Küspert, Petra Dr. Dipl.-Psych.: Wie Kinder leicht lesen und schreiben lernen

Oberstebrink/Eltern-Bibliothek (2003)
ISBN-10: 3934333044
ISBN-13: 978-3934333048
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Bewertung: 5 von 5 Raben

Durch Zufall bin ich im I-Net auf dieses Buch gestoßen und war von der Beschreibung so angetan, dass ich es mir gekauft habe. Mein älterer Sohn wird bald eingeschult - von daher rührt auch mein Interesse an dem Thema. "Wie Kinder leicht lesen und schreiben lernen" - welche Mutter würde das nicht interessieren...? Irgendwo hatte ich einmal aufgeschnappt, dass Legastheniker meist viel zu spät als solche erkannt werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sozusagen. Daher lag mir daran, nicht unvorbereitet in den neuen Lebensabschnitt meines Sohnes zu starten.

Es sei gleich vorweg gesagt: Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, es müsste Pflichtlektüre für alle Eltern von Vorschulkindern und für alle Pädagogen im Elementarbereich sein, seien es nun Erzieher oder Grundschullehrer.

Das Buch beginnt mit einem Leitfaden, der dem Leser je nach Lebenssituation bestimmte Kapitel besonders ans Herz legt. Das ist hilfreich, wenn man sich ganz schnell einen Überblick verschaffen will. Jedes der Kapitel endet übrigens mit einer Zusammenfassung ("Das Wichtigste in Kürze"), wodurch das Gelesene besser im Gedächtnis haften bleibt.
Nach einer Einführung durch drei Elternberichte ("So war`s bei unserem Kind") und dem Hinweis, dass viele Legastheniker erst viel zu spät in der dritten Klasse oder sogar noch später als solche erkannt werden, wodurch die Kinder viel Leid erfahren, erläutert die Autorin in Kapitel 2, wie Lesen und Schreiben lernen denn eigentlich funktioniert und was dabei im Gehirn passiert. Schon allein dieser Abschnitt macht das Buch wertvoll. Dann erklärt sie, was sich hinter dem Begriff Legasthenie eigentlich verbirgt und wie diese festgestellt werden kann (nämlich nur durch Tests qualifizierten Fachpersonals, nicht etwa durch Lehrer). In Kapitel 4 erfährt man, wieso Lesen- und Schreibenlernen keineswegs erst in der Schule beginnt, sondern schon lange vorher, was es mit dem Konzept der phonologischen Bewusstheit auf sich hat und dass es bestimmte Vorläufer-Merkmale gibt, anhand derer man den Schulerfolg bzw. -misserfolg vorhersagen kann. In Kapitel 5 geht sie näher auf diese Warnsignale im Vorschulalter ein und erläutert auch, was noch ganz allgemein zur Schulreife eines Kindes gehört. Kapitel 6 dann beschäftigt sich mit der spielerischen (!) Förderung im Vorschulalter. Das sogenannte Würzburger Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit (ein 10-Wochen-Programm) wird dargestellt und auf einigen Seiten werden auch Spiele für zu Hause beschrieben. In den letzten beiden Kapitel geht es dann um Kinder, die bereits zur Schule gehen. Wie können Eltern und Lehrer dem lese-rechtschreibschwachen Kind helfen, wenn es bereits "in den Brunnen gefallen ist", welche Förderungsmöglichkeiten gibt es in der Schule und welche sind sinnvoll, welche Regelungen gibt es in den einzelnen Bundesländern, wann benötigt ein Kind eine außerschulische Legasthenie-Therapie und wie und durch welche Übungen können die Eltern ihr Kind auch zu Hause unterstützen?

Zwei wichtige Daten seien noch genannt: Die Autorin empfiehlt eine Untersuchung der Vorschulkinder entweder 10 oder spätestens 4 Monate vor der Einschulung, damit noch genug Zeit bleibt, Legastheniekarrieren gefährdeter Kinder abzumildern bzw. ganz zu verhindern. Dabei nennt sie eine Erfolgsquote von 90 Prozent. Eine frühere Untersuchung hat wiederum nicht viel Sinn, weil sie infolge des Entwicklungsstandes nicht aussagekräftig genug ist.

Als letztes sei noch auf einen besonderen Vorzug des Buches hingewiesen: Das Buch hat alles in allem nur 189 Seiten! Soviel geballte und fundierte Information auf so wenig Raum, in klarer und verständlicher Sprache, dazu bebildert und grafisch ansprechend gestaltet - as verdient mein besonderes Lob, weiß ich doch aus eigener Erfahrung wie schwierig es ist, sich kurz zu fassen -siehe diese Rezension *g*.

Das Buch erhält von mir die Höchstwertung: 5 Raben.

(Liebe Eltern, glaubt nicht, dass "der Knoten sich schon irgendwann lösen" wird, wenn Euer Kind besondere Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen hat, sondern informiert euch vorher über dieses Thema! Vergesst auch bitte nicht: Es gibt daneben noch die Dyskalkulie, also eine Rechenschwäche - damit habe ich mich aber noch nicht beschäftigt....)
Roberta

Bewertung: 5 von 5 Raben

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