Kinder muss man abhärten

Kinder muss man abhärten

sonst werden sie später in der "echten" Welt untergehen.

Das ist eine Variante der Verwöhnen-Ammenmärchen: Kinder müsse man früh an die Widrigkeiten des Lebens gewöhnen, damit sie nicht denken, alle Menschen wären nett zu ihnen oder würden ihre Bedürfnisse erfüllen. Kinder sollten also am besten gleich von Anfang an lernen, dass sie zurückstehen müssen und dass man sich "da draußen" durchsetzen muss.

Der erste Denkfehler dabei ist, dass die Vertreter dieses Ammenmärchens folgendes übersehen: Richtig für seine Bedürfnisse einstehen kann nur, wer gelernt hat, dass sie wichtig sind. Wer früh lernt, dass er kein Recht auf die Erfüllung seiner Bedürfnisse hat, wird als Erwachsener oft gar nicht merken, wenn seine Bedürfnisse übergangen werden und wahrscheinlich ein unsicherer Mensch sein, der Schwierigkeiten hat, tragfähige Beziehungen einzugehen.

Denkfehler Nummer zwei: Die Annahme, dass Menschen durch Zuwendung und Entgegenkommen geschwächt und verzärtelt würden. Im Gegenteil brauchen Menschen jedoch Zuwendung und Zärtlichkeit, um ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen und zu erhalten.

Zuwendung und Entgegenkommen sollten an den jeweils aktuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet sein. Es sollte ihm ermöglicht werden, neue Erfahrungen zu machen, beispielsweise das selbständige Beilegen eines Streites. Aber wenn ein Kind Hilfe benötigt, dann soll man sie ihm gewähren. Denn dass ein Kind bei seinen wichtigsten Bezugspersonen Geborgenheit erfährt und gesehen, geliebt, angenommen und getröstet wird, sollte selbstverständlich sein. Dann sieht die "echte" Welt am Ende auch gar nicht so unbarmherzig aus, dass man sich nur mit ausgefahrenen Ellbogen hineintraut.

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