Frie, Petra: Wie Eltern Schule mitgestalten können

Ein Handbuch für Lehrer und Eltern.
Verlag An der Ruhr, Auflage: 1 (Mai 2006)
ISBN-10: 3834600822
ISBN-13: 978-3834600820
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Bewertung: 4 von 5 Raben

Dieses Buch, geschrieben von Petra Frie, Diplom-Pädagogin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit tätig, wendet sich an Eltern ebenso wie an Lehrer und möchte dazu beitragen, dass Eltern und Lehrer zum Wohle der Kinder/Schüler zusammenarbeiten lernen.
Denn leider, und das kann ich aus meiner inzwischen dreijährigen Erfahrung als Klassenelternsprecherin bestätigen, hapert es schon an den Grundlagen für eine gedeihliche Zusammenarbeit, nämlich an der Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern sehr.
Die Devise dieses Buches lautet: Nutzen Sie als Lehrer das Potenzial der Eltern! Und nutzen Sie als Eltern Ihre Möglichkeiten der aktiven Mitarbeit und Mitbestimmung in der Schule!

Das Buch gliedert sich in drei Kapitel und einen kurzen Anhang mit Literatur- und Linktipps. Es beginnt in Kapitel 1 "Die Realität von Meinung, Vorurteil, eigener Historie und Erwartungen" damit, sowohl Eltern als auch Lehrern bewusst zu machen, welches Bild sie von Schule im Allgemeinen und von der jeweils anderen Seite im Besonderen und welches Selbstbild sie als Eltern bzw. Lehrer haben. Indem die Erwartungshaltungen von Lehrer an Eltern und von Eltern an Lehrer benannt werden, wird der Blick des Lesers dafür geschärft, dass Eltern und Lehrer im Grunde genommen das Gleiche wollen und auf der gleichen Basis agieren - "aber jeder im Kontext seiner Erfahrungen und Vorstellungen und mit verschiedenen Blickrichtungen auf das gleiche Ziel." (S. 32)

Das umfangreichste, mit "Praxistipps" betitelte zweite Kapitel des Buches stellt den eigentlichen Kern des Buches dar. Es werden darin alle wichtigen Situationen des Schullebens aufgeführt, in denen Eltern und Lehrer miteinander in Kontakt treten (müssen): Das erste Kennenlernen, der erste Elternabend, Gremienarbeit, Elternsprechtag, Konfliktsituationen. Das Besondere an diesem Buch ist, dass es nicht im Abstrakten verhaftet bleibt, sondern ganz konkrete Beispiele aus der Praxis gibt, die von der Autorin analysiert und Verbesserungsvorschlägen gegenüber gestellt werden. Viele der Beispiele, die die Autorin schildert, werden sowohl bei Eltern als auch Lehrern ein Gefühl des Déjà-vu auslösen - und hoffentlich auch ein Aha-Erlebnis bei der Erkenntnis, wie man es besser machen kann. Jeder Abschnitt wird in einem Praxistipp mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Voraussetzungen für ein Gelingen der Situation abgeschlossen. Besonderer Wert wird auf die Grundlagen gelingender Kommunikation gelegt - und auch hier bleibt die Autorin praxisnah und liefert zum Beispiel Formulierungsvorschläge für die Einladungen zu Elternabenden oder "Anti-Killerphrasen", die dabei helfen, dass die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern nicht schon im Ansatz abgewürgt wird.
Das Praxiskapitel beschäftigt sich abschließend mit den Möglichkeiten, Eltern als außerschulische Experten zu gewinnen und den Chancen, die sich daraus für die Schule ergeben. An dieser Stelle wird überdeutlich, welche Verschwendung von Ressourcen und Potenzialen es ist, wenn Elternarbeit von der Schule auf das Backen von Kuchen und das Betreuen von Basarständen beschränkt wird.
Auf den 139 Seiten des Buches werden noch viele weitere Aspekte von Lehrer- und Elternarbeit in der Schule angesprochen, die hier nicht alle benannt werden können.

Dieses Buch gehört in das Bücherregal eines jeden Lehrers, ganz gleich an welcher Schulstufe er unterrichtet - und insbesondere Referendare sollten es aufmerksam lesen. Denn es wird darin gezeigt, wie man es "besser machen kann". Auf die Frage, wie die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern und die Mitwirkung der Eltern an der Schule besser gestaltet werden kann, als dies an einem Großteil der Schulen in Deutschland bisher der Fall ist, zeigt dieses Buch Antworten auf. Und die Verantwortung für das Gelingen einer Eltern-Lehrer-Beziehung zum Wohle der Schüler liegt hauptsächlich auf der Seite der Professionellen. Aber auch alle Eltern sollten dieses Buch lesen - alle Eltern, denen es nicht genug ist, einmal im Jahr zum Elternsprechtag zu marschieren und sich in zwanzig Minuten über das schulische Leben ihres Kindes belehren zu lassen, alle Eltern, denen die Teilnahme an der Schule als einer der wichtigsten Determinanten im Leben ihrer Kinder am Herzen liegt, alle Eltern, die sich mit der klassischen Konstellation der Gegnerschaft von Eltern und Lehrern nicht mehr zufrieden geben wollen.

Im kritischen Fazit von Karin Görtz-Brose, dem dritten Kapitel dieses Buches, schreibt sie:

Das Ungleichgewicht von Macht ist an unseren Schulen harte Realität und beeinflusst Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern, Lehrern und Eltern weitreichend, indirekt auch zwischen Schülern sowie Eltern und Kindern. [...]
Der Appell bzw. die Verpflichtung von Eltern und Lehrern, zum Wohle des Kindes zu kooperieren ist ein sehr hoher Anspruch an alle Beteiligten, weil er gegen die eigene Struktur (des Systems Schule) durchgesetzt werden muss. Von wem? Von allen, die ein echtes Interesse daran haben, dass aus der Ausleseschule eine Förderschule wird, an jeder Schule eine leistungsfördernde Atmosphäre entsteht, die ausschließlich an den Erfolgserlebnissen für jeden einzelnen Schüler interessiert ist. [...]
Es ist die Frage nach der Haltung anderen Menschen gegenüber, die Schule sich stellen müsste.

Ich wünsche diesem Buch, dass es seinen Beitrag dazu leisten kann und vergebe dafür 4 Raben, da ich mir den theoretischen Teil etwas umfangreicher gewünscht hätte und die explizite Darstellung eines "guten" Schulmodells vermisst habe.
Roberta

Bewertung: 4 von 5 Raben

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