücher, die Kontaktaufnahme zu einer Stillgruppe und andere Anregungen, die den Stillstart erleichtern sollen, weitaus angebrachter.

Insgesamt ist der Kalender von den Informationen her äußerst knapp und für die Erstgebärende auf keinen Fall als alleinige Lektüre zu empfehlen.
Konkrete Literaturhinweise / Weblinks zu den passenden inhaltlichen Abschnitten wären sehr von Nutzen, so wie die Autorin an manchen Stellen auf Internetseiten (z.B. Infos zu Geburtshäusern, Hebammen, etc.) hinweist. Im Anhang gibt es eine Liste zum Nachschlagen mit 2Büchern und Adressen, die weiterhelfen", die man sicher noch um einige Adressen erweitern könnte.

Ich gebe dem Schwangerschaftskalender nur zwei Raben, weil ich ihn zu sehr auf die "Bilderbuchschwangerschaft" zugeschnitten sehe, weil wichtige Informationen fehlen bzw. Empfehlungen gemacht werden, die sogar zu Problemen führen können.
Nana

Bewertung: 2 von 5 Raben

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