Harris, Judith Rich: Ist Erziehung sinnlos?

Warum Kinder so werden, wie sie sind.
Rowohlt Tb. (November 2002)
ISBN-10: 3499614693
ISBN-13: 978-3499614699
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Bewertung: 3 von 5 Raben

Ein pädagogisches Fach mit 669 Seiten - so etwas liest man nicht freiwillig, oder? Zum Glück ist die Autorin Amerikanerin. Und da die Amis es irgendwie besser drauf haben, Fachbücher zu schreiben, ist dieses Buch doch in weiten Teilen gut und flüssig zu lesen.
Die provokante Frage im Titel würde die Autorin glatt bejahen. Kinder - so ihre These - würden nicht von den Eltern, sondern durch die Peergroup (Gleichaltrigengruppe) in Kiga, Schule und Nachbarschaft erzogen. Sollten sie doch frappierende Ähnlichkeiten mit ihren Erzeugern aufweisen, so sei das rein eine Sache der Genetik, denn nicht nur Augenfarbe und Körpergröße würden vererbt.
Rich zerpflückt zunächst sehr viele Untersuchungen, die den Einfluss elterlichen Verhaltens belegen. Diese Kapitel sind für Leute, die (wie ich) nur wenig Ahnung von Statistik haben, nur begrenzt nachvollziehbar. Sie selber kann allerdings auch keine große Untersuchung anführen, dass ihre These stimmt. Vielmehr verweist sie dort auf prominente Einzelfälle, wie den Jungen polnischer Einwanderer, der mit 7 (ohne ein Wort englisch zu sprechen) mit seinen Eltern nach Amerika zog. Seine Eltern schafften es nie, über ein bruchstückhaftes Englisch hinauszukommen, während ihr Sohn ein "native speaker" wurde. Ob ihre Einzelfälle reichen, um ihre These zu belegen, dass mögen die Experten beurteilen.
Was für mich die Sache wieder interessant macht: Sie relativiert den Einfluss der Eltern. Und ich denke, dass sie damit den Eltern auch ein Stück Unbefangenheit in Sachen Erziehung wiedergibt. So misstraut sie vielen Erziehungsratgebern, was ja auch durchaus angebracht ist. Ihr Rat an alle Eltern: Dafür zu sorgen, dass die Umgebung gerade auch für junge Kinder so ist, wie sie von der Natur vorgesehen ist (dass sie dabei auch ein Plädoyer für das Co-Sleeping hält, kann uns Rabeneltern nur erfreuen). Die vielfältigen Förderungen und Spielzeuge findet sie übertrieben. Und sie empfiehlt eine gute Auswahl von Wohnort und Schule. Hierbei spielen wohl weniger die Erziehungskonzepte eine Rolle. Vielmehr kommen so die Kinder mit den richtigen Peers zusammen.
Ob ihre These stimmt, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist es mal ein erfrischender Ansatz. Was mich gestört hat: Das Buch ist zu lang. Die Autorin wiederholt sich oft. Das Ganze auf 250 Seiten wäre wesentlich besser.

Bewertung: 3 von 5 Raben
Astrid Ahlers

 

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