Bergmann, Wolfgang: Die Kunst der Elternliebe

Von dem, was uns zusammenhält.

Verlag: Beltz; Neuausgabe 2011
ISBN-10: 3407229224
ISBN-13: 978-3407229229
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Bewertung: 3 von 5 Raben

Wolfgang Bergmann ist mittlerweile bekannt für seinen Blick auf Kinder, der sich deutlich von denen unterscheidet, die Kinder hauptsächlich als zu konditionierende Wesen ansehen, für deren Erziehung sie Patentrezepte bereitstellen.
Bergmanns Credo, das er auch in diesem Buch schlüssig und engagiert vorträgt, ist vielmehr: Ein Kind muss gesehen werden, es muss seinen Eltern wichtig sein, es braucht Eltern, die mit ihm die Welt entdecken und wirklich mit ihm in Beziehung treten wollen. Er kritisiert vehement Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft, die diese Aufgabe der Familie erschweren und bedrohen. Bergmanns Kernaussagen sind so einfach, dass allein der Umstand, dass sie überhaupt getätigt werden müssen, ein Gradmesser dafür ist, wie wichtig sie sind: Dass Kinder Beziehung brauchen und Anteilnahme, nicht Bewertung und Konditionierung. Dass sie klare, verlässliche Eltern brauchen, und vor allem deren unerschütterliche Liebe. Er stellt sie in seinem Rundgang durch die Erfahrungswelt von Eltern und Kindern anschaulich dar, in gut verständlichen, kurzen Kapiteln, die jeweils auch für sich lesbar sind.
Problematisch ist indes sein Familienbild, das auf biologistischen Annahmen aufbaut: So recht er hat, dass Eltern als verlässliche Bindungspersonen unersetzlich sind, so fraglich ist doch, ob dies wirklich nur in einer klassischen Rollenverteilung erreicht werden kann. Es wirkt dabei auch unplausibel, wenn er einerseits schlüssig aufweist, dass Scheidungskinder unter der Trennung der Eltern leiden, ebenfalls feststellt, dass die meisten Trennungen von der Frau ausgehen, und dass zugleich, trotz dieser beiden Beobachtungen, eine gleichberechtigtere Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit so gar nicht zu seinem Forderungskatalog gehört. Es ist dem Autor voll und ganz zuzustimmen, dass für Kinder klassisch "mütterliche" und "väterliche" Rollen bei ihren primären Bezugspersonen besetzt sein müssen. Aber es ist zu hinterfragen, dass er diese Rollen strikt an das Geschlecht der beiden Elternteile knüpft.
Weil die Erinnerung an die existentielle Notwendigkeit des liebevollen Blicks auf Kinder so wichtig ist und in der Hoffnung, dass Eltern in anderen Rollenverteilungen als der klassischen selbstbewusst genug sind, sich, wenn sie ihre Wahl verantwortungsvoll getroffen haben, nicht von diesen Aussagen verunsichern lassen, sei der Titel trotzdem empfohlen, dieses Mankos wegen allerdings nur mit 3 Raben.

Bewertung: 3 von 5 Raben

Annette Jantzen

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